STS: Mutares-Beteiligung wagt den Sprung aufs Parkett

Nach einem fulminanten Start in das neue Jahr begann der IPO-Markt in den vergangenen Wochen deutlich zu stottern. Erinnert sei nur an die Absage von Springer Nature oder an den Cloud-Telefonanbieter n-fon, der kurz vor dem Börsengang noch sein Platzierungspreis absenken musste. So war es auch kein Wunder, dass Anfang letzter Woche auf dem Equity-Forum in Frankfurt der Vortrag der Beteiligungsgesellschaft Mutares großes Interesse fand. Denn zeitgleich hatte die Mutares-Tochter STS Group Details zu ihrem geplanten Börsengang bekannt gegeben und stand entsprechend bei der Präsentation auch im Mittelpunkt.

Erst einmal zu den Platzierungs-Details: STS plant die Aufnahme der Börsennotierung am 1. Juni. Zuvor sollen insgesamt 2 Millionen Aktien plus 300.000 Aktien aus einer Mehrzuteilungsoption platziert werden. 1 Million Aktien stammen dabei aus einer Kapitalerhöhung der STS Group, eine weitere Million wird aus einer Umplatzierung des bisherigen Alleingesellschafters Mutares angeboten. Die Preisspanne wurde auf 26 bis 32 Euro festgelegt. Der endgültige Angebotspreis soll dabei voraussichtlich am 29. Mai ermittelt werden. Die Zeichnungsfrist für Privatanleger läuft seit dem 16. Mai und geht voraussichtlich bis zum 29. Mai um 12:00 Uhr. Nach dem Börsengang bleibt Mutares Mehrheitsaktionär mit mindestens 62%.

STS liefert klare Wachstumsstory

Bei STS handelt es sich um einen Zulieferer, der hauptsächlich der Nutzfahrzeugindustrie sogenannte Soft- und Hard-Trim-Teile zuliefert. Dies sind Produkte und Lösungen für eine akustische oder thermische Isolation bzw. Komponenten aus Kunststoff oder Verbundmaterialen, wie sie z.B. bei Verblendungen eingesetzt werden könnten.

STS konnte im vergangenen Jahr auf Pro-Forma-Basis einen Umsatz von 425 Millionen Euro erwirtschaften. Das operative Ergebnis betrug auf Basis eines bereinigten EBITDA rund 24 Millionen Euro. Der zuletzt gemeldete Auftragsbestand lag dabei bei 1,9 Milliarden Euro bis 2022, wovon rund 84% bis 2020 gesichert sind. Schaut man auf die Kundenliste, sieht diese wie ein Who-is-Who der Auto- und Nutzfahrzeugbranche aus. Den größten Umsatz erwirtschaftete STS bislang mit Volvo- und Renault-Trucks. Weitere Top-Kunden sind Fiat Chrysler und Daimler. Die Top 5-Kunden generieren bislang rund zwei Drittel des Gesamtumsatzes. Bezogen auf die einzelnen Produktgruppen ist der Geschäftsbereich Plastics mit rund 60% führend.

Was STS mit Geld machen will

Mit dem Börsengang könnte STS nun maximal 32 Millionen Euro erlösen. Das ist deutlich weniger, als sich Mutares und STS bei Bekanntgabe der Börsenpläne erhofft hatten. Damals war er von rund 50 Millionen Euro die Rede. Doch beide Firmen mussten sich letztlich entscheiden, ob sie wie andere auch den Börsengang absagen oder sich mit einer niedrigeren Platzierungsspanne zufrieden geben. Angesichts der zukünftigen Wachstumspläne, die entsprechend kapitalintensiv sind, halten wir die Entscheidung für eine Platzierung trotz der niedrigeren Erlösperspektive für richtig. Denn STS will mit dem Geld insgesamt fünf Projekte in Angriff nehmen.

Zum einen geht es darum, die Aktivitäten in China weiter auszubauen. Im Dezember soll dort ein neues Werk seine Arbeit aufnehmen. Letztlich ist die Aussage klar: Wenn die Hersteller von Nutzfahrzeugen und Autos nach China gehen und dort ihre Produktion intensivieren, will auch STS folgen. Darüber hinaus nimmt man aber auch den amerikanischen Markt ins Visier. Bislang ist man in Mexiko aktiv, wo es bekanntlich auch viele Fabrikationsstätten namhafter Nutzfahrzeughersteller gibt. Aber den US-Markt direkt zu bearbeiten, ist mit den neuen politischen Konstellationen natürlich strategisch richtig. Weitere Projekte beziehen sich auf die Optimierung der europäischen Aktivitäten. Außerdem soll das Geld für Forschung und Entwicklung, insbesondere im Bereich E-Mobility, eingesetzt werden und zu guter Letzt eine weitergehende Automatisierung der Produkte und Prozesse mitfinanzieren.

Fazit

STS hat eine klare Produkt- und Wachstumsstory. Die geplante weitere Internationalisierung des Geschäftes dürfte zwar vorerst ordentlich Kapital binden und damit auch die Nettoergebnisse entsprechend beeinflussen. In den operativen Ergebnissen wie auch im Umsatz rechnen wir allerdings mit einer weiteren dynamischen Entwicklung, weshalb wir hier zum Zeichnen raten. Wir nehmen zwar an, dass die Aktie zu 29 oder 30 Euro an den Markt kommt, würden aber beim Zeichnungsauftrag hier „Bestens“ gehen.

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