Stagflations-Falle: Wenn 167 Prozent Gewinnwachstum nicht mehr reichen
Angriffe im Persischen Golf treiben Energiepreise in die Höhe und zwingen die EZB zu einer restriktiven Haltung. Märkte stürzen ab, selbst starke Tech-Gewinne werden abgestraft.

- Energiepreise explodieren nach Angriffen auf Katar
- EZB korrigiert Inflationsprognose deutlich nach oben
- DAX bricht ein, Gold verliert als Krisenschutz
- Micron-Gewinnwachstum von 167% reicht nicht aus
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schrieb ich Ihnen, Jerome Powell werde versuchen müssen, für die physische und die digitale Ökonomie eine gemeinsame geldpolitische Sprache zu finden. Die Antwort kam heute – und sie lautet: Stillstand. Sowohl die Fed als auch die EZB und die Bank of England ließen ihre Leitzinsen unverändert. Was die Märkte aber wirklich erschütterte, war nicht das Stillhalten. Es war der Ausblick.
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Denn parallel zur geldpolitischen Dreifach-Pause eskalierte der Krieg am Persischen Golf auf eine Stufe, die den Energiemarkt in seinen Grundfesten erschüttert. Die Puzzleteile dieses historischen Donnerstags fügen sich zu einem Bild, das Anleger zwingt, ihre Annahmen für die kommenden Monate grundlegend zu überdenken.
Angriff auf die Energie-Arterien der Welt
Teheran hat die Eskalation gewählt. Iranische Drohnen attackierten nicht nur die saudische SAMREF-Raffinerie in Yanbu, sondern trafen auch das Herzstück der globalen Flüssiggasversorgung: Das Ras Laffan LNG-Terminal in Katar meldet nach dem Angriff „bedeutende Brände und schwere Schäden“. Katars Exportkapazität wurde schlagartig um 17 Prozent reduziert. Die Straße von Hormus – Transitroute für ein Fünftel des weltweiten Öls – ist für die kommerzielle Schifffahrt de facto geschlossen. Die Weltschifffahrtsorganisation arbeitet bereits an Evakuierungsplänen für festsitzende Schiffe.
US-Präsident Trump drohte umgehend mit der vollständigen Zerstörung des iranischen South-Pars-Gasfelds. Die Spirale dreht sich weiter.
An den Rohstoffmärkten schlug sich das in Zahlen nieder, die man zuletzt während der Ölkrisen der 1970er-Jahre gesehen hat: Brent-Rohöl schoss in der Spitze über 119 Dollar pro Barrel, bevor es sich zwischen 112 und 115 Dollar einpendelte – ein Plus von 70 Prozent seit Jahresbeginn. Europäische Erdgaspreise am TTF-Markt explodierten um bis zu 35 Prozent auf 74 Euro je Megawattstunde. Die globalen LNG-Preise sprangen um 25 Prozent.
Lagardes hawkischer Schwenk
Für die EZB ist dieser Energiepreisschock ein Albtraum, der die mühsam aufgebaute Zinssenkungserzählung der letzten Monate pulverisiert. Christine Lagarde vollzog heute einen spürbaren Kurswechsel. Die neuen Projektionen lesen sich wie ein Lehrbuch der Stagflation: Wachstumsprognose für die Eurozone 2026 von 1,2 auf 0,9 Prozent gesenkt. Inflationserwartung von 1,9 auf 2,6 Prozent nach oben korrigiert. Und in einem Negativszenario – sollte Öl auf 150 Dollar steigen – warnt die EZB vor einer Teuerungsrate von fast 5 Prozent im Jahr 2027.
Der Leitzins bleibt bei 2,0 Prozent. Die Fed hält bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Geldmärkte preisen Zinssenkungen für 2026 in den USA mittlerweile fast vollständig aus. Die Ära des billigen Geldes, auf die so viele Investoren gewettet hatten, verschiebt sich auf unbestimmte Zeit.
Schwarzer Donnerstag – und das Versagen der sicheren Häfen
Der DAX brach um 2,82 Prozent auf 22.839 Punkte ein, den tiefsten Stand seit Ende April 2025. Besonders brutal traf es zinssensible Werte: Vonovia stürzte um über 12 Prozent ab. Wenn die Zinsen hoch bleiben, erstickt das jede Refinanzierungshoffnung der Immobilienbranche. Auch der S&P 500 fiel unter seine 200-Tage-Linie. JPMorgan senkte prompt das Jahresendziel auf 7.200 Punkte und warnte vor der „Selbstgefälligkeit“ der Investoren gegenüber dem Ölschock.
Bemerkenswert ist, was parallel geschah. Gold – der klassische Krisenschutz – crashte um bis zu 6 Prozent auf rund 4.600 Dollar je Unze. Silber verlor 13 Prozent. Bitcoin rutschte unter 70.000 Dollar. Der Mechanismus dahinter: Ein extrem starker US-Dollar und rasant steigende Anleiherenditen – die 10-jährigen US-Papiere rentieren wieder bei 4,27 Prozent – saugen Liquidität aus allem, was keine Zinsen abwirft. In diesem Umfeld gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Gold und Krypto. Beide verlieren gegen Cash.
Das Tech-Paradoxon
Gestern beschrieb ich die „historische Zweiteilung der Märkte“ – hier die physische Ökonomie, gefesselt an Kriege und Rohstoffengpässe, dort die digitale, die sich in immer neue Bewertungssphären katapultiert. Heute lieferte Micron den Beweis, dass selbst diese Trennlinie bröckelt.
Die Zahlen des Speicherchip-Giganten waren atemberaubend: 13,6 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 57 Prozent. Der bereinigte Gewinn pro Aktie explodierte um 167 Prozent. Die Reaktion der Börse? Minus 5 Prozent.
Der Grund liegt in den Investitionskosten. Micron muss die Ausgaben für 2026 um 2 Milliarden auf rund 20 Milliarden Dollar erhöhen, um im KI-Hardware-Rennen mitzuhalten. Künstliche Intelligenz bringt gigantische Umsätze, verschlingt aber historisch beispiellose Summen an Kapital. Und in einer Welt, in der Kapital durch hohe Zinsen wieder einen echten Preis hat, werden solche Ausgabenpläne gnadenlos abgestraft. Die Gleichung hat sich verändert: Wachstum allein reicht nicht mehr. Es muss profitables Wachstum sein, das seinen eigenen Kapitalhunger finanziert.
Der aktuelle Chip-Sektor zeigt genau diese Spannung – gewaltige Umsätze auf der einen, explodierende Investitionskosten auf der anderen Seite. Das kostenlose Webinar „Der Eine-Billion-Dollar-Chip“ analysiert, welche 4 Halbleiter-Aktien trotz dieses Drucks strukturell profitieren könnten und warum nicht alle Chip-Unternehmen gleich auf steigende Kapitalkosten reagieren. Sie lernen, welche Unternehmen im KI-Hardware-Rennen die bessere Ausgangslage haben – jenseits der bekannten Namen. Webinar: 4 Chip-Aktien im KI-Hardware-Rennen
Dass parallel Uber ankündigte, bis zu 1,25 Milliarden Dollar in den E-Autobauer Rivian zu investieren, um 2028 autonome Robotaxis auf die Straßen zu bringen, zeigt: Der technologische Wandel lässt sich von geopolitischen Krisen nicht aufhalten. Er wird nur teurer.
Die Quintessenz
Wir treten in eine Phase ein, in der die drei großen Kräfte – Geopolitik, Geldpolitik und technologischer Wandel – gleichzeitig in verschiedene Richtungen ziehen. Die Energiepreise erzwingen restriktive Zentralbanken. Restriktive Zentralbanken bestrafen kapitalintensive Investitionen. Und kapitalintensive Investitionen sind genau das, was die KI-Revolution verlangt.
Für Portfolios bedeutet das: Preissetzungsmacht bei Unternehmen und eine solide Liquiditätsreserve sind wichtiger als die Jagd nach dem nächsten Wachstumswunder. Der Ölpreis bleibt der Taktgeber. Solange er über 100 Dollar notiert, bleibt die Zinswende eine Fata Morgana.
Ich wünsche Ihnen trotz der unruhigen Nachrichtenlage einen ruhigen Donnerstagabend. Kühler Kopf war selten wertvoller.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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