SpaceX Aktie: DZ Bank senkt Kursziel auf 100 Dollar

Trotz 100. Orbitalstart im Jahr 2026 stuft die DZ Bank SpaceX auf Sell ab. Die Aktie leidet unter Bewertungs- und Lockup-Druck.

Die Kernpunkte:
  • DZ Bank startet mit Verkaufsrating
  • 100. Falcon-Mission erfolgreich absolviert
  • Lockup-Frist läuft für Millionen Aktien ab
  • KI-Übernahme Cursor treibt Diversifikation voran

SpaceX steckt zwischen Wachstumsrekorden im Weltraumgeschäft und wachsender Skepsis der Wall Street. Die DZ Bank hat das Papier am Freitag mit einem Kursziel von 100 US-Dollar auf Sell eingestuft, während der Konzern gleichzeitig seine 100. Orbitalmission des Jahres feierte. Für Anleger ergibt sich ein zwiespältiges Bild.

Bewertung und Lockup belasten den Kurs

DZ-Bank-Analyst Markus Leistner sieht das faire Kursniveau bei nur 100 Dollar und begründet dies mit der ambitionierten Bewertung des Unternehmens. Die Aktie schloss am 20. August bei 134 Dollar, seit Jahresbeginn liegt sie damit rund 17 Prozent im Minus.

Belastend wirkte zudem die zweite Lockup-Tranche, die am selben Tag ausgelaufen ist und 319 Millionen Aktien für den Handel freigegeben hat – der nächste Sperrfristablauf folgt bereits im Dezember.

Im deutschen Handel notierte die Aktie am Freitag bei 117,20 Euro, ein Plus von 2,1 Prozent auf Tagessicht. Über die vergangenen 30 Tage hat sich das Papier um 16 Prozent erholt, liegt aber weiterhin 40 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro aus dem Juni.

Die Volatilität bleibt mit 91 Prozent auf Jahressicht außergewöhnlich hoch – ein Zeichen dafür, dass der Markt die Bewertungsfrage noch nicht geklärt hat.

Nicht alle Analysten teilen die skeptische Sicht der DZ Bank. Bernstein bewertet SpaceX weiterhin mit Outperform und einem Kursziel von 248 Dollar – mehr als das Doppelte der DZ-Bank-Marke.

Diese Spanne zeigt, wie unterschiedlich die Zukunftserwartungen an das Unternehmen ausfallen, dessen Kapitalausgaben im zweiten Quartal bei 18,37 Milliarden Dollar lagen, davon 15,83 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur. Unter dem Strich stand ein Verlust von 541 Millionen Dollar.

Operatives Geschäft läuft auf Hochtouren

Während die Bewertungsdiskussion die Schlagzeilen dominiert, liefert SpaceX operativ ab. Am Samstag startete eine Falcon 9 von Vandenberg mit 27 Starlink-Satelliten – die 100. Falcon-Mission des Jahres. Der Booster mit der Kennung B1100 absolvierte dabei seinen neunten Flug und landete zum 220. Mal auf dem Drohnenschiff „Of Course I Still Love You“.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 kam SpaceX auf 165 Falcon-Starts. Das Starlink-Netzwerk umfasst mittlerweile mehr als 11.000 Satelliten, Firmengründer Elon Musk hat nach eigenen Angaben mehr als 30 Starts pro Tag als Ziel ausgegeben.

Auch beim Starship-Programm geht es voran: Musk kündigte an, der sogenannte Turmfang der Rakete solle in wenigen Monaten gelingen, ein erneuter Testflug wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet.

Der nächste orbitale Starship-Flug ist frühestens für den 28. August angesetzt. Politischer Rückenwind kommt von der US-Regierung: Ein neues nationales Sicherheitsmemorandum soll bis 2030 mehr als 1.000 Raketenstarts pro Jahr ermöglichen, verbunden mit dem Ziel einer Mondlandung bis 2028 und einer Mondbasis bis 2030.

Expansion in KI und neue Geschäftsfelder

Strategisch treibt SpaceX seine Diversifizierung voran. Die für 60 Milliarden Dollar in Aktien abgeschlossene Übernahme des KI-Unternehmens Cursor soll laut Unternehmensplanung binnen fünf Jahren 99 Prozent des Firmenwerts ausmachen. Ein kolportiertes Übernahmeangebot für den Konkurrenten Cognition wurde hingegen vom dortigen Firmenchef Scott Wu dementiert.

Laut Bloomberg baut SpaceX zudem ein Erdgas-Handelsteam auf, um den eigenen Treibstoff- und Energiebedarf abzusichern – ein Hinweis darauf, wie energieintensiv die Expansion in Rechenzentren und KI-Infrastruktur mittlerweile geworden ist.

Auch bei institutionellen Investoren sorgt SpaceX für Bewegung: Der Investmentfonds D.E. Shaw hat im zweiten Quartal eine neue Position im Wert von 912,4 Millionen Dollar aufgebaut und im Gegenzug seinen Broadcom-Anteil deutlich reduziert – ein Beleg dafür, wie stark sich die Kapitalströme im KI-Infrastruktursektor derzeit verschieben.

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