Ströer: 30 Prozent in 3 Monaten?

Gestern lieferte der Digital-Vermarkter Ströer nach Vorlage seiner Neun-Monats-Zahlen eine erste Börsenreaktion nach Maß. Denn die Aktie konnte zum Handelsbeginn kräftig zulegen und dabei sogar den wichtigen charttechnischen Widerstand der 100-Tage-Linie überwinden. Doch zum Handelsschluss sah das wieder gänzlich anders aus. Was ist also von diesen Kapriolen zu halten?

© Ströer
© Ströer

Tatsache ist: Das Unternehmen macht einen richtig guten Job. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres konnte Ströer seinen Umsatz um über 38 % auf 765,7 Millionen € steigern. Allerdings war dieses deutliche Wachstum vor allem durch Zukäufe geprägt. Organisch wuchs das Unternehmen nur um 7,4 %.

Wenn man diese Unterscheidung zwischen gesamt und organisch beiseite lässt, blieb es auch auf Gewinnebene bei sehr kräftigen Zuwächsen. So konnte das EBITDA um über 45 % auf 177,5 Millionen € verbessert werden. Die entsprechende Marge wurde um über einen Prozentpunkt auf 22,9 % verbessert. Letztlich stieg das bereinigte Ergebnis um fast 68 % auf 88,9 Millionen €.

Ströer bestätigt Prognose

Mit diesen Zahlen in der Hinterhand konnte Ströer auch seine bisherige Guidance bestätigen. Diese geht von einem Konzernumsatz von 1,15 Milliarden € in diesem Jahr aus, bei einem operativen Gewinn von mehr als 280 Millionen €. Für kommendes Jahr rechnet man mit einem operativen Gewinn von mehr als 320 Millionen € bei einem Konzernumsatz zwischen 1,2 Milliarden € und 1,3 Milliarden €.

Obwohl diese Zahlen sehr positiv aussehen und auch bei den Analysten gut ankamen, ging Ströer gestern am Ende mit einem deutlichen Abschlag aus dem Handel. Denn es sind nicht die Zahlen, die Ströer Probleme machen, sondern schlichtweg das Vertrauen in das Unternehmen. Was weiterhin mit einem Namen zusammenhängt: Muddy Waters.

Muddy Waters bleibt Belastung

Bekanntlich hatte dieser amerikanische Hedgefonds im Frühjahr für einen Absturz der Aktie gesorgt, weil dem Unternehmen Betrug in den Kennzahlen vorgeworfen wurde. Obwohl Ströer dem heftig widersprach und mit den entsprechenden Zahlen auch konterte, konnte man bislang die Vorwürfe nicht gänzlich aus dem Markt schaffen. Was man auch daran sieht, dass die Aktie derzeit de facto ja wieder auf dem Tief kurz nach den ersten Vorwürfen notiert.

Aber: Schaut man sich die letzten Monate an, scheint zum einen das Niveau um 36 € - 38 € als endgültiges Tief etabliert zu werden. Zum anderen ergeben sich aus dieser Konstellation heraus natürlich Überlegungen, ob Ströer zumindest eine erneute Erholungsphase einläuten kann.

Nächste Erholungsphase mit 30 % Gewinn?

Im aktuellen Fall könnte diese sogar bis in den Bereich von 50 € gehen. Das wären von heutigem Stand aus rund 30 % Gewinn. Wenn man hier positive Einflüsse der immer noch möglichen Weihnachtsrallye mit einrechnet, wäre das keine Hexerei.

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Die Frage ist, ob die Leerverkäufer inzwischen genug verdient haben und entsprechend ihre Position wieder abbauen oder ob noch einmal nachgelegt wird. Da weiterhin nahezu alle namhaften Analysten positiv gegenüber der Aktie gestimmt sind, rechnen wir eher damit, dass nun die Tiefs ausgelotet worden sind und es sich lohnt, hier auf eine Trendwende zu wetten.

Diese dürfte weiterhin mit hohen Tagesschwankungen verbunden sein, was auch bei den entsprechenden Absicherungen zu beachten ist. Aber wenn man davon ausgeht, dass die Zahlen von Ströer stimmen (und davon gehen wir aus), ist diese Aktie ein echtes Schnäppchen.

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