Steinhoff: Was sind die neuen News für die Aktie wert?

Was für ein Kontrastprogramm beim angeschlagenen Möbelkonzern Steinhoff. In den vergangenen drei Handelstagen konnte die Aktie zeitweise rund 77 % hinzugewinnen. Was alles im direkten Zusammenhang mit der Ende letzter Woche vorgelegten Halbjahresbilanz steht. Denn in deren Rahmen hat Steinhoff offenbar reinen Tisch gemacht und gleichzeitig dem Markt eine mögliche Überlebensperspektive gegeben.

Die wichtigste Zahl dabei: Steinhoff schreibt nachträglich für das zurückliegende Geschäftsjahr 2016/2017 10,9 Milliarden Euro ab. Das sind fast 5 Milliarden Euro mehr als bislang prognostiziert. Doch statt für Erschrecken sorgt dies an der Börse augenscheinlich für Erleichterung, dass der südafrikanische Konzern mit deutschen Wurzeln echtes Tabula rasa in seiner Bilanz gemacht hat. Da waren die Zahlen zum ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres fast nur Nebenwerk.

Kunden misstrauen Steinhoff

Allerdings zeigen diese, in welcher desolaten operativen Situation das Unternehmen weiterhin ist. Denn in den ersten sechs Monaten (Oktober 2017 bis März 2018) verbuchte man operativ einen Verlust von 152 Millionen Euro, mehr als dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust lag bei 599 Millionen Euro nach 362 Millionen Euro im Vorjahr. Beim Umsatz musste man Einbußen um 6 % auf 9,35 Milliarden Euro hinnehmen. Was auch daran liegt, dass die Kunden derzeit angesichts der Firmenlage nicht bereit sind, bestellte Waren anzuzeigen. Deshalb bleibt nach Auskunft des Unternehmens auch die Liquiditätslage extrem angespannt. Immerhin:

Vereinbarung mit Gläubigern auf dem Weg

Mit den Gläubigern scheint sich Steinhoff nun einig zu werden. Eine erste Stillhalte-Vereinbarung, die am vergangenen Samstag ausgelaufen wäre, wurde noch einmal um drei Wochen verlängert. Wie es ausschaut, wird es dem Unternehmen tatsächlich gelingen, mit den meisten Gläubigern/Banken eine Verlängerung der ausstehenden Kredite über rund 9,4 Milliarden Euro über weitere drei Jahre zu vereinbaren.

Damit würde Steinhoff genügend Luft bekommen, um die Firmenstruktur halbwegs in Ruhe neu zuordnen. Die bisherigen Verkäufe wie die deutsche Möbelkette Poco und die österreichischen Möbelhäuser Kika/Leiner waren eher Notverkäufe, um Löcher zu stopfen. Weitere Asset-Verkäufe werden sicherlich folgen müssen. Sollten die Kreditgeber allerdings tatsächlich der Verlängerung zustimmen, könnten hier auch vernünftige Verkaufspreise herausspringen.

Steinhoff als Penny Stock weiter hoch spekulativ

Fazit: Das alles wird an der Börse durchaus mit Wohlwollen betrachtet. Wobei weiterhin klar sein sollte: Steinhoff bleibt höchst spekulativ und ist – umgangssprachlich – noch längst nicht der Pleite von der Schippe gehüpft. Wer in Steinhoff tatsächlich einen Turnaround-Wert erkennen will, sollte hier noch Geduld aufbringen, bis mindestens die Kreditfrage geklärt ist.

%d Bloggern gefällt das: