Interviewmit Dieter Jaworski

SpaceX Aktie: Über 30 Flüge je Booster härten den Kostenvorsprung ab

Wiederverwendung und Starlink stärken das Kerngeschäft, während Starship-Ausbau und KI-Investitionen ihre Rendite noch belegen müssen.

Die Kernpunkte:
  • Einige Falcon-9-Booster flogen über 30-mal
  • Zusätzliche Starts kosten geschätzt 20 bis 30 Millionen Dollar
  • Starship-Zuverlässigkeit bleibt entscheidend für den Ausbau
  • KI-Investitionen müssen ihre Rendite erst nachweisen

Die Kursziele der Analysten für SpaceX liegen weit auseinander, während der Analysten-Konsens für 2027 einen kräftigen Umsatzsprung erwartet. Wie viel davon können das Startgeschäft und Starlink tragen, wenn zugleich hohe Summen in Rechenzentren fließen? Diese Frage richtet die Redaktion an Dieter Jaworski.

SpaceX (US84615Q1031) — Schlusskurse 12.06.2026 bis 05.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 05.10.2026.

SpaceX (US84615Q1031) — Schlusskurse 12.06.2026 bis 05.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 05.10.2026.

Felix Baarz: Sie halten den Kostenvorsprung durch wiederverwendbare Raketen für dauerhaft. Wenn die Nachfrage nach Starts einbricht, fehlen SpaceX doch gerade die Flüge, über die sich dieser Vorsprung auszahlt. Was bleibt dann von der Geschäftsqualität?

Dieter Jaworski: Weniger Flüge würden wehtun. Aus einer Flaute folgt allerdings nicht, dass alle Anbieter plötzlich gleich teuer arbeiten. Einige Falcon-9-Booster sind mehr als 30-mal geflogen; die Grenzkosten, also die Kosten eines zusätzlichen Starts, liegen dank der Wiederverwendung geschätzt bei 20 bis 30 Millionen Dollar.

ULA und Ariane 6 haben diesen Vorteil bislang nicht in vergleichbarem Maß. Der Kostenpuffer schützt die Rendite eher als der Verkaufspreis: Bei schwacher Nachfrage kann auch SpaceX seine Preise nicht beliebig durchsetzen. Und wenn Starlink weniger eigene Starts benötigt, wird der Puffer dünner.

Felix Baarz: „Der Kostenpuffer schützt die Rendite eher als der Verkaufspreis“ – wie lange hält dieser Schutz, wenn auch Starlink kaum noch eigene Starts benötigt?

Dieter Jaworski: SpaceX würde eine Flaute wohl länger aushalten als seine Rivalen. Stehen die Raketen zu oft am Boden, wird der Betrieb trotzdem teuer. Auch ein Vorsprung braucht Aufträge.

Felix Baarz: Die FAA hat für den Startkomplex SLC-37 erst die Umweltvorprüfung für bis zu 76 Jahresstarts eingeleitet. Wie stark trifft der vorzeitige Abbruch des jüngsten Starship-Flugs Ihre Zuversicht für den Ausbau?

Dieter Jaworski: Die beantragten 76 Jahresstarts müssen erst Nachfrage finden. Vor allem muss Starship zuverlässig und wirtschaftlich fliegen; darauf baut meine Zuversicht für den Ausbau. Dass der jüngste Flug Satelliten aussetzte, zählt.

Der Abbruch wegen eines Antriebsproblems zählt ebenfalls. Ich läge falsch, wenn Starship auf Dauer hinter den Erwartungen zurückbleibt: Dann bliebe mit Falcon 9 und Starlink ein starkes Geschäft, während die zusätzliche Kapazität teuer bezahlt und womöglich zu wenig genutzt wäre.

Felix Baarz: Warum liegt Ihr faires Niveau praktisch beim Analysten-Konsens, wenn Sie die zusätzliche Kapazität für eine mögliche Belastung halten?

Dieter Jaworski: Mein faires Zwölfmonatsniveau von rund 198 Euro liegt tatsächlich nahe am Analysten-Konsens. Den tragenden Wert sehe ich im Startgeschäft und im Starlink-Netz: SpaceX baut Satelliten, bringt sie mit eigenen Raketen ins All und betreibt anschließend das Netz. Das ist schwer nachzubauen, zumal knappe Frequenzen und Genehmigungen hinzukommen.

Für die KI-Expansion setze ich deutlich weniger Vertrauen an. Der freie Cashflow – das Geld, das nach Betrieb und Investitionen übrig bleibt – ist stark negativ. Ein Abstand zwischen Preis und fairem Niveau allein beweist keinen Bewertungsfehler des Marktes.

Felix Baarz: Der Analysten-Konsens erwartet für 2027 rund 113 Milliarden Dollar Umsatz. Unterschätzen Sie die KI-Sparte, obwohl bereits 23,6 Milliarden Dollar hineingeflossen sind?

Dieter Jaworski: Große Umsätze kann die Vermietung von Rechenkapazität durchaus bringen. Aus den hohen Ausgaben folgt aber noch keine gute Kapitalrendite, also ein überzeugender Ertrag auf das eingesetzte Geld.

Im Raketenmarkt kann SpaceX seine eigene Starttechnik nutzen; bei Rechenkapazität können Kunden auch andere Anbieter wählen. Dort muss das Unternehmen seinen Vorteil erst beweisen. Bei schuldenfinanziertem Ausbau gewichte ich diese offene Rechnung schwerer als eine hohe Umsatzschätzung.

Felix Baarz: Sie sagen, die beantragten 76 Jahresstarts müssten erst Nachfrage finden. Folgt daraus für SpaceX insgesamt Zuversicht oder überwiegen für Sie die offenen Fragen bei Starship und der KI-Sparte?

Dieter Jaworski: Für das bestehende Geschäft überwiegt meine Zuversicht. Die wiederverwendbaren Raketen und Starlink geben SpaceX einen Kostenvorsprung, der auch eine Nachfragedelle aushalten dürfte. Für den weiteren Ausbau bin ich strenger: Zusätzliche Startkapazität und KI-Ausgaben müssen ihre Kapitalrendite erst verdienen. Die industrielle Basis ist stark. Die teuersten Erwartungen sind noch Arbeit.

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