Take-Two: Was vor dem GTA-VI-Start jetzt zählt

Take-Two verzeichnet Kursgewinn nach Q1-Zahlen, getragen von GTA-VI-Vorbestellungen. Analysten sehen Potenzial, während das laufende Geschäft schwächelt.

Die Kernpunkte:
  • Aktie steigt nach Quartalszahlen
  • GTA-VI-Vorbestellungen übertreffen Erwartungen
  • Umsatzrückgang und höherer Verlust
  • Netflix-Premiere als nächster Meilenstein

Ausgangslage

Take-Two Interactive hat am Donnerstag Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt – und die Reaktion an der Börse fiel deutlich aus. Die Aktie legte am Freitag um 5,97 Prozent auf 211,20 Euro zu, nachdem sie am Vortag noch bei 199,30 Euro geschlossen hatte. Damit bleibt das Papier zwar noch gut 8,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, doch die Rally zeigt: Anleger blicken über die reinen Quartalszahlen hinaus auf das, was im November kommen soll.

Die Zahlen selbst sind zweischneidig. Der Umsatz lag bei 1,53 Milliarden US-Dollar, die Netto-Buchungen erreichten 1,39 Milliarden Dollar und damit drei Prozent weniger als die 1,42 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Der Verlust weitete sich auf 34,1 Millionen Dollar aus, nach 11,9 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Belastet wurde das Ergebnis zusätzlich durch eine Abschreibung von 43,4 Millionen Dollar, weil sich Take-Two entschied, ein unangekündigtes Projekt eines externen Entwicklers nicht weiter zu verfolgen. Stützend wirkten dagegen die Franchises NBA 2K mit einem Plus von sieben Prozent und GTA mit einem Zuwachs von drei Prozent bei den Netto-Buchungen.

Die entscheidende Frage

Der eine Faktor, der die Bewertung von Take-Two in den kommenden Monaten dominieren wird, ist die Vorbestell-Dynamik von „Grand Theft Auto VI“. Die Vorbestellungen laufen seit dem 25. Juni 2026 durchgehend – innerhalb des abgelaufenen Quartals fielen davon nur fünf Tage in den Berichtszeitraum bis zum 30. Juni. Konzernchef Strauss Zelnick sprach im Analystencall von einem „außergewöhnlichen Start“ und nannte das Niveau der Vorbestellungen „unpräzedenzlos und erstaunlich“ – konkrete Zahlen legte er jedoch nicht offen. Genau diese Zurückhaltung ist der Knackpunkt: Solange sich Vorbestellvolumen und Konversionsraten nicht in belastbaren Zahlen zeigen, bleibt die Bewertung der Aktie stark auf Annahmen gestützt.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die Kombination aus verlässlichem Termin und wachsender medialer Reichweite. Take-Two bekräftigte in den Quartalsunterlagen den Starttermin 19. November 2026 für PS5 und Xbox Series X|S, zum Preis von 79,99 Dollar. Als Beleg für die Terminverlässlichkeit dient die für den 27. August angesetzte Premiere von „Grand Theft Auto VI: An Extended Look“ – erstmals in einer Kooperation mit Netflix, das den Trailer um 15 Uhr Ostküstenzeit zeigen soll, gefolgt von der Veröffentlichung auf dem offiziellen YouTube-Kanal von Rockstar Games und der GTA-VI-Website um 21 Uhr. Netflix-Vizepräsidentin Brandon Riegg bezeichnete die Erwartungshaltung der Fans als „unpräzedenzlos“. Analystenschätzungen, denen Medienberichte zufolge zugrunde liegen, gehen von 29 bis 30 Millionen verkauften Einheiten allein im Launch-Quartal aus. BTIG-Analyst Clark Lampen bekräftigte am 27. Juli seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 293 Dollar. Auch Wedbush Securities stufte Take-Two vor den Zahlen als unterbewertet ein, mit Verweis auf das erwartete GTA-VI-Momentum und die laufenden wiederkehrenden Umsätze aus bestehenden Franchises.

Bärisches Szenario

Die Risiken liegen in der Kluft zwischen Erwartung und Ausweis. Der Rückgang der Netto-Buchungen um drei Prozent und der auf 34,1 Millionen Dollar gestiegene Quartalsverlust zeigen, dass das laufende Geschäft ohne GTA VI noch nicht trägt. Die Abschreibung von 43,4 Millionen Dollar auf ein eingestelltes Projekt eines Drittentwicklers wirft zudem Fragen zur Pipeline-Disziplin auf. Sollte sich zeigen, dass die viel beschworene „unpräzedenzlose“ Vorbestell-Dynamik nicht in reale Auslieferungszahlen im November übersetzt wird – etwa wegen technischer Verzögerungen, Serverproblemen zum Launch oder schwächerer Konversion als von Wedbush und BTIG unterstellt –, dürfte die Aktie einen Großteil der aktuellen Vorschusslorbeeren wieder abgeben. Die mit 33,38 Prozent recht hohe 30-Tage-Volatilität signalisiert, dass der Markt genau mit solchen Ausschlägen rechnet.

Ausblick

Solange Take-Two den Starttermin 19. November hält und die Netflix-Premiere am 27. August das erwartete öffentliche Interesse bestätigt, dürfte die Aktie ihre Aufwärtstendenz – gestützt durch ein Kursziel von 293 Dollar bei BTIG und die positive Wedbush-Einschätzung – verteidigen können. Kippt dagegen die Erzählung, etwa durch enttäuschende Detailinformationen zum Spielumfang oder neue Verzögerungssignale, würde der aktuelle Kursaufschlag rasch infrage stehen. Der nächste konkrete Prüfstein ist die Netflix-Premiere am 27. August, gefolgt von der Hauptversammlung am 17. September, bei der Zelnick und das Management weitere Einordnungen zur Vermarktung liefern könnten.

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