Steinhoff International: Bricht das dem Unternehmen das Genick?

In der zurückliegenden Woche gab es neue Hiobsbotschaften für den südafrikanisch-deutschen Möbelkonzern Steinhoff. Denn in Johannesburg wurde nun vor dem Obersten Gerichtshof eine Sammelklage eingereicht. Hierbei beziffert die mittelbar beteiligte deutsche Anwaltskanzlei Tilp das vorläufige Klagevolumen auf 12 Milliarden Euro.

Verklagt wird nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch Banken (u. a. auch die Commerzbank), Wirtschaftsprüfer und frühere Führungskräfte. Insgesamt soll es dabei um mehr als 60 Personen und Unternehmen gehen. Ihnen allen wird letztendlich vorgeworfen, in den vergangenen Jahren die Bilanzen von Steinhoff manipuliert und gegen verschiedene Kapitalmarkt-Gesetze verstoßen zu haben. Nach Auskunft der Kanzlei Tilp sind derzeit rund 800 Aktionäre an der Sammelklage beteiligt.

Wenn das Gericht die Klage annimmt…

Das weitere Procedere sieht nun vor, dass das südafrikanische Gericht die Voraussetzungen für die eingereichte Klage prüft. Kommt es zum Ergebnis, dass die Klage gerechtfertigt ist, wird ein so genannter abstrakter Kreis der Geschädigten bestimmt. D.h., dass letztlich festgelegt wird, welche Aktionäre von einem wie auch immer gearteten Urteil betroffen wären. Das könnte beispielsweise dahin führen, dass das Gericht pauschal Aktionären, die in einem bestimmten Zeitraum Aktien gekauft haben, dann Schadenersatz zusprechen könnte. So könnte schnell aus den 12 Milliarden Euro auch noch mehr werden.

3 Jahre Zeit

Die Klage kommt für Steinhoff selbst zur Unzeit. Erst vor kurzem hatte der Möbelkonzern einen Erfolg beim Versuch erringen können, die Folgen des Bilanzskandals in Ordnung zu bringen. So erreichte man bei den Gläubigern ein Stillhalteabkommen über die nächsten drei Jahre. Dies wäre sicherlich genügend Zeit, um sprichwörtlich den Laden wieder aufzuräumen. Dabei geht es um gut 9 Milliarden Euro Verbindlichkeiten. Und schon daran kann man sehen, wie gefährlich die neue Sammelklage in ihrer jetzigen Größenordnung und in ihrer möglichen Erweiterung werden kann.

Kommt Steinhoff unter Zugzwang?

Sollte die Sammelklage Erfolg haben, müsste Steinhoff sicherlich massiv Vermögenswerte verkaufen. Einige Notverkäufe gab es bereits. Weitere Verkaufspläne versucht man derzeit im Tempo zu drosseln, um die möglichen Verkaufspreise nicht zu stark unter Druck zu bringen. Bei einer verlorenen Klage wäre dieser Versuch nur Makulatur.

Natürlich wird die nun eingereichte Sammelklage, wenn sie denn angenommen wird, nicht von heute auf morgen Ergebnisse bringen. In der Regel wird das mindestens mehrere Monate in Anspruch nehmen, vielleicht sogar Jahre. Genügend Zeit also für Steinhoff, um hier weitere Restrukturierungsmaßnahmen erfolgreich umzusetzen. Aber es würde bis zu einer Entscheidung ein großes und gewichtiges Damoklesschwert über dem Kurs von Steinhoff International schweben.

Steinhoff Aktie: Zockerpapier

Deswegen gilt aus unserer Sicht weiter: Die Steinhoff-Aktie sollte derzeit nur etwas für hart gesottene Spekulanten sein, die sich der hohen Volatilität und des enormen Risikos bewusst sind. Angesichts der Fragilität der fundamentalen Rahmenbedingungen scheint bei Steinhoff weiterhin alles möglich – von erneuten Kursgewinnen wie auch von deutlichen Verlusten.

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