Take-Two: Wie belastbar sind die neuen Kursziele?

Nach starken Vorbestellungen heben vier Häuser die Kursziele für Take-Two an. Die Aktie steigt, doch operative Verluste und Insiderverkäufe trüben das Bild.

Die Kernpunkte:
  • Vier Häuser erhöhen Kursziele
  • Rekord-Vorbestellungen für GTA VI
  • Nettoverlust mehr als verdreifacht
  • Gameplay-Trailer am 27. August

Vier Analysehäuser haben am Montag binnen weniger Stunden ihre Kursziele für Take-Two Interactive angehoben – und schoben die Aktie damit auf 219,80 Euro, ein Plus von 3,10 Prozent zum Vortag. Ausgangspunkt war der Quartalsbericht vom vergangenen Samstag, der die Net-Bookings-Prognose übertraf.

Jetzt stellt sich die Anschlussfrage: Tragen die neuen, deutlich höheren Zielmarken das Papier tatsächlich bis zum nächsten großen Termin, dem geplanten Start von Grand Theft Auto VI am 19. November?

Die entscheidende Frage

Der Kern der Debatte lässt sich auf einen Punkt verdichten: Kann Take-Two die Vorfreude auf GTA VI ohne Reibungsverluste in tatsächliche Buchungen übersetzen, während das operative Ergebnis bereits jetzt belastet ist? Der Quartalsbericht wies einen GAAP-Nettoverlust von 34,1 Millionen Dollar aus, mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts von 11,9 Millionen Dollar.

Ein Grund war eine Wertminderung von 43,4 Millionen Dollar, weil ein unangekündigter Titel eines Drittentwicklers nicht weiterverfolgt wird. Die Jahresprognose von 8,0 bis 8,2 Milliarden Dollar Net Bookings blieb bestehen – doch je näher der Launch rückt, desto weniger Spielraum bleibt für Überraschungen.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die Dynamik rund um die Vorbestellungen. Laut Newzoo verzeichnete GTA VI die stärkste Eröffnungswoche für Pre-Orders, die je gemessen wurde: Allein in den USA und fünf großen europäischen Märkten kamen in der letzten Juniwoche rund 180 Millionen Dollar an digitalen Vorbestellungen zusammen, hochgerechnet auf den Weltmarkt rund 260 Millionen Dollar.

Wells Fargo begründete seine Zielanhebung auf 300 Dollar mit „astonishing“, also außergewöhnlichem Vorbestellvolumen und bestätigte die Einstufung Overweight.

BTIG-Analyst Clark Lampen zog am Montag mit der aggressivsten Zielanhebung nach: 313 Dollar, das höchste bislang bekannte Kursziel, bei weiterhin bestätigter Kaufempfehlung. Goldman Sachs, Oppenheimer und Baird schlossen sich mit Anhebungen auf 285, 280 beziehungsweise 270 Dollar an – ein breiter Analystenkonsens, der auf steigende Erwartungen für das Weihnachtsgeschäft und den GTA-VI-Start setzt.

Am 27. August will Rockstar Games zudem einen erweiterten Gameplay-Trailer premieren, zunächst exklusiv auf Netflix, sechs Stunden vor der allgemeinen Veröffentlichung auf YouTube und der offiziellen GTA-VI-Seite. Ein weiterer Baustein, der die Kaufbereitschaft vor dem Launch am 19. November hochhalten soll.

Bärisches Szenario

Die Kehrseite: Ein Teil der guten Nachrichten steckt bereits im Kurs. Die Aktie notiert nur noch 5,01 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 231,40 Euro, erreicht Anfang Juli. Die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei 36,05 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt größere Ausschläge in beide Richtungen für möglich hält.

Sollte der Netflix-Trailer verhalten aufgenommen werden oder sich am Launch-Datum doch Verzögerungssignale zeigen, träfe das eine Aktie, die bereits viel Zuversicht eingepreist hat. Hinzu kommt ein Signal aus dem eigenen Haus: Direktorin Ellen F. Siminoff meldete die Absicht, innerhalb der nächsten 90 Tage 49.000 Aktien zu verkaufen – bei einem Kurs von rund 229 Dollar ein Volumen von etwa 11 Millionen Dollar.

Insiderverkäufe sind nicht automatisch ein Warnsignal, doch sie fallen in eine Phase, in der externe Analysten reihenweise optimistischer werden. Diese Divergenz verdient Beachtung, zumal der ausgewiesene Nettoverlust zeigt, dass operative Kosten – etwa durch die abgeschriebene Drittentwicklung – nicht spurlos an der Bilanz vorbeigehen.

Ausblick

Solange die Vorbestelldynamik anhält und der Netflix-Trailer am 27. August weiteren Schub liefert, dürften die frisch angehobenen Kursziele von BTIG, Goldman Sachs und den übrigen Häusern als Orientierung tragen – die Aktie hätte dann Raum, sich wieder Richtung ihres bisherigen Hochs zu bewegen.

Kippt die Stimmung dagegen, etwa durch enttäuschende Reaktionen auf den Trailer oder neue Hinweise auf Verzögerungen vor dem Starttermin, dürfte die hohe Volatilität die Kursausschläge verstärken – und die bereits verbuchten Verluste im operativen Geschäft rücken dann stärker in den Fokus.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der erweiterte Gameplay-Trailer am 27. August, gefolgt vom eigentlichen Launch-Termin am 19. November. Bis dahin bleibt die Bewertung der Aktie eng an die Frage gekoppelt, ob sich der aktuelle Optimismus der Analysten mit der Realität des größten Launches in der Firmengeschichte deckt.

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