Strategische Neuausrichtung und Kapitalrückführungen treiben BASF
BASF steigert Umsatz und operatives Ergebnis im zweiten Quartal, während Rückkäufe, Verkäufe und der geplante Agrar-IPO die Aktie prägen.

- Umsatz im zweiten Quartal deutlich gewachsen
- Aktienrückkäufe bis April 2027 vorgesehen
- Agricultural Solutions soll börsenreif werden
- Quartalsbericht am 28. Oktober erwartet
Die Aktie des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF steht vor einem richtungsweisenden Herbst. Während das Unternehmen am vergangenen Montag eine turnusmäßige Kapitalmarktinformation zum laufenden Aktienrückkaufprogramm veröffentlichte, richten Investoren ihren Blick verstärkt auf die tiefgreifende Transformation des Portfolios.
Die Kombination aus operativer Erholung im zweiten Quartal, einer angehobenen Jahresprognose und der Vorbereitung strategischer Abspaltungen prägt die aktuelle Bewertungslage. Anleger müssen nun abwägen, ob die eingeleitete Entschlackung des Konzerns ausreicht, um die zyklischen Risiken der Branche dauerhaft zu kompensieren.
AUSGANGSLAGE: Operative Stärke trifft auf aktionärsfreundliche Kapitalpolitik
Der aktuelle Anlass für die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer ist die konsequente Umsetzung des im Juli beschlossenen Aktienrückkaufprogramms. Nachdem der Vorstand Ende Juli ein neues Volumen von bis zu 1,0 Milliarden Euro autorisiert hatte, läuft die Durchführung seit August und soll bis Ende April 2027 abgeschlossen sein.
Dieser Schritt ist Teil einer übergeordneten Strategie, die bis Ende 2028 Kapitalrückführungen von insgesamt 4 Milliarden Euro vorsieht. Allein in der Woche vom 24. bis zum 28. August erwarb das Unternehmen vor rund zwei Wochen insgesamt 591.251 eigene Anteile.
Diese Maßnahmen treffen auf ein Marktumfeld, in dem sich BASF operativ deutlich robuster zeigt als im Vorjahr. Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete der Konzern einen Umsatzanstieg um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro.
Besonders bemerkenswert war dabei die Zusammensetzung des Wachstums: Preisanstiege von 11,5 Prozent und ein Mengenwachstum von 7,3 Prozent unterstreichen die wiedererlangte Preissetzungsmacht.
Das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte auf 2,4 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 854 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Diese Dynamik führte bereits Anfang August zu einer Anhebung des Ergebnisausblicks für das Gesamtjahr 2026.
DIE ENTSCHEIDENDE FRAGE: Gelingt der radikale Umbau zur Wertmaximierung?
Die zentrale Variable für die künftige Kursentwicklung ist jedoch nicht allein das Tagesgeschäft, sondern die Frage, ob BASF die Komplexität seines Konglomerats erfolgreich reduzieren kann. Der Fokus liegt hierbei auf der Vorbereitung der Eigenständigkeit einzelner Sparten.
Während der Verkauf des Silikategeschäfts am Standort Düsseldorf/Holthausen an PQ laut Unternehmensangaben im zweiten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden soll, wirft ein noch größeres Projekt seine Schatten voraus: Die Sparte Agricultural Solutions soll bis 2027 die Börsenreife erlangen.
Ein Teilbörsengang dieses Segments an der Frankfurter Börse ist fest eingeplant. Für Anleger ist dies der entscheidende Faktor, da hierdurch stille Reserven gehoben und die Bewertungslücke zu spezialisierten Wettbewerbern geschlossen werden könnte. Der Erfolg dieses Vorhabens hängt maßgeblich davon ab, wie sauber BASF die Trennung vollzieht und ob das Marktumfeld für Agrarchemie zum geplanten Zeitpunkt attraktiv bleibt.
BULLISCHES SZENARIO: Bewertungsschub durch Cash-Zuflüsse und Entschuldung
Im optimistischen Szenario profitiert BASF von einer hohen Liquiditätsposition, die Spielraum für weitere Investitionen und Schuldenabbau lässt. Ende Juni wurde die Coatings-Transaktion mit Carlyle abgeschlossen, was BASF einen Zahlungsmittelzufluss von rund 5,8 Milliarden Euro vor Steuern einbrachte. Der Konzern hält weiterhin eine Eigenkapitalbeteiligung von 40 Prozent an der nun als Surventis firmierenden Einheit.
Zusätzlich zur Liquidität aus Verkäufen nutzt BASF die Mittel zur Bilanzoptimierung. Im laufenden dritten Quartal ist die Rückzahlung von Anleihen und Darlehen mit einem Nominalvolumen von 1,6 Milliarden Euro vor Fälligkeit geplant.
Sollte die operative Dynamik anhalten und der IPO-Fahrplan für die Agrarsparte konkretisiert werden, könnte das Papier seinen Aufwärtstrend fortsetzen. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie bereits ein Plus von 18 %. In einem freundlichen Marktumfeld rückt damit das 52-Wochen-Hoch bei 55,05 € wieder in greifbare Nähe, von dem der Kurs aktuell knapp 4,4 % entfernt notiert.
BÄRISCHES SZENARIO/RISIKO: Restrukturierungslasten und zyklischer Gegenwind
Das Hauptrisiko liegt in der Belastung durch den laufenden Umbau. Im zweiten Quartal 2026 verbuchte BASF Sondereinflüsse im EBITDA von minus 484 Millionen Euro. Diese resultierten laut Konzernangaben insbesondere aus Restrukturierungsmaßnahmen und der Einführung eines neuen ERP-Systems.
Solche Einmaleffekte könnten auch in den kommenden Quartalen das Nettoergebnis drücken und die Dividendenkapazität theoretisch einschränken, falls die konjunkturelle Erholung in Kernmärkten wie China oder Europa ins Stocken gerät.
Zudem ist BASF weiterhin juristischen Auseinandersetzungen ausgesetzt. Zwar wurde eine Patentklage gegen Apple wegen Verletzungen bei der Face-ID-Technologie am vergangenen Freitag bekannt, doch solche Verfahren binden Ressourcen und bergen Unsicherheiten, die den Kurs belasten können – seit Bekanntwerden gab das Papier um 1,5 % nach.
Ein weiteres Risiko stellt die Integration neuer Zukäufe dar, wie etwa die Ende März abgeschlossene Übernahme von AgBiTech, die sich in einem volatilen Agrarmarkt erst beweisen muss.
AUSBLICK: Quartalszahlen als nächster Wegweiser
Die kurzfristige Richtung der Aktie wird maßgeblich von der Bestätigung der angehobenen Jahresziele abhängen. Solange der Kurs über den gleitenden Durchschnitten der letzten 50 und 200 Tage verbleibt, ist die technische Struktur konstruktiv.
Kippt jedoch die Stimmung in der globalen Chemieindustrie oder verzögern sich die regulatorischen Genehmigungen für anstehende Desinvestitionen, könnte die Unterstützung bei 50,34 € (50-Tage-Linie) erneut getestet werden.
Der nächste konkrete Katalysator für die Aktie ist der 28. Oktober 2026. An diesem Tag wird BASF die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal veröffentlichen und im Rahmen einer Telefonkonferenz für Analysten und Investoren Details zum Fortschritt der IPO-Vorbereitungen für Agricultural Solutions sowie zum aktuellen Stand der Rückzahlungen von Verbindlichkeiten bekannt geben.
Der aktuelle Kurs von 52,62 € spiegelt eine abwartende Haltung des Marktes wider, die erst durch frische Daten zur Margenentwicklung im dritten Quartal aufgelöst werden dürfte.
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