Take-Two Aktie: Aktionärsbrief befeuert GTA-VI-Fantasie
Ein Aktionärsbrief von CEO Strauss Zelnick verspricht für 2027 einen Wendepunkt. Die Aktie steigt um 5,3 Prozent, während der GTA-VI-Start im November die Fantasie der Anleger beflügelt.

- Aktie springt um 5,3 Prozent
- CEO verspricht Wendepunkt für 2027
- GTA-VI-Start im November als Treiber
- Quartalszahlen am 7. August entscheidend
Ein Aktionärsbrief zur Hauptversammlung reicht manchmal aus, um eine ganze Rally auszulösen. Take-Two Interactive legte am Montag die offizielle Einladung zur Jahreshauptversammlung vor — inklusive eines Schreibens von Chairman und CEO Strauss Zelnick, das für das Geschäftsjahr 2027 einen „möglichen Wendepunkt“ verspricht. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von 5,30 Prozent auf 214,60 Euro.
Zelnick verweist im Brief auf das abgelaufene Geschäftsjahr 2026: Take-Two erzielte dort Net Bookings von 6,72 Milliarden Dollar, rund 750 Millionen Dollar über der ursprünglichen Prognose. NBA 2K habe Rekordwerte bei wiederkehrenden Spielerausgaben erreicht, Zynga die höchsten Net Bookings seit der Übernahme im Jahr 2022 verbucht. Rechtlich bindend ist an diesem Aktionärsbrief nichts — die Hauptversammlung steht noch aus. Er verstärkt aber eine Stimmung, die sich seit Wochen um den GTA-VI-Start im November aufbaut.
Die Aktie notiert nun 5,44 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, bleibt aber 7,26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 231,40 Euro vom 7. Juli. Die Rally hat ihren jüngsten Höhepunkt also noch nicht erreicht.
Der 7. August wird zum Prüfstein
Ob sich die Bewegung fortsetzt oder wieder abflaut, entscheidet sich am 7. August. Dann veröffentlicht Take-Two seinen Quartalsbericht zum ersten Fiskalquartal — den ersten seit Öffnung der GTA-VI-Vorbestellungen. Anleger werden genau prüfen, ob das Management frühe Buchungsdaten liefert, die den optimistischen Ton des Aktionärsbriefs stützen. Oder ob der Bericht die bestehende Prognose lediglich wiederholt, ohne neue Bestätigung der Nachfrage.
Bullen-Szenario: Die Prognose zeigt bereits deutlich nach oben
Das strukturelle Argument der Optimisten stützt sich auf die eigenen Zahlen des Managements. Take-Two hat für das Geschäftsjahr 2027 Net Bookings von 8,0 bis 8,2 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Das wäre ein Sprung von rund 20 Prozent gegenüber den 6,72 Milliarden Dollar aus dem Vorjahr. Nahezu der gesamte Zuwachs hängt am mittlerweile bestätigten GTA-VI-Starttermin am 19. November.
Externe Schätzungen befeuern die Erzählung zusätzlich, auch wenn Take-Two sie nicht bestätigt hat. Das Analysehaus Newzoo rechnet damit, dass GTA VI bis zum Ende der Startwoche mindestens 37 Millionen Exemplare verkauft und damit 3,25 Milliarden Dollar einspielt. Im optimistischen Fall könnten es sogar 60 Millionen Exemplare und 5,2 Milliarden Dollar werden.
Die Aktie liegt bereits 34,77 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten von 249,78 Euro impliziert von hier aus weiteres Aufwärtspotenzial von 16,4 Prozent. Bestätigt der Bericht am 7. August starke Vorbestellzahlen, könnte die Rally in Richtung neuer Höchststände weiterlaufen.
Bären-Szenario: Erwartungen eingepreist, Lieferung steht noch aus
Das Gegenargument: Ein Großteil der guten Nachrichten steckt bereits im Kurs — das Produkt selbst ist aber noch nicht ausgeliefert. Take-Toos eigene Preis-Enthüllung im Juni löste keine Rally aus, sondern einen Rücksetzer. Die Aktie fiel damals um 2,8 Prozent, nachdem Investoren auf Preisdetails und das Fehlen einer Online-Komponente zum Start reagierten. Selbst Rekordnachfrage garantiert also keine positive Kursreaktion, wenn Details enttäuschen.
Morningstar bringt das Risiko auf den Punkt: Der Kauf der Aktie fühle sich kurzfristig wie ein Münzwurf an, abhängig davon, wie GTA VI gegenüber den hohen Erwartungen abschneidet. Das Spiel gilt zwar als einer der größten Releases aller Zeiten — enttäuschende Ergebnisse könnten den Kurs aber einbrechen lassen.
Auch die Branchenlage mahnt zur Vorsicht. Die US-Videospielausgaben sind im Juni laut Circana-Daten um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Bleibt diese Schwäche bestehen, müsste GTA VI sie allein kompensieren. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 32,18 Prozent bleiben scharfe Kursausschläge in beide Richtungen jederzeit möglich.
Ausblick
Solange das Management an seiner Prognose von 8,0 bis 8,2 Milliarden Dollar Net Bookings festhält und Schätzungen zur Vorbestellnachfrage unwidersprochen kursieren, dürfte der Weg für die Take-Two-Aktie eher nach oben führen — mit einem möglichen erneuten Test der 231,40-Euro-Marke. Fällt der Quartalsbericht am 7. August dagegen zurückhaltend aus oder betont das Management die schwächere Branchennachfrage, könnte die aktuelle Prämie über dem 50- und 200-Tage-Durchschnitt angesichts der hohen Volatilität schnell schmelzen.
Der nächste konkrete Termin steht fest: der 7. August 2026, Veröffentlichung der Quartalszahlen zum ersten Fiskalquartal 2027. Dort zeigt sich, ob aus dem Optimismus des Aktionärsbriefs überprüfbare Zahlen werden.
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