Stellantis Aktie: 49 Prozent seit Jahresbeginn verloren
Stellantis kämpft in Italien mit fehlenden Motorteilen, während Tarifverhandlungen in Kanada und ein Investorenauftritt im Fokus stehen.

- Mirafiori stoppt Fertigung wegen Motorteilemangel
- Melfi plant September im Einschichtbetrieb
- Unifor verhandelt für 9.000 Beschäftigte
- Jeep-Chef Filosa spricht in New York
Der Automobilkonzern Stellantis sieht sich aktuell mit operativen Schwierigkeiten an seinen europäischen Standorten und wegweisenden Tarifgesprächen in Nordamerika konfrontiert. Während Engpässe bei Bauteilen die Fertigung in Italien bremsen, bereitet sich die Konzernführung auf einen wichtigen Auftritt vor Investoren vor, um das Vertrauen des Marktes nach den deutlichen Kursverlusten der vergangenen Monate zurückzugewinnen.
Lieferengpässe treffen italienische Werke
In Italien musste das Unternehmen die Produktion im Werk Mirafiori in Turin vorübergehend einstellen. Medienberichten zufolge ruhten die Bänder von Mittwoch bis zum heutigen Freitag. Grund für diese Maßnahme ist ein akuter Mangel an Motorkomponenten.
Diese Knappheit steht in direktem Zusammenhang mit einer unerwartet hohen Nachfrage nach Hybridfahrzeugen, welche die bestehenden Lieferketten unter Druck setzt. Stellantis erklärte dazu, man arbeite intensiv daran, die Kapazitäten in der Motorenfertigung an den gestiegenen Bedarf anzupassen.
Parallel dazu wird der Betrieb im Werk Melfi angepasst. Für den gesamten September ist dort ein Einschichtbetrieb vorgesehen. Das Ziel dieser Maßnahme ist es, die Produktion von täglich etwa 295 Fahrzeugen zu stabilisieren und so den wichtigen Anlauf des neuen Modells DS7 zu unterstützen. Diese logistischen Herausforderungen fallen in eine Phase, in der die Aktie an der Börse massiv unter Druck steht.
Das Papier notiert heute zwar mit einem Plus von 1,0 Prozent bei 4,78 Euro, hat aber seit Jahresbeginn rund 49 Prozent an Wert verloren. Damit bewegt sich der Kurs aktuell 29 Prozent unter seinem gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Tage.
Arbeitskampf in Kanada und Führungsumbau
An der nordamerikanischen Front haben am Dienstag entscheidende Verhandlungen mit der Gewerkschaft Unifor begonnen. Diese betreffen mehr als 9.000 kanadische Beschäftigte des Konzerns.
Die Gewerkschaft hat eine interne Frist bis zum Freitag kommender Woche gesetzt, um eine vorläufige Einigung zu erzielen. Der aktuelle Tarifvertrag läuft regulär am 20. September aus. Ein Scheitern der Gespräche könnte die Produktion in einer ohnehin angespannten Phase weiter belasten.
Flankiert werden diese operativen Themen von personellen Veränderungen in der obersten Führungsebene, die zum 1. September wirksam wurden. Stephanie Hartgrove hat die Position des Chief Communications Officer übernommen, während Clara Ingen-Housz fortan den Bereich Public Policy & Regulatory Strategy für den internationalen Handel leitet. Dieser Umbau soll die strategische Ausrichtung und die Kommunikation des Konzerns in einem schwierigen Marktumfeld stärken.
Fokus auf Investorenkonferenz in New York
Anleger richten ihre Aufmerksamkeit nun auf den kommenden Donnerstag, den 10. September. Wie Stellantis gestern mitteilte, wird Antonio Filosa, CEO der Marke Jeep, das Unternehmen auf der Jefferies Global Industrials Conference in New York vertreten. Es wird erwartet, dass die Konzernleitung dort zu den aktuellen Produktionsproblemen und der weiteren Strategie im Bereich der Antriebswende Stellung bezieht.
Der Auftritt findet am frühen Abend europäischer Zeit statt und könnte neue Impulse für den Kurs liefern, der derzeit mit einem Abstand von 54 Prozent weit unter seinem 52-Wochen-Hoch notiert.
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