Take-Two: 34 Entwickler vor Glasgow-Tribunal
Ein Arbeitsstreit bei Rockstar legt strenge GTA-VI-Sicherheitsmaßnahmen offen, während Take-Two wegen Marktunsicherheit unter dem 52-Wochen-Hoch notiert.

- IWGB klagt wegen 34 Entlassungen
- Gerichtsakte nennt 32-Spieler-Onlineformat
- Rockstar verschärft Schutz vertraulicher GTA-VI-Infos
- Take-Two notiert 20 Prozent unter Hoch
Manchmal sagt ein Nebenschauplatz mehr über eine Aktie aus als die eigentliche Nachrichtenlage. Genau das erlebt Take-Two Interactive gerade vor einem Arbeitsgericht in Glasgow – und für mich ist das, was dort verhandelt wird, relevanter für Anleger als jede weitere Trailer-Klick-Statistik.
Was das Tribunal wirklich zeigt
Vor dem Glasgow Employment Tribunal verklagt die Gewerkschaft IWGB Rockstar Games wegen der Entlassung von 34 GTA-6-Entwicklern im Oktober 2025 – 31 in Großbritannien, drei in Kanada. Rockstar begründet die Kündigungen mit „grobem Fehlverhalten“, konkret mit dem Verdacht auf Geheimnisverrat über einen internen Discord-Kanal der Gewerkschaftsinitiative.
Die Klageschrift ist detailliert: Ein HR-Direktor soll über 21 Monate hinweg in mindestens 26 Treffen Informationen von einem Junior-Mitarbeiter aus dem gewerkschaftsnahen Server erhalten haben, der zeitweise rund 340 Mitglieder zählte.
Für mich zeigt das vor allem eines: Wie nervös Rockstar und damit Take-Two intern mit der Geheimhaltung rund um GTA VI umgehen. Die Gerichtsakte selbst liefert einen weiteren Hinweis darauf – dort taucht erstmals die Formulierung eines „Online-Formats für 32 Spieler“ für das als „höchst vertraulich“ eingestufte Projekt auf. Das deckt sich mit dem bestehenden GTA-Online-Format aus 30 aktiven Spielern plus zwei Zuschauerplätzen, widerspricht aber früheren Spekulationen über 64 Spieler.
Studio-Direktorin Jennifer Kolbe nannte die Informationslecks in diesem Zusammenhang „außerordentlich alarmierend“ – eine Formulierung, die den Stellenwert unterstreicht, den Rockstar der Geheimhaltung beimisst.
Ergänzend berichtete eine entlassene Entwicklerin, sie sei am 30. Oktober 2025 ohne Vorwarnung gekündigt worden. Die Verhandlung soll bis kurz vor dem GTA-6-Release am 19. November laufen, wobei die Gewerkschaft ausdrücklich nicht zu einem Boykott des Spiels aufruft. Das mildert das Reputationsrisiko – ein Shitstorm kurz vor Launch wäre das ungünstigste Szenario für Take-Two gewesen.
Sicherheitsaufwand als Indiz für Vertrauen in den Titel
Parallel dazu wurde bekannt, dass Rockstar nach Drohnenüberflügen, die Büros fotografierten, Sichtschutzfolie an den Fenstern anbringen ließ. Fünf Vollzeit-Ermittler, NDA-Pflichten für Besucher, ein Verbot von USB-Sticks und privaten Geräten – dieser Aufwand wirkt fast schon paranoid.
Doch genau darin liegt für mich ein positives Signal: Wer ein Produkt derart abschirmt, glaubt offenbar an dessen kommerziellen Wert. Studios schützen selten mit dieser Intensität, was ohnehin floppen würde.
Kurs spiegelt Nervosität, nicht Substanz
Der Aktienkurs bewegt sich seit Wochen unter Druck: Mit 186,10 Euro notiert das Papier 20 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 231,40 Euro und liegt auch spürbar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 205,07 Euro.
Der RSI von 38,6 signalisiert eine überverkaufte Tendenz, die 30-Tage-Volatilität von 39 Prozent zeigt, wie nervös der Markt aktuell auf jede Nachricht rund um den Titel reagiert.
Diese Nervosität lässt sich gut erklären: Der breite Markt selbst kämpft mit erhöhten Ölpreisen, Zinssorgen vor der Fed-Entscheidung und einer insgesamt negativen Börsenwoche. Für Take-Two kommt hinzu, dass jede Randmeldung – ein Gerichtstermin, ein Leck, eine interne Ermittlung – überproportional Aufmerksamkeit erzeugt, weil der GTA-6-Launch am 19. November die mit Abstand wichtigste Ergebnisvariable für die kommenden Quartale ist.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich in den Gerichtsakten kein fundamentales Warnsignal, sondern eher eine Bestätigung, wie ernst Rockstar die Produktintegrität nimmt. Die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung ist unangenehm für das Unternehmensimage, dürfte aber den Release-Termin nicht gefährden – zumal die Gewerkschaft selbst keinen Boykott anstrebt.
Der Kursrückgang der vergangenen Wochen spricht für mich eher für allgemeine Marktnervosität als für ein Take-Two-spezifisches Problem. Wer an den kommerziellen Erfolg von GTA VI glaubt, dürfte die aktuelle Schwäche eher als Randnotiz einordnen denn als Vorbote größerer Probleme.
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