Strategy Aktie: Streit um den Kurswechsel
Strategy verkauft Bitcoin für Dividenden, Analysten uneins über neue Strategie. Aktie und Kryptomarkt reagieren verhalten.

- Größter Bitcoin-Verkauf der Firmengeschichte
- Erlös fließt in Dividenden und Kasse
- Analysten uneins über neue Verkaufspolitik
- Aktie erholt sich vorbörslich leicht
Standard Chartered nennt es „mostly noise“ – reines Hintergrundrauschen. JPMorgan warnt vor einem neuen Risiko im Kryptomarkt. Und Grayscale sieht in genau demselben Schritt ein Zeichen der Stärke. Selten war sich die Analystenwelt bei Strategy so uneinig wie nach dem jüngsten Bitcoin-Verkauf des Unternehmens.
Vergangene Woche trennte sich Strategy von 3.588 Bitcoin im Wert von rund 216 Millionen Dollar – der größte Einzelverkauf in der Firmengeschichte. Der Erlös floss in die Dividendenzahlungen der Vorzugsaktien und in die Kassenreserve. Übrig bleiben 843.775 Bitcoin, mehr als vier Prozent der gesamten jemals verfügbaren Menge.
Das mNAV-Modell stockt
Jahrelang funktionierte Strategys Maschine simpel: Solange die Aktie deutlich über dem Wert der eigenen Bitcoin-Bestände notierte – gemessen am sogenannten mNAV –, konnte das Unternehmen neue Aktien ausgeben, davon Bitcoin kaufen und so gleichzeitig den eigenen Firmenwert und den Bitcoin-Kurs treiben. Dieser Aufschlag ist verschwunden. Auf Unternehmenswert-Basis liegt der mNAV inzwischen bei etwa 1,0, aktienbasierte Tracker zeigen sogar einen Abschlag von rund einem Drittel. Der Bitcoin-Bestand, einst für 63,7 Milliarden Dollar aufgebaut, ist aktuell nur noch rund 54 Milliarden Dollar wert – im vergangenen Quartal verbuchte Strategy dadurch einen Verlust von 8,3 Milliarden Dollar, größtenteils unrealisiert.
STRC als neuer Ankerpunkt
Weil das alte Modell nicht mehr trägt, dient der Bitcoin-Bestand zunehmend als Sicherheit für STRC, die mit 12 Prozent verzinste Vorzugsaktie mit rund zehn Milliarden Dollar Volumen. Eigentlich soll sie nahe ihrem Nennwert von 100 Dollar handeln, rutschte nach Bekanntwerden erster Verkäufe Ende Juni aber zeitweise auf 71,25 Dollar ab und pendelt derzeit um die 90 Dollar. Das eigens aufgelegte „BTC Monetization Program“ erlaubt Strategy, bei Bedarf bis zu 1,25 Milliarden Dollar durch weitere Bitcoin-Verkäufe zu erlösen. Die Reserve zur Dividendendeckung liegt bei 2,55 Milliarden Dollar – nach heutigem Stand reicht das für 17,4 Monate.
Geteiltes Bild am Markt
JPMorgan sieht in der formalisierten Verkaufspolitik ein vermeidbares zweiseitiges Risiko, weil Strategy nun gleichzeitig als Käufer und Verkäufer auftritt. Grayscale-Analyst Zach Pandl argumentiert dagegen, die Verkäufe stärkten die Bilanz und hälfen Bitcoin, einen tragfähigeren Boden zu finden. Die Strategy-Aktie schloss am Donnerstag bei rund 93 Dollar, vorbörslich am Freitag ging es rund fünf Prozent nach oben. Bitcoin selbst notierte am Freitag bei etwa 64.400 Dollar – ein Wochenplus von 3,8 Prozent, aber immer noch fast die Hälfte unter dem Rekordhoch vom Oktober 2025.
Eine Prognoseplattform taxiert die Wahrscheinlichkeit, dass Strategy vor 2027 wieder über eine Million Bitcoin hält, auf lediglich 13 Prozent. Ob das Unternehmen seinen alten Kurs der reinen Anhäufung je wieder aufnimmt, bleibt damit selbst unter Marktteilnehmern höchst umstritten.
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