Take-Two: Rockstar hält Discord-Vorladung geheim
Take-Two verfehlt im ersten Fiskalquartal die Gewinnerwartung, meldet aber mehr Umsatz und stellt für 2027 höhere Ergebnisse in Aussicht.

- Rockstar Games will Discord-Akten geheim halten
- Take-Two verfehlt Gewinnprognose im ersten Quartal
- Umsatz liegt über den Markterwartungen
- Zacks Research stuft Aktie auf Hold
Es gibt Unternehmen, die ihre wichtigsten Geschäftsgeheimnisse in Tresoren verwahren. Take-Two verteidigt seines derzeit vor einem New Yorker Bundesgericht.
Die Tochter Rockstar Games will die Details einer zweiten Vorladung gegen Discord dauerhaft unter Verschluss halten, wie Anfang der Woche bekannt wurde. Es geht um die Jagd nach der Person hinter dem Pseudonym „Cyberleek“, die für die Leaks rund um Grand Theft Auto VI verantwortlich gemacht wird. Bis zum 4. September muss Discord den bereits Ende August verfügten gerichtlichen Auflagen zur Herausgabe von Nutzerdaten nachkommen.
Diese juristische Nebenlinie ist mehr als eine Randnotiz. Sie zeigt, wie sehr sich die Spielebranche verändert hat: Der Schutz vor Informationslecks ist inzwischen so geschäftskritisch wie die Produktqualität selbst.
Ein Leak kann Vorbestellungen verderben, Marketingpläne durchkreuzen und Investoren verunsichern, lange bevor ein Spiel überhaupt im Regal steht. Take-Two nimmt das offenkundig ernst genug, um Microsoft und Discord gerichtlich zur Kooperation zu zwingen – und um selbst möglichst wenig über den eigenen Ermittlungsstand preiszugeben.
Zahlen, die den Rechtsstreit überschatten
Während sich die Anwälte um Aktenzeichen streiten, mussten Anleger vergangene Woche eine handfeste Enttäuschung verdauen. Im ersten Fiskalquartal 2027 wies Take-Two einen Verlust von 0,18 US-Dollar je Aktie aus, wo der Konsens ein Plus von 0,33 Dollar erwartet hatte. Der Umsatz übertraf mit 1,53 Milliarden Dollar zwar die Prognose von 1,36 Milliarden Dollar deutlich – doch an der Börse zählte offenbar vor allem die verfehlte Gewinnzahl.
Interessant wird es beim Blick nach vorn: Für das zweite Fiskalquartal 2027 stellt das Management einen Gewinn je Aktie zwischen 0,900 und 1,000 Dollar in Aussicht, für das gesamte Fiskaljahr 2027 sogar zwischen 5,750 und 6,000 Dollar. Diese Diskrepanz zwischen einem schwachen Berichtsquartal und einer optimistischen Guidance ist typisch für Publisher kurz vor einem Blockbuster-Release – die eigentliche Musik soll erst mit GTA VI spielen.
Zacks Research reagierte am 27. August mit einer Herabstufung auf „Hold“. Ein einzelnes Analystenhaus, ein Tag nach den Zahlen – mehr Gewicht sollte man dieser Einschätzung an dieser Stelle nicht beimessen, zumal sie naturgemäß von den enttäuschenden Quartalszahlen geprägt war.
Institutionelles Geld bleibt gelassen
Bemerkenswert ruhig reagierten dagegen manche institutionelle Investoren. BTG Pactual Asset Management stockte seine Position Ende August auf, mitten in der Phase aus enttäuschenden Zahlen und Rechtsstreit. Wer mit einem Zeithorizont von Jahren denkt, lässt sich von einem einzelnen schwachen Quartal offenbar nicht beirren – zumal der eigentliche Ertragstreiber, GTA VI, noch gar nicht auf dem Markt ist.
An der Börse zeigt sich diese Nervosität in klaren Zahlen: Der Kurs schloss am Dienstag bei 187,10 Euro, nach einem Minus von 1,1 Prozent auf Tagesbasis und einem Rückgang von 12 Prozent auf Monatssicht.
Zum 52-Wochen-Hoch von 231,40 Euro klafft mittlerweile eine Lücke von 19 Prozent. Der RSI von 32,7 signalisiert eine überverkaufte Lage – ein technisches Signal, das für sich genommen wenig über die fundamentale Stärke des Unternehmens aussagt.
Der eigentliche Testlauf steht noch bevor
Man kann es so zusammenfassen: Take-Two kämpft derzeit an zwei Fronten gleichzeitig. Juristisch geht es um die Kontrolle der Informationshoheit vor dem größten Release der Firmengeschichte. Operativ geht es darum, ein enttäuschendes Berichtsquartal glaubwürdig als Übergangsphase zu verkaufen, bis die ambitionierte Jahresguidance greift.
Beide Fronten hängen enger zusammen, als es auf den ersten Blick scheint – denn jeder Leak, jede vorzeitig durchgesickerte Information, untergräbt genau jene kontrollierte Erwartungshaltung, auf die das Management seine optimistischen Prognosen stützt. Die eigentliche Bewährungsprobe für Take-Two beginnt erst, wenn GTA VI tatsächlich in den Verkaufsregalen steht.
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