Stärke 7,7 in Japan – und die Schockwellen erreichen Mumbai

Ein Erdbeben der Stärke 7,7 in Japan löst eine Kettenreaktion an den Devisenmärkten aus und bedroht Schwellenländer durch Kapitalabflüsse.

Die Kernpunkte:
  • Yen-Aufwertung durch Kapitalrückführung
  • Carry-Trade-Positionen werden aufgelöst
  • IWF senkt Prognose für Schwellenländer
  • Notenbanken zeigen Solidarität mit Fed-Chef

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern kündigte ich den Donnerstag als Stresstest an. Er ist es geworden – nur anders als erwartet. Nicht Volkswagen oder Nestlé lieferten die entscheidende Nachricht des Tages, sondern ein Erdbeben der Stärke 7,7 in Japan. Die menschliche Tragödie steht im Vordergrund. Doch auf den Bildschirmen der Devisenhändler in Frankfurt, London und New York zeichnete sich binnen Stunden eine Kettenreaktion ab, die weit über Tokio hinausreicht.

gestern beschrieb ich an dieser Stelle die Zwickmühle der Bank of Japan zwischen fragilem Wachstum und dem Druck, den Yen zu stabilisieren. Das Erdbeben hat diese Gleichung über Nacht verändert.

Der Yen und das Ende des billigen Geldes

Der japanische Yen notiert bei rund 159,7 pro US-Dollar – historisch schwach. Doch die Märkte blicken bereits nach vorn und rechnen mit einer Aufwertung. Der Grund ist ein klassischer Reflex: Japanische Versicherer müssen Schäden in der Heimat regulieren und dafür im Ausland geparktes Kapital zurückführen. Im großen Stil.

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Für das globale Finanzsystem ist das brisant. Jahrelang war Japan der günstigste Kreditgeber der Welt. Investoren liehen sich zinslose Yen, legten das Geld in Brasilien, Indien oder den USA an und strichen die Zinsdifferenz ein – der sogenannte Carry Trade. Genau diese Positionen drohen nun massenhaft aufgelöst zu werden.

Verschärfend wirkt, dass die Bank of Japan unter Gouverneur Kazuo Ueda ohnehin auf Straffungskurs ist. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen kletterte auf 2,40 Prozent – den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Der Leitzins liegt bei 0,75 Prozent. Der Nikkei 225 durchbrach am Donnerstag zwar kurzzeitig erstmals die Marke von 60.000 Punkten, gab die Gewinne aber sofort wieder ab und rutschte deutlich zurück. Euphorie sieht anders aus.

Kapitalflucht aus den Schwellenländern

Wenn in Tokio das Geld knapper wird und der US-Dollar gleichzeitig seine Dominanz ausbaut – sein Anteil an internationalen Transaktionen stieg laut Swift-Daten im März auf den Rekordwert von 51,1 Prozent –, trifft es die verwundbarsten Volkswirtschaften zuerst.

Indien liefert das anschaulichste Beispiel. Noch im Februar verzeichnete das Land Netto-Direktinvestitionen von 4,6 Milliarden US-Dollar, den höchsten Wert seit fast vier Jahren. Dann drehte der Wind: Allein im März zogen ausländische Portfolioinvestoren 12,3 Milliarden US-Dollar ab. Die Rupie verlor im April 4,2 Prozent.

Der IWF reagierte am Donnerstag und senkte seine Wachstumsprognose für die Schwellenländer 2026 von 4,2 auf 3,9 Prozent, während die Inflationserwartung auf 5,5 Prozent stieg. Die Zentralbanken dieser Länder stecken in einer Falle: Eigentlich bräuchten sie niedrigere Zinsen, um die Konjunktur zu stützen. Doch laut IWF-Daten folgen 60 Prozent von ihnen notgedrungen der US-Notenbank Fed nach oben – weil alles andere den Währungsverfall beschleunigen würde.

Notenbanker schließen die Reihen

In Washington spielt sich derweil ein institutionelles Drama ab. Die Trump-Administration drohte Fed-Chef Jerome Powell mit strafrechtlichen Konsequenzen wegen seiner geldpolitischen Entscheidungen. Die Antwort kam am Donnerstag in einer Form, die es so kaum je gegeben hat: Führende Zentralbanker der EZB, der Bank of England und der Bank of Canada veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung der „vollen Solidarität“ mit Powell. Einen vergleichbaren koordinierten Schulterschluss gab es zuletzt während der Finanzkrise 2008 und in der Pandemie.

Auffällig: BoJ-Gouverneur Ueda hat das Dokument nicht unterzeichnet – ob aus diplomatischer Zurückhaltung gegenüber Washington oder wegen der Erdbebenfolgen, bleibt offen. Für den Euro-Raum ist das Signal eindeutig: Die EZB stellt sich öffentlich gegen politische Einflussnahme auf die Geldpolitik. Der Euro zeigte sich am Donnerstag mit 1,1698 US-Dollar entsprechend stabil.

Staatsfinanzen am Limit

Während die Notenbanken um ihre Unabhängigkeit ringen, mahnt der IWF die Fiskalpolitik. Die Warnung ist konkret: Regierungen sollen die durch die Blockade der Straße von Hormus verursachten Energiepreisschocks – Brent-Öl notiert weiter über 100 Dollar – nicht mit breiten Subventionen abfedern. Die Rechnung dafür wäre zu hoch. Die globale Staatsschuldenquote wird laut IWF bis 2029 die 100-Prozent-Marke des weltweiten BIP erreichen. Die Zinsausgaben der Staaten haben sich in nur vier Jahren von zwei auf fast drei Prozent der Wirtschaftsleistung erhöht.

Auch in Frankfurt war die Stimmung gedämpft. Der DAX schloss am Donnerstag mit einem leichten Minus bei 24.195 Punkten. SAP litt unter den enttäuschenden Ausblicken von US-Konkurrenten – ServiceNow verlor 14,8 Prozent. Und wenn selbst Microsoft massive KI-Investitionen ankündigt, aber die Monetarisierung stockt – nur 3 Prozent Copilot-Adoption –, wächst die Skepsis gegenüber dem gesamten Sektor.

Was das für Anleger bedeutet

Die Berichtssaison bestätigt, was sich diese Woche verdichtet hat: Aktienmärkte preisen die Gewinne von morgen ein, Anleihen- und Devisenmärkte die Zins- und Kapitalrealitäten von heute. Zwischen beiden klafft eine Lücke, die sich nicht dauerhaft halten lässt. Wer Erfahrung hat, weiß: Wenn Aktien- und Rentenmarkt unterschiedliche Geschichten erzählen, behält meist der Rentenmarkt recht.

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Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Abend und morgen einen erfolgreichen Wochenabschluss.

Herzlichst, Ihr Felix Baarz

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