Stagflation, Schufa-Zeitenwende und die größten Fußstapfen der Tech-Welt

Ölpreisschock und Stagflationsängste dominieren die Börsen, während personelle Wechsel bei Adobe und eine grundlegende Reform der Schufa für zusätzliche Unsicherheit sorgen.

Die Kernpunkte:
  • Ölpreis über 103 Dollar befeuert Stagflationssorgen
  • Adobe-Aktie stürzt trotz Rekordzahlen nach CEO-Rücktritt ab
  • Schufa führt neues, umstrittenes Scoring-System ein
  • Debatte um Lagarde-Nachfolge an der EZB entbrannt

Liebe Leserinnen und Leser,

drei Wochenverluste in Folge, Brent über 103 Dollar, und ein CEO-Rücktritt, der Milliarden an Börsenwert vernichtete – obwohl die Quartalszahlen glänzten. Die Wall Street hat eine neue Angst-Hierarchie etabliert: Geopolitik schlägt Fundamentaldaten. Und mittendrin steht ein Wort, das Ökonomen seit den Siebzigerjahren nicht mehr so häufig in den Mund genommen haben.

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Am Freitag schrieb ich Ihnen über Washingtons Öl-Poker und die gelockerten Russland-Sanktionen als Notventil gegen den Preisschock. Das Ventil hat nicht gehalten. Die Dominosteine, die wir in den letzten zwei Wochen aufgestellt haben, beginnen zu fallen – und zwar gleichzeitig.

Das S-Wort auf dem Parkett

Der S&P 500 schloss am Freitag bei 6.632 Punkten, dem tiefsten Stand des Jahres. Der Dow Jones rutschte auf 46.558 Punkte. Die Analysten von BCA Research liefern dazu den passenden Rahmen: Die Phase der „anfänglichen Schockwelle“ sei vorbei. Was jetzt folge, seien die Dominoeffekte.

Und die Dominosteine liegen offen auf dem Tisch. Nach den US-israelischen Angriffen auf Irans Öl-Infrastruktur auf der Insel Kharg hat Brent die 100-Dollar-Marke nicht nur durchbrochen, sondern sich bei über 103 Dollar festgesetzt. Am Samstag drohte Teheran den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Vergeltung; erste Zwischenfälle an einem Energie-Knotenpunkt der VAE wurden gemeldet. Trump wies Waffenstillstandsbemühungen kategorisch zurück.

Das eigentliche Gift für die Börsen ist jedoch nicht der Ölpreis allein – es ist die Kombination. Schon vor dem Preissprung der letzten zwei Wochen lag die US-Inflation im Februar bei 2,4 Prozent, während das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2025 auf magere 1,4 Prozent abkühlte. Die Arbeitslosenquote stieg unerwartet auf 4,4 Prozent. Stagflation. Nobelpreisträger Paul Krugman warnt bereits vor einem schweren globalen Wirtschaftsschock. Die Notenbanken stecken in der Zwickmühle: Zinsen senken heizt die Inflation an. Zinsen halten würgt die Konjunktur ab. Es gibt keinen sauberen Ausweg.

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Adobes Paradoxon: Perfekte Zahlen, brutale Strafe

Am Freitag lieferte Adobe den vielleicht lehrreichsten Moment dieser Börsenwoche. Das Unternehmen legte für das erste Quartal 6,4 Milliarden Dollar Umsatz vor – ein Plus von 12 Prozent. Der Gewinn pro Aktie übertraf die Erwartungen deutlich. Das KI-Geschäft floriert.

Die Aktie brach um über 7 Prozent ein.

Der Auslöser war kein Zahlenproblem, sondern eine Personalie. CEO Shantanu Narayen kündigte nach über 18 Jahren an der Spitze seinen Rücktritt an. Selbst eine öffentliche Gratulation seines Schulfreundes Satya Nadella zu dieser „legendären Zeit“ konnte die Anleger nicht besänftigen. Die Lektion dahinter ist unbequem, aber klar: In einem Markt, der von Unsicherheit durchzogen ist, wird personelle Kontinuität mit einem massiven Aufschlag bewertet. Fällt diese Säule weg, wiegen selbst Rekordquartale nichts. Ein Sonderausschuss sucht nun den Nachfolger – die Fußstapfen könnten kaum größer sein.

Am Dienstag endet die Schufa, wie wir sie kennen

Während die Welt auf Ölpreise und Börsenindizes starrt, steht in Deutschland am kommenden Dienstag eine Veränderung bevor, die fast jeden Verbraucher betrifft – und die kaum jemand auf dem Schirm hat. Die Schufa begräbt ihr altes Scoring-System.

Der vertraute Basis-Score von 0 bis 100 Prozent und die sechs branchenspezifischen Scores verschwinden. An ihre Stelle tritt eine Punkteskala von 100 bis 999. Erzwungen durch EuGH-Urteile der Jahre 2023 und 2025, die mehr Transparenz verlangten. Was nach kosmetischer Anpassung klingt, hat strukturelle Sprengkraft.

Künftig fließen nur noch 12 Kriterien in die Bewertung ein. Die Verbraucherzentrale NRW schlägt Alarm: Das neue System könnte junge Menschen systematisch benachteiligen. Wer eine kurze Kredithistorie aufweist, berufsbedingt häufig umzieht oder „Buy Now, Pay Later“-Dienste nutzt, wird härter abgestraft. Auch wer regelmäßig Strom- oder Telefonanbieter wechselt, muss mit Nachteilen rechnen. Ein Algorithmus mit zwölf Variablen entscheidet künftig darüber, ob jemand eine Wohnung bekommt oder einen Kredit. Weniger Daten bedeuten hier nicht automatisch mehr Fairness.

Machtpoker an der Spitze der EZB

Inmitten dieser globalen Verwerfungen nimmt eine Debatte Fahrt auf, die Europas Geldpolitik für das nächste Jahrzehnt prägen könnte. Nachdem die Financial Times Mitte Februar berichtete, EZB-Präsidentin Christine Lagarde erwäge einen vorzeitigen Rücktritt noch vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027, rückt die Nachfolgefrage ins Rampenlicht.

Zwei deutsche Namen kursieren: Das EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Schnabel hatte im Dezember ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, stellte zuletzt aber klar, dass sie ihre volle achtjährige Amtszeit bis Ende 2027 absolvieren will. In einer Phase, in der die europäische Wirtschaft stagniert und die Grünen vor milliardenschweren EU-Strafzahlungen wegen verfehlter Klimaziele warnen, wäre eine deutsche Notenbankchefin ein starkes politisches Signal – und ein strategischer Hebel, den Berlin nicht leichtfertig verspielen wird.

Die Quintessenz

Die alte Börsenlogik – schwache Wirtschaftsdaten gleich baldige Zinssenkungen gleich steigende Kurse – funktioniert nicht mehr, wenn ein dreistelliger Ölpreis die Inflation künstlich hochhält. Wir treten in eine Phase ein, in der Preissetzungsmacht zur entscheidenden Unternehmenskennzahl wird. Wer steigende Energiekosten an Kunden weitergeben kann, übersteht diesen Sturm. Wer es nicht kann, gerät unter Margendruck – und zwar schnell.

Am Mittwoch wird die Fed ihre Zinsentscheidung verkünden. Eine Senkung gilt als ausgeschlossen. Die eigentliche Frage ist, wie Jerome Powell das toxische Gemisch aus 100-Dollar-Öl, hartnäckiger Kerninflation und schwächelndem Arbeitsmarkt in seine Prognose übersetzt. Selten war eine Pressekonferenz wichtiger als die Entscheidung selbst.

Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Rest des Wochenendes. Behalten Sie einen kühlen Kopf – die kommende Woche wird ihn brauchen.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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