Stellantis Aktie: Brampton-Werk zum Verkauf oder zur Schließung
Stellantis prüft Verkauf oder Schließung des Werks Brampton, was rund 3.000 Beschäftigte betrifft. Der Konzern verlagert die Produktion in die USA und investiert dort massiv.

- Werk Brampton vor dem Aus
- Produktion wandert in die USA
- Investitionen in Belvidere erhöht
- Aktie nahe 52-Wochen-Tief
Der Automobilkonzern Stellantis treibt seinen industriellen Umbau in Nordamerika voran und sorgt damit für erhebliche Unruhe an seinen kanadischen Standorten.
Wie die Gewerkschaft Unifor gestern mitteilte, prüft das Unternehmen ernsthaft den Verkauf oder die vollständige Schließung des Montagewerks in Brampton, Ontario. Die Entscheidung markiert einen Wendepunkt für den Standort, der seit Ende 2023 stillgelegt ist und rund 3.000 Beschäftigte betrifft.
Unsicherheit am Standort Brampton
Die Nachricht über das mögliche Aus für das Werk in Brampton kommt für die Arbeitnehmervertreter überraschend, da Stellantis im Jahr 2023 noch Zusagen für den Fortbestand des Standorts gegeben hatte. Unifor-Präsidentin Lana Payne bezeichnete die Pläne als schweren Schlag für die Belegschaft.
Hintergrund der Überlegungen ist die Verlagerung der Produktion des Jeep Compass nach Illinois in den USA, die bereits im Oktober 2025 erfolgte. Dieser Schritt wurde maßgeblich durch US-Handelszölle beeinflusst.
Die Situation ist politisch brisant, da die kanadische Regierung dem Konzern erst im Jahr 2022 Fördermittel in Höhe von 529 Millionen Kanadischen Dollar für die Modernisierung der Werke in Brampton und Windsor zugesagt hatte.
Laut Gewerkschaftsangaben gab es bereits erste Gespräche zwischen Stellantis und einem Drittunternehmen über einen möglichen Verkauf der Fabrik. Ein offizieller Kündigungsbescheid liegt bisher nicht vor; der geltende Tarifvertrag sieht für eine solche Maßnahme eine Vorlauffrist von einem Jahr vor.
Verzögerungen und Investitionen in den USA
Parallel zu den Unsicherheiten in Kanada passt Stellantis seine Planungen in den Vereinigten Staaten an. Das Unternehmen bestätigte, dass die nächste Generation des Jeep Cherokee ab 2028 im Werk Belvidere in Illinois gefertigt werden soll. Dies entspricht jedoch der dritten Verzögerung für diesen Standort, da die Serienproduktion nun erst für die zweite Jahreshälfte 2029 vollständig anlaufen dürfte.
Um die dortige Transformation zu unterstützen, plant Stellantis zusätzliche Investitionen in Höhe von 200 Millionen US-Dollar. Damit steigt das Gesamtbudget für den Standort Belvidere auf über 800 Millionen US-Dollar. Während die Produktion des Jeep Compass künftig dort angesiedelt ist, bleibt das Vorgängermodell des Cherokee aus mexikanischer Fertigung vorerst im Angebot, um die Marktabdeckung zu gewährleisten.
Marktdruck und operative Neuausrichtung
Die strategischen Verschiebungen spiegeln sich in einer schwachen Börsenperformance wider. Das Papier beendete den Handel am Freitag bei 4,63 Euro, was einem Tagesverlust von 0,8 Prozent entspricht. Damit notiert der Wert nur noch hauchdünn mit einem Abstand von 0,8 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 4,59 Euro.
Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits 51 Prozent an Wert verloren, was den massiven Druck verdeutlicht, unter dem der Konzern im aktuellen Marktumfeld steht.
Trotz der Werksschließungspläne versucht Stellantis, die Begehrlichkeit seiner Marken durch Produktneuheiten zu steigern. Am heutigen Samstag präsentiert die Tochtermarke Dodge auf der Woodward Dream Cruise mehrere neue Konzepte und Modelle, darunter eine 600 PS starke Super Bee Launch Edition des Chargers für das Modelljahr 2027. Strategisch wird zudem über eine engere Kooperation mit dem chinesischen Partner Leapmotor spekuliert, um die Kostenstrukturen zu optimieren.
Die kommenden Wochen gelten als entscheidend für die kanadischen Aktivitäten, da der aktuelle Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Unifor am 20. September ausläuft.
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