Take-Two: 6,8-Prozent-Absturz trotz GTA-VI-Hype

Take-Two meldet starke Bookings und GTA-VI-Vorbestellungen, doch hohe Bewertung, Leaks und Marktsorgen setzen die Aktie unter Druck.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert 6,8 Prozent
  • GTA-VI-Vorbestellungen steigen deutlich
  • Bookings übertreffen Erwartungen im ersten Quartal
  • Gerichtliche Schritte gegen Leaks beantragt

Es gibt Momente, in denen der Markt eine Wahrheit ausspricht, die viele Anleger nicht hören wollen: Erfolg ist manchmal schon eingepreist, bevor er überhaupt eintritt. Take-Two Interactive liefert dafür gerade ein Lehrstück. Die Aktie büßte gestern 6,8 Prozent ein und schloss bei 189,30 Euro – der größte Tagesverlust seit Monaten, ausgelöst ausgerechnet in dem Moment, in dem das Unternehmen eigentlich alles richtig macht.

Rockstar Games, die Take-Two-Tochter hinter Grand Theft Auto, zeigte kürzlich einen 26-minütigen Gameplay-Showcase zu GTA VI, der die Vorbestellungen laut Marktbeobachtungen um 436 Prozent nach oben schnellen ließ.

Fast fünf Millionen Vorbestellungen zählte Sensor Tower zuletzt, und ein Analyst kommentierte, er habe „noch nie einen Premium-Anteil von 90 Prozent“ gesehen – so viele Käufer entscheiden sich für die teurere Ultimate Edition zu 99,99 Dollar statt der Standardversion für 79,99 Dollar.

Take-Two selbst bestätigte diese Quote. Zum Vergleich: Der Vorgänger GTA V verkaufte seit 2013 mehr als 200 Millionen Einheiten, die gesamte Serie kommt auf rund 475 Millionen.

Wenn der Hype selbst zum Risiko wird

Und trotzdem verkauft der Markt die Aktie ab. BofA-Analyst Omar Dessouky brachte es auf den Punkt, als er die GTA-Präsentation als „beeindruckend, aber unwahrscheinlich überraschend“ bezeichnete.

Genau darin liegt das Paradox dieser Aktie: Wenn die Erwartungen so hoch geschraubt sind, dass selbst blendende Zahlen wie ein Achselzucken wirken, wird jede noch so gute Nachricht zur Enttäuschung. Ein Kommentator sprach von Verkaufsdruck, weil die GTA-6-Vorteile bereits vollständig eingepreist seien – die Bewertung sei schlicht zu hoch gelaufen.

Diese Bewertungsfrage ist nicht abstrakt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Geschäftsjahr 2027 wird auf rund 121 taxiert, erst für 2028 sinkt es auf etwa 44. Das sind Multiples, die keinen Raum für Enttäuschungen lassen – und die erklären, warum ein Handelsvolumen von mehr als dem 2,7-Fachen des Durchschnitts genügte, um die Aktie einbrechen zu lassen.

Zugleich meldete Take-Two für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 Netto-Bookings von 1,39 Milliarden Dollar, mehr als erwartet, bei einem Verlust je Aktie von 18 Cent, der ebenfalls besser ausfiel als prognostiziert.

Die Jahresprognose für die Netto-Bookings liegt bei 8,0 bis 8,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 20 Prozent. Nach diesen Zahlen erhöhte BTIG sein Kursziel von 293 auf 313 Dollar, BofA bestätigte eine Kaufempfehlung mit einem deutlich höheren Ziel von 368 Dollar.

Die zweite Front: Leaks und ein Gericht

Neben der Bewertungsdiskussion belastet ein handfestes operatives Problem: Take-Two kämpft gegen durchgesickerte GTA-6-Inhalte vor Release. Der Verlag beantragte bei Gericht die Versiegelung eines zweiten Discord-Subpoena, um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden – die Untersuchung entwickle sich „schnell weiter“, heißt es.

Bereits im August richteten sich erste Subpoenas gegen Microsoft und Discord, eine YouTube-Anfrage wurde inzwischen zurückgezogen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Bis zum Release am 19. November für PS5 und Xbox Series X|S soll möglichst wenig weiter nach außen dringen.

Hinzu kommen makroökonomische Sorgen um Anleihen und Inflation, die den gesamten Markt drücken – der S&P 500 und die Nasdaq gaben zeitgleich nach. Charttechnisch zeigt sich das Bild eindeutig angeschlagen: Der Titel notiert unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und mit einem Relative-Stärke-Index von 34,1 nahe überverkauftem Terrain, 18 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom Juli.

Analysten warnen zudem vor einer strukturellen Schwäche: Take-Two hängt stark von wenigen großen Serien ab. Genau das ist die eigentliche Erzählung hinter dieser Kursbewegung – nicht ob GTA VI ein Erfolg wird, sondern ob ein einziges, wenn auch gigantisches Spiel eine Bewertung tragen kann, die kaum noch Fehler verzeiht.

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