SpaceX Aktie: Plattform statt Transporter?
Adam Jonas bestätigt sein Rating und nennt 300 Dollar als Kursziel; zugleich verhandelt SpaceX über eine Finanzierung für Nvidia-KI-Chips.

- Morgan Stanley bestätigt „Overweight“
- Kursziel von 300 Dollar genannt
- Gespräche über Nvidia-Chipfinanzierung laufen
- Drei Missionen am 1. Oktober
Die Grenzen zwischen klassischer Raumfahrt und der globalen Technologieindustrie verschwimmen zusehends. Wer die Bewertung von SpaceX verstehen will, darf das Unternehmen längst nicht mehr allein als reinen Raketenbauer betrachten.
Analyst Adam Jonas von Morgan Stanley rückte am Montag genau diesen Perspektivwechsel in den Mittelpunkt: Er bekräftigte seine Einstufung mit „Overweight“ und rief ein Kursziel von 300 $ aus. SpaceX sei auf wachstumsbereinigter Basis günstig, angetrieben von künftigen Chancen in den Bereichen künstliche Intelligenz und Rechenleistung sowie dem bevorstehenden 15. Testflug des Starship-Systems.
Dieser Vorstoß trifft einen Nerv an den Finanzmärkten. Wo früher reine Transportkosten pro Kilogramm Nutzlast im Mittelpunkt standen, rückt nun das Zusammenspiel aus weltweiter Datenübertragung und orbitaler Infrastruktur in das Blickfeld institutioneller Anleger.
Die Logik dahinter ist bestechend: Wer den Zugang zum Orbit kontrolliert, bestimmt auch die Spielregeln für die darauf aufbauenden Netze. Der Konzern wandelt sich damit vom Transportdienstleister schrittweise zum übergeordneten Plattformbetreiber.
Neubewertung jenseits der Raumfahrt
Mit einem aktuellen Kurs von 149,32 € notiert das Papier zwar 23 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 194,46 €, spiegelt aber bereits erhebliche Wachstumsfantasien wider. Passend dazu verhandelt SpaceX Medienberichten zufolge über ein Fremdkapitalpaket für den Kauf von Nvidia-KI-Chips, das von Apollo Global Management angeführt werden soll.
Die Finanzierungsgespräche sind zwar noch nicht abgeschlossen, unterstreichen aber die strategische Stoßrichtung: Starlink und Rechenleistung sollen zu einem neuartigen Verbund verschmelzen.
Dass solche Ambitionen an den Märkten überhaupt ernst genommen werden, liegt an der industriellen Routine, die das Unternehmen im All etabliert hat. Raumfahrt ist bei SpaceX kein seltenes Großereignis mehr, sondern ein hochgradig getakteter Fabrikbetrieb.
Industrielle Routine im Stundentakt
Am 1. Oktober demonstrierte der Konzern diese Taktung mit drei erfolgreichen Missionen in dichter Folge. Neben dem Start der NASA-Mission Crew-13, deren Besatzung die ISS nach acht Stunden Flugzeit erreichte, transportierte eine Falcon 9 im Rahmen der Transporter-18-Mission zahlreiche Kleinsatelliten – darunter das Projekt Suncatcher von Google. Unmittelbar danach folgte ein Falcon-Heavy-Start für eine Aufklärungsmission der US-Regierung.
Diese Frequenz schafft die operative Basis für weit größere Pläne. Wenn Satellitenflotten nicht mehr nur Signale weiterleiten, sondern miteinander vernetzte Rechnerknoten bilden, wird die Grenze zwischen Telekommunikation und moderner Cloud-Infrastruktur durchlässig. Die erdnahe Umlaufbahn entwickelt sich so zum strategischen Rückgrat für datenintensive Anwendungen auf der Erde – von autonomen Systemen bis hin zur weltumspannenden Vernetzung.
Die Skalierung am Boden
Der Hebel zur Skalierung bleibt das Starship-System. Zwar erreichte Flug 14 am 28. September die Umlaufbahn, endete jedoch aus Sicherheitsgründen vorzeitig. Parallel dazu eröffnete die US-Luftfahrtbehörde FAA am 29. September eine ergänzende Umweltprüfung für den Startkomplex SLC-37 in Florida. Dort strebt SpaceX künftig bis zu 76 Starts pro Jahr an, wofür die Behörde die bestehende Lizenz anpassen muss.
Wird der Orbit damit endgültig zur nächsten Ausbaustufe der irdischen Tech-Ökonomie? Für den Kapitalmarkt verschiebt sich der Maßstab jedenfalls spürbar. Wer SpaceX bewertet, blickt nicht mehr allein auf Triebwerke, Nutzlastkapazitäten und Startrampen. Im Zentrum steht zunehmend die Frage, wie sich Hardware, Rechenarchitektur und globale Infrastrukturmonopole langfristig monetarisieren lassen.
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