Stellantis Aktie: Pariser Salon soll Kurserholung stützen

Ram-Auslieferungen steigen, während Jeep-Verkäufe und Produktionsunterbrechungen die Ertragslage des Autokonzerns belasten.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert am Freitag 6,5 Prozent
  • Ram-Auslieferungen steigen um 29 Prozent
  • Jeep-Verkäufe sinken um 20 Prozent
  • Neun Konzeptfahrzeuge für Paris angekündigt

Ein Nerventest für investierte Anleger

Am Freitag gerieten die Papiere des Autokonzerns unter erheblichen Verkaufsdruck. Die Aktie gab um 6,5 Prozent nach und ging bei 3,90 Euro aus dem Handel. Damit notiert der Titel nur noch 2,1 Prozent über seinem bisherigen Jahrestiefststand. Für Aktionäre spitzt sich die Lage zu Beginn der neuen Handelswoche spürbar zu, denn das Papier nähert sich einer kritischen charttechnischen Marke.

Hinter der jüngsten Schwäche stehen mehrere Belastungsfaktoren, die das Vertrauen der Marktteilnehmer auf die Probe stellen. Vor gut einer Woche sorgten Berichte über Produktionspausen in europäischen Werken sowie stagnierende US-Verkaufszahlen für Verunsicherung.

Für Marktteilnehmer stellt sich nun die grundlegende Frage, ob das gedrückte Kursniveau eine übertriebene Marktreaktion widerspiegelt oder ob sich das fundamentale Umfeld weiter eintrübt.

Die Stabilität im nordamerikanischen Kerngeschäft

Der entscheidende Faktor für die künftige Ertragsentwicklung bleibt das Abschneiden auf dem US-Markt. Das Gesamtvolumen stagnierte dort im dritten Quartal nahezu unverändert auf Vorjahresniveau. Innerhalb der Modellpalette zeigt sich jedoch eine deutliche Zweiteilung, die für die Ertragskraft von zentraler Bedeutung ist.

Auf der einen Seite legten die Auslieferungen der Pick-up-Marke Ram um 29 Prozent auf 134.072 Fahrzeuge zu. Auf der anderen Seite brachen die Verkäufe der traditionell margenstarken Geländewagenmarke Jeep um 20 Prozent ein.

Dieser Verschiebung kommt eine erhebliche Tragweite zu. Das US-Geschäft galt über Jahre hinweg als wichtigster Gewinnbringer des Konzerns. Wenn margenstarke Modellreihen an Boden verlieren, lässt sich dies durch Zuwächse in anderen Segmenten nur schwer kompensieren. Ob die Nachfragebelebung bei Ram ausreicht, um die Ertragsdelle bei Jeep abzufedern, ist der zentrale Hebel, an dem sich die operative Marge im zweiten Halbjahr messen lassen muss.

Chancen durch Modelloffensive und Markterfolge

Trotz der Bremsspuren in Übersee gibt es operative Entwicklungen, die das Potenzial für eine Gegenbewegung stützen. In Italien konnte der Hersteller im September ein Verkaufsplus von 12,6 Prozent vermelden. Der Konzern schnitt damit besser ab als der Gesamtmarkt, der nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA um 9,9 Prozent wuchs. Dieser Zuwachs signalisiert eine anhaltende Nachfrage in wichtigen südeuropäischen Märkten.

Parallel dazu bereitet das Unternehmen eine umfassende Produktpräsentation vor, die neue Zuversicht schaffen soll. Auf dem Pariser Autosalon vom 12. bis 18. Oktober will der Konzern neun Konzeptfahrzeuge aus acht verschiedenen Marken vorstellen.

Zudem setzt die Führung um Vorstandschef Antonio Filosa auf Kooperationen im Bereich des technologiegestützten Fahrens, unter anderem mit dem Partner Wayve. Sollte es gelingen, mit diesen Initiativen die Zukunftsfähigkeit des Portfolios glaubhaft zu untermauern, könnte dies den Boden für eine nachhaltige Kurserholung bereiten.

Operative Engpässe und schwelende Lieferkettenrisiken

Dem Erholungsszenario stehen handfeste Risiken in der Fertigung gegenüber, die den operativen Ablauf belasten. Vor gut einer Woche wurden vorübergehende Produktionsstopps an vier französischen Standorten bekannt, darunter Sochaux, Rennes, Mulhouse und Hordain.

An mehreren dieser Standorte führten unzureichende Lieferungen von Batterien für reichweitenstarke Elektrofahrzeuge zu Unterbrechungen. Medienberichten zufolge sind Engpässe beim Zulieferer ACC der Hintergrund dieser Verzögerungen.

Gleichzeitig wurden Fertigungspausen gemeldet, die nicht auf Engpässe bei Antriebsbatterien zurückzuführen sind, wie etwa im Werk Mulhouse. Sollten diese Zwangspausen über den Oktober hinaus andauern oder sich auf weitere Baureihen ausweiten, drohen empfindliche Umsatzausfälle im europäischen Geschäft.

Im Zusammenspiel mit dem Margendruck in den USA könnten anhaltende Störungen in den Lieferketten das Betriebsergebnis stärker belasten als von vielen Akteuren veranschlagt.

Richtungsentscheidung vor dem nächsten Zwischenbericht

Die Weichen für die weitere Kursentwicklung werden in den kommenden Wochen gestellt. Solange das bisherige Jahrestief verteidigt wird und die Engpässe in den Werken auf den Oktober begrenzt bleiben, bietet die niedrige Bewertung Spielraum für eine spürbare Gegenbewegung nach oben.

Brechen die Verkäufe im margenstarken US-Segment dagegen weiter ein oder führen anhaltende Bauteilemängel zu längeren Produktionsausfällen, droht ein Abrutschen unter die bisherigen Jahrestiefs.

Klarheit über die tatsächliche Ertragslage erhalten Anleger am 28. Oktober. An diesem Tag wird der Konzern die Finanzergebnisse für das dritte Quartal veröffentlichen. Bis zu diesem Termin dürften die Resonanz auf den Pariser Autosalon und die Wiederaufnahme der europäischen Produktion maßgeblich darüber bestimmen, in welche Richtung die Aktie ausbricht.

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