Stellantis setzt auf China-Technik, VW kämpft ums Überleben — Tesla kontert mit Rallye

VW-CFO warnt vor unzureichenden Sparmaßnahmen, während BMW die Erwartungen übertrifft. Stellantis setzt auf chinesische E-Technik in Spanien.

Die Kernpunkte:
  • VW-CFO fordert tiefgreifende Kostensenkungen
  • BMW überrascht mit besserer Marge als erwartet
  • Tesla-Aktie steigt trotz Cybertruck-Rückruf
  • Stellantis plant E-SUV mit Leapmotor in Spanien

Stellantis baut künftig chinesische Elektroautos in Spanien. Volkswagens Finanzchef erklärt die bisherigen Sparmaßnahmen für unzureichend. Und Tesla steigt nach einem Cybertruck-Rückruf — ausgerechnet. Die Woche offenbart, wie unterschiedlich die großen Autobauer auf dieselben Probleme reagieren: Zölle, China-Schwäche, Elektrifizierungskosten.

Volkswagen: Der Finanzchef schlägt Alarm

Volkswagens Quartalszahlen fielen ernüchternd aus. Der operative Gewinn sank im ersten Quartal 2026 um 14,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro — deutlich unter den Analystenerwartungen von knapp vier Milliarden. Der Umsatz ging leicht auf 75,66 Milliarden Euro zurück.

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Die Absatzzahlen zeichnen ein ungleichmäßiges Bild: Zwei Millionen Fahrzeuge lieferte der Konzern aus, fast sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Wachstum in Südamerika und Europa konnte den Einbruch in China (minus 20 Prozent) und Nordamerika (minus 9 Prozent) nur teilweise kompensieren.

Das schärfste Signal sendete CFO Arno Antlitz. „Die bisher geplanten Kostensenkungen reichen nicht aus“, erklärte er. „Wir müssen unser Geschäftsmodell grundlegend verändern und strukturelle, nachhaltige Verbesserungen erzielen — in allen Bereichen und auf allen Ebenen. Wenn uns das nicht gelingt, gefährden wir unsere Zukunft.“ Rund 50.000 Stellen in Deutschland sollen bis Ende des Jahrzehnts wegfallen.

Die Aktie schloss am Freitag bei 88,14 Euro und liegt damit seit Jahresanfang rund 17 Prozent im Minus. Jefferies und Berenberg halten an ihren Kaufempfehlungen fest. Das durchschnittliche Kursziel von zwölf Analysten liegt bei 112,26 Euro — ein Aufschlag von mehr als einem Viertel zum aktuellen Kurs. Die Lücke zwischen Bewertung und Analystenziel spiegelt die Hoffnung wider, dass Wolfsburg den angekündigten Umbau auch tatsächlich liefert.

BMW: Margenüberraschung trotz Gegenwind

BMW hat diese Woche etwas geschafft, woran Volkswagen scheiterte: Erwartungen übertreffen. Das Vorsteuerergebnis fiel im ersten Quartal zwar um 25 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Die EBIT-Marge im Kerngeschäft Automobil landete mit 5,0 Prozent aber über den prognostizierten 4,7 Prozent.

Bemerkenswert war der Rückgang bei den vollelektrischen Fahrzeugen. Die BEV-Auslieferungen brachen um gut 20 Prozent ein, der Anteil am Gesamtabsatz sank von 18,7 auf 15,5 Prozent. Insgesamt lieferte BMW 566.000 Fahrzeuge aus, ein Minus von 3,5 Prozent.

US-Zölle drücken bereits auf die Margen. Donald Trumps Ankündigung, die Abgabe auf EU-Autoimporte von 15 auf 25 Prozent anzuheben, sorgte für zusätzliche Unruhe. BMW-Chef Oliver Zipse interpretierte den Vorstoß als Druckmittel gegenüber Brüssel, um das Handelsabkommen vom Vorjahr durchzusetzen.

München hält trotzdem an der Jahresprognose fest. Steigende Auftragseingänge in Europa sollen den anhaltenden Abschwung in China auffangen. Am 14. Mai steht der Ex-Dividenden-Tag an — bei einer Dividendenrendite von 5,38 Prozent ein relevanter Termin für Einkommensinvestoren. Die Aktie notiert bei 81,78 Euro und hat sich in der vergangenen Woche um gut vier Prozent erholt.

Von 39 Analysten empfehlen 18 die Aktie zum Kauf, das mittlere Kursziel liegt bei rund 92 Euro.

Tesla: Rückruf als Kaufsignal

173 Cybertrucks mit 18-Zoll-Stahlfelgen — das war der Umfang eines Rückrufs wegen möglicherweise lockerer Radbolzen. Die Reaktion der Börse: ein Plus von 3,82 Prozent allein am Freitag. Die begrenzte Reichweite des Problems wirkte offensichtlich beruhigender als die Schlagzeile selbst bedrohlich.

Hinter der kurzfristigen Kursreaktion steht ein breiteres Momentum. Die Tesla-Aktie hat im vergangenen Monat rund 24 Prozent zugelegt und notiert bei 363,95 Euro. Teslas Shanghaier Werk produzierte und exportierte im April knapp 79.500 Fahrzeuge — ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Q1-Zahlen zeigten eine echte Margenerholung: Die Bruttomarge im Automobilgeschäft stieg von 16,2 auf 21,1 Prozent, das operative Ergebnis legte um 136 Prozent zu. Gleichzeitig blieben die Auslieferungen mit 358.023 Fahrzeugen unter dem Konsens, und der Lagerbestand schwoll um mehr als 50.000 Einheiten an.

Die strategische Fantasie speist sich aus anderen Quellen:

  • FSD-Abonnements erreichten im ersten Quartal fast 1,3 Millionen
  • Unbegleitete Robotaxi-Fahrten starteten in Dallas und Houston
  • Die Niederlande gaben FSD (überwacht) frei — ein möglicher Türöffner für eine EU-weite Zulassung
  • Cybercab und Tesla Semi sollen noch 2026 in die Serienproduktion gehen

Das Bewertungsniveau bleibt mit einem KGV von 357 extrem ambitioniert. 47 Analysten kommen im Schnitt auf ein Kursziel von 413,19 Dollar. Die Meinungen sind gespalten: Fünf stufen die Aktie als starken Kauf ein, drei als starken Verkauf.

Schaeffler: Robotik-Wette zahlt erste Dividenden

Der Autozulieferer lieferte mit seinen Q1-Zahlen eine positive Überraschung. Der Gewinn je Aktie übertraf die Erwartungen um 32,3 Prozent. Der Umsatz lag mit 5,8 Milliarden Euro leicht über Vorjahr, die EBIT-Marge vor Sondereffekten verbesserte sich von 4,7 auf 5,0 Prozent. Die Aktie sprang daraufhin um gut fünf Prozent nach oben.

Regional zeigte sich ein differenziertes Bild: Asien-Pazifik wuchs um acht Prozent, Europa stagnierte, Greater China und die Americas gaben jeweils leicht nach.

Der strategisch relevanteste Punkt liegt abseits des klassischen Autogeschäfts. Schaeffler hat mit allen strategisch bedeutenden Entwicklern humanoider Roboter Kontakt aufgenommen und bereits rund 30 Prototyp-Aufträge sowie fünf Verträge gesichert. Die hauseigene Drehaktuator-Plattform deckt etwa 80 Prozent der Marktnachfrage ab und wurde mit dem Hermes Award ausgezeichnet. Die erste Serienproduktion ist für das zweite Quartal 2026 geplant.

Das Management bestätigte die Jahresprognose: Konzernumsatz zwischen 22,5 und 24,5 Milliarden Euro bei einer EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5 Prozent. Die Liquiditätsposition von 4,8 Milliarden Euro verschafft Spielraum für den Doppelkurs zwischen klassischem Zuliefergeschäft und neuer Robotik-Sparte.

Stellantis: Chinesische E-Technik, spanische Fabriken

Die Nachricht der Woche kam am Donnerstag. Stellantis öffnet seine spanische Fabrik in Figueruelas bei Saragossa für den chinesischen Partner Leapmotor. Opel-Ingenieure arbeiten bereits mit ihren Leapmotor-Kollegen an einem elektrischen Mittelklasse-SUV, das gegen Volkswagens Tiguan und Hyundais Tucson antreten soll. Produktionsstart: voraussichtlich 2028.

Leapmotors eigenes C-Segment-SUV B10 soll am selben Standort möglicherweise schon 2026 vom Band laufen. Zusätzlich prüfen beide Partner, das Stellantis-Werk im Madrider Villaverde für künftige Leapmotor-Modelle zu nutzen — inklusive einer möglichen Übertragung an das gemeinsame Joint Venture.

Die Logik hinter dem Deal ist klar:

  • Zugang zu kosteneffizienter chinesischer EV-Technologie
  • Produktive Nutzung unterausgelasteter europäischer Werke
  • Vermeidung potenzieller Zölle auf in China gefertigte Elektroautos
  • Bessere Chancen auf europäische Kaufanreize durch lokale Fertigung

Finanziell hat Stellantis die Wende geschafft — zumindest auf dem Papier. Im ersten Quartal stand ein Nettogewinn von 377 Millionen Euro, nach einem Verlust von 387 Millionen im Vorjahresquartal. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 38,1 Milliarden Euro, getrieben vor allem durch Nordamerika mit den Marken Ram und Jeep.

Die Aktie notiert bei 6,57 Euro und bleibt damit ein Sorgenkind: Seit Jahresanfang hat sie knapp 33 Prozent eingebüßt. Das mittlere Kursziel von 27 Analysten liegt bei 8,10 Euro. Zacks Research stufte die Aktie zuletzt von „Strong Sell“ auf „Hold“ hoch — eine vorsichtige Aufhellung, keine Entwarnung.

Fünf Strategien, ein Sektor unter Druck

Alle fünf Titel kämpfen mit denselben Kräften: US-Zölle, China-Schwäche, Elektrifizierungskosten. Die gewählten Antworten könnten unterschiedlicher kaum sein. Volkswagen und BMW stehen unter ähnlichem Margendruck, aber BMWs Fähigkeit, Erwartungen zu schlagen und die Prognose zu halten, verschafft dem Münchner Konzern kurzfristig einen Vertrauensvorsprung gegenüber Wolfsburg.

Schaeffler navigiert als Zulieferer geschickt zwischen ICE- und BEV-Welt und eröffnet mit der Robotik-Offensive ein völlig neues Geschäftsfeld. Stellantis wählt den strukturell ungewöhnlichsten Weg: Statt eigene EV-Plattformen von Grund auf zu entwickeln, holt der Konzern chinesische Technologie direkt in europäische Fabriken. Tesla wiederum preist eine Zukunft ein, die in den Umsatzzahlen noch nicht angekommen ist — Robotaxis, Cybercab, Optimus.

Nächste Wegmarken für die Branche

Die kommenden Wochen bringen entscheidende Termine. Am 21. Mai präsentiert Stellantis-CEO Antonio Filosa seinen neuen Industrieplan in Auburn Hills — der bislang bedeutendste Moment seiner Amtszeit. Für Volkswagen geht es darum, den Markt davon zu überzeugen, dass die Zielspanne von 8 bis 10 Prozent operativer Marge bis 2030 erreichbar ist. Über 30 neue Modelle bis 2027 sollen helfen, verlorene Marktanteile in China zurückzugewinnen.

Schaefflers Robotik-Serienanlauf im zweiten Quartal wird zeigen, ob die Prototypen-Pipeline in echtes Geschäft mündet. Bei Tesla steht die Frage im Raum, ob Cybercab, Semi und Optimus den angekündigten Zeitplan halten. Die größte Unbekannte für den gesamten Sektor bleibt jedoch die Zollpolitik zwischen Washington und Brüssel — eine Variable, die kein Bilanzmodell zuverlässig einpreisen kann.

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