Strategy Inc.: Q2-Fehlbetrag von 24,45 Dollar je Aktie
Der jüngste Kursanstieg von Strategy folgt der Bitcoin-Erholung, während das operative Geschäft im zweiten Quartal deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb.

- Kursplus von 7,3 Prozent
- Quartalsverlust verfehlt Erwartungen deutlich
- Kapitalerhöhung ohne Bitcoin-Zukäufe
- CEO kündigt spätere Akkumulation an
Ein Kurssprung von 7,3 Prozent binnen eines Tages, fast 28 Prozent auf Wochensicht – wer heute auf die Strategy-Aktie schaut, sieht eine Erfolgsgeschichte. Für mich ist das aber vor allem eines: ein Spiegelbild des Bitcoin-Kurses, nicht des Unternehmens dahinter. Und genau darin liegt das Risiko, das Anleger unterschätzen.
Die Rally kommt von außen, nicht von innen
Der Auslöser für den heutigen Sprung ist offenkundig: Bitcoin kletterte im asiatischen Handel um bis zu 4,2 Prozent auf über 75.000 Dollar, ausgelöst durch eine Ausweitung der langfristigen Anleihe-Rückkaufprogramme des US-Finanzministeriums sowie regulatorische Signale aus Washington.
Präsident Trump hatte sich für den Clarity Act starkgemacht und sogar staatliche Bitcoin-Käufe ins Spiel gebracht. Mehr als 4 Milliarden Dollar an Short-Positionen wurden binnen zwei Tagen liquidiert – ein mechanischer Verstärkereffekt, der die Rally zusätzlich befeuert hat.
Strategy profitiert von diesem Umfeld fast automatisch, schließlich hält das Unternehmen nach eigenen Angaben 840.447 Bitcoin mit einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.385 Dollar. Steigt der Bitcoin-Kurs, steigt buchhalterisch auch der Wert dieses Bestands – und mit ihm die Aktie. Das ist kein operativer Erfolg, das ist Hebelwirkung. Wer Strategy kauft, kauft im Kern einen gehebelten Bitcoin-Fonds mit Börsennotierung.
Die Zahlen unter der Oberfläche sind unbequem
Genau hier wird es für mich unbehaglich. Das zweite Quartal 2026 brachte einen Fehlbetrag von 24,45 Dollar je Aktie – die Analystenerwartung lag bei einem Gewinn von 3,07 Dollar. Eine Verfehlung um mehr als das Neunfache der Erwartung, wohlgemerkt in die falsche Richtung. Wer diese Zahl gegen die heutige Kursfreude hält, erkennt schnell: Der operative Kern des Geschäfts trägt die Aktie nicht, sondern belastet sie.
Dazu passt, dass Strategy zwischen dem 10. und 16. August über die Ausgabe von gut 3,46 Millionen neuen Class-A-Aktien netto 333,7 Millionen Dollar eingesammelt hat – ohne in derselben Woche einen einzigen zusätzlichen Bitcoin zu kaufen.
Von diesem Kapital flossen 132,2 Millionen Dollar in Rückkäufe der STRC-Aktie, 52,4 Millionen in Dividenden auf dieses Papier, der Rest stärkte die USD-Reserve auf 4,80 Milliarden Dollar. Das ist solides Liquiditätsmanagement, keine Frage. Aber es zeigt auch: Das Unternehmen finanziert sich derzeit über Kapitalverwässerung, nicht über operative Cashflows.
Ein CEO, der Geduld einfordert
CEO Phong Le hat am Donnerstag signalisiert, dass Strategy die Bitcoin-Akkumulation im weiteren Jahresverlauf wiederaufnehmen will – nach einer siebenwöchigen Pause, die Investoren zunehmend nervös gemacht hatte. Das ist eine Beruhigungspille, mehr aber auch nicht. Solange konkrete Käufe ausbleiben, bleibt die Aussage eine Absichtserklärung.
Auch Mizuho hatte Anfang August sein Kursziel für die Aktie von 213 auf 165 Dollar gesenkt, bei gleichzeitig beibehaltener Outperform-Einstufung – ein Hinweis darauf, dass selbst wohlwollende Analysten die Bewertung eingedampft haben, wenngleich diese Einschätzung inzwischen mehr als zwei Wochen zurückliegt und nicht mehr als aktuelle Meinungslage gelten kann.
Unterm Strich
Die Marktkapitalisierung von rund 31,46 Milliarden Euro und ein Kurs, der trotz der jüngsten Erholung noch 67 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 312,00 Euro liegt, sprechen für mich eine klare Sprache: Die Aktie bleibt ein Vehikel für Bitcoin-Wetten mit extremer Schwankungsbreite – die 30-Tage-Volatilität von 69 Prozent untermauert das eindrucksvoll.
Wer an einen fortgesetzten Bitcoin-Boom glaubt, findet in Strategy einen Hebel. Wer aber auf ein robustes operatives Geschäft hofft, wird von den jüngsten Quartalszahlen eines Besseren belehrt. Die Rally von heute löst dieses Grundproblem nicht auf – sie verdeckt es nur für den Moment.
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