Take-Two vor GTA VI: Welcher Faktor jetzt über den Kurs entscheidet

Take-Two hält an der GTA-VI-Prognose für 2027 fest, während Verluste, Leaks und der Novembertermin den Aktienausblick prägen.

Die Kernpunkte:
  • Netflix zeigt GTA-VI-Vorschau
  • Take-Two erwartet 8,0 bis 8,2 Milliarden
  • Nettoverlust im ersten Fiskalquartal ausgeweitet
  • Quartalsbericht folgt am 4. November

Ausgangslage

Am Donnerstag hat Netflix erstmals einen rund 27-minütigen Vorschau-Clip zu Grand Theft Auto VI gezeigt – bewegte Bilder aus dem meisterwarteten Spiel der Branche, wenige Wochen vor dem geplanten Launch am 19. November.

Die Aktie von Take-Two Interactive reagierte darauf mit Kursgewinnen, notiert aber weiterhin unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 210,92 Euro und rund 12 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 231,40 Euro.

Der Zeitpunkt ist heikel: Rockstar Games hatte kurz zuvor öffentlich sein Bedauern über zahlreiche Leaks von GTA-VI-Videos geäußert und betont, das Spiel sei nahezu fertig und der Termin im November stehe.

Take-Two selbst hatte bereits vor rund einer Woche Gerichtsanträge auf Subpoenas gegen Microsoft und Discord gestellt, um die Herkunft der geleakten Aufnahmen zu klären – Microsoft und Discord haben bis zum 4. September Zeit, Unterlagen vorzulegen.

Der Insider-Verkauf von CEO Strauss Zelnick vor gut drei Wochen und der Quartalsbericht von vor rund zwei Wochen sind als Kurstreiber inzwischen verarbeitet – seither hat die Aktie in beiden Fällen nachgegeben. Der eigentliche Impulsgeber ist jetzt die mediale Vorbereitung des GTA-VI-Launches selbst, und genau hier entscheidet sich, wie belastbar die milliardenschweren Erwartungen der Anleger tatsächlich sind.

Die entscheidende Frage

Alles hängt an einer Zahl: den für das Geschäftsjahr 2027 avisierten Net Bookings von 8,0 bis 8,2 Milliarden US-Dollar, ein von Take-Two selbst genanntes Wachstum von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Prognose steht und fällt mit dem kommerziellen Erfolg von GTA VI ab dem Launch-Termin.

Die Frage lautet also nicht, ob das Spiel Aufmerksamkeit erzeugt – das tut es längst, wie die Leaks und die Netflix-Premiere zeigen –, sondern ob sich diese Aufmerksamkeit in Verkaufszahlen übersetzt, die die ambitionierte Guidance tragen. Jede weitere Marketingmaßnahme, jeder neue Leak und jede Analystenreaktion wird in den kommenden Wochen an dieser einen Messlatte gespiegelt werden.

Bullisches Szenario

JPMorgan hat vor rund drei Wochen die Coverage mit einem Overweight-Rating und einem Kursziel von 310 US-Dollar aufgenommen und die Aktie auf die eigene Analyst Focus List gesetzt.

Die Begründung: Die Fiskaljahr-2027-Guidance sei angesichts des anlaufenden Marketing-Ramps für GTA VI konservativ kalkuliert, mit Aufwärtspotenzial für Bookings und Gewinnschätzungen bis ins Fiskaljahr 2028 hinein. Auch Roth Capital hatte sein Kursziel zuvor von 295 auf 300 US-Dollar angehoben.

Sollte sich der positive Kursimpuls nach der Netflix-Vorschau als Vorbote einer breiteren Vorfreude-Welle erweisen und der Launch im November reibungslos verlaufen, dürften die Bookings-Ziele erreichbar oder sogar übertroffen werden. In diesem Fall würde die Aktie ihre Erholung fortsetzen und könnte sich dem 52-Wochen-Hoch wieder annähern.

Bärisches Szenario

Die Kehrseite: Take-Two schreibt operativ weiterhin rote Zahlen. Im ersten Quartal des Fiskaljahres 2027 vertiefte sich der Nettoverlust auf 34,1 Millionen US-Dollar, während der Verlust je Aktie auf 0,18 US-Dollar anwuchs.

Für das laufende zweite Quartal rechnet das Unternehmen mit einem Nettoverlust zwischen 140 und 157 Millionen US-Dollar. Diese Zahlen sind kein Beinbruch, solange GTA VI liefert – werden sie aber zur Belastung, falls sich der Launch verzögert oder die Rezeption verhaltener ausfällt als erhofft.

Die andauernden Leak-Vorfälle sind dabei mehr als eine Randnotiz: Sie zeigen, dass Take-Two die Kontrolle über die Kommunikation rund um sein wichtigstes Produkt zeitweise verloren hat, was Rockstar Games selbst öffentlich einräumte.

Die laufenden gerichtlichen Auskunftsersuchen gegen Microsoft und Discord sind ein erster Verfahrensschritt, kein abgeschlossener Erfolg – sollten sich weitere Leaks häufen, könnte das die kontrollierte Marketing-Erzählung vor dem Launch stören und die hohen Erwartungen unterlaufen.

Ausblick

Solange die Bookings-Guidance von 8,0 bis 8,2 Milliarden US-Dollar für das Fiskaljahr 2027 nicht offiziell nach unten korrigiert wird und der Novembertermin für GTA VI bestätigt bleibt, dürfte der Markt der Aktie trotz laufender Verluste Vertrauen entgegenbringen, wie die jüngsten Kursziel-Anhebungen andeuten.

Kippt dagegen die Terminsicherheit – etwa durch neue Leaks, technische Probleme oder eine Verschiebung – wäre eine deutlich schärfere Korrektur wahrscheinlich, da ein Großteil der aktuellen Bewertung bereits den Erfolg von GTA VI vorwegnimmt.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der Quartalsbericht am 4. November, unmittelbar vor dem Launch-Termin am 19. November – beide Termine dürften die kommenden Wochen für Anleger prägen.

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