Technologie-Aktien: Kabel und Speicher schlagen Chips

Corning, Western Digital und Ciena profitieren stärker vom KI-Boom als Nvidia. Fünf Aktien im Vergleich.

Die Kernpunkte:
  • Nvidia mit Robotik-Vorstoß und Lieferkettenproblemen
  • Corning sichert sich Milliarden-Deal mit Amazon
  • Western Digital erreicht Rekordkurs durch Speicherboom
  • Samsung trotz Tesla-Chip-Fortschritt stark gefallen

Während Nvidia um seine Bewertung ringt, liefern die stillen Zulieferer der KI-Infrastruktur die besseren Kurskurven. Glasfaser, Speicher und optische Netzwerktechnik wachsen in diesem Sommer schneller als mancher Halbleiter-Star. Ein Blick auf fünf Aktien zeigt, wie ungleich der KI-Boom seine Gewinne verteilt.

Nvidia: Robotik-Vorstoß trifft auf Lieferkettenzweifel

Nvidia bleibt der Wachstumsmotor der Branche, notiert aktuell bei 181,76 Euro und damit knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Der Titel hat in den vergangenen sieben Tagen um 6,30 Prozent zugelegt, liegt aber weiterhin gut zehn Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro.

Die Wachstumszahlen bleiben beeindruckend. Im ersten Quartal des Fiskaljahres 2027 kletterte der Umsatz auf 81,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs um 92 Prozent, die Netzwerksparte innerhalb dieses Segments sogar um 199 Prozent. Firmenchef Jensen Huang beschreibt den laufenden Ausbau als größte Infrastrukturinvestition der Geschichte.

Nvidia erweitert sein Geschäft zudem über Chips hinaus. Das Unternehmen baut sein Robotik-Team für verkörperte Intelligenz und Simulation aus, ergänzt um den neuen BioNeMo Agent Toolkit für Proteinstrukturvorhersagen und molekulares Docking. Die Kapitalrückführung an Aktionäre wurde ebenfalls deutlich angehoben, samt neuem Rückkaufprogramm im hohen zweistelligen Milliardenbereich.

Ein Wermutstropfen bleibt: Berichten zufolge verzögert sich das Kyber-Racksystem für die kommenden Rubin-Ultra-Chips wegen Fertigungsproblemen bis 2028. Das öffnet Konkurrenten wie AMD und Google ein Zeitfenster. Die Analystengemeinde bleibt dennoch überwiegend bullish, mit deutlichem Übergewicht bei Kauf-Empfehlungen.

Corning: Amazon-Deal krönt die Hyperscaler-Serie

Corning hat sich zu einer der auffälligsten Aktien des KI-Ausbaus entwickelt. Der Kurs notiert bei 161,02 Euro, nach einem Rückgang von 3,89 Prozent am heutigen Handelstag und einem Minus von 5,43 Prozent auf Wochensicht. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von rund 108 Prozent zu Buche — ein Beleg dafür, wie stark die jüngste Rally war, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten.

Den Ausschlag für den langfristigen Höhenflug gab eine Serie von Großaufträgen. Amazon vereinbarte kürzlich einen mehrjährigen Liefervertrag über Glasfaser, Kabel und Konnektivitätslösungen für seine wachsende Rechenzentrumsinfrastruktur in den USA. Firmenchef Wendell Weeks bezeichnete die Vereinbarung als bedeutenden Meilenstein für Corning und die amerikanische Fertigung.

Der Deal reiht sich in eine Serie ähnlicher Abschlüsse ein. Bereits im Januar hatte Corning mit Meta einen milliardenschweren Mehrjahresvertrag geschlossen, im Mai folgte eine Partnerschaft mit Nvidia. In North Carolina und Texas entstehen dadurch mehrere neue Fertigungsanlagen mit tausenden zusätzlichen Arbeitsplätzen.

Auch operativ liefert Corning. Der Kernumsatz stieg im ersten Quartal um 18 Prozent, das Kern-Ergebnis je Aktie kletterte um 30 Prozent. Für das zweite Quartal stellt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 14 Prozent in Aussicht.

Western Digital: Rekordkurs nach Speicher-Boom

Western Digital hat vom Speicherbedarf der KI-Rechenzentren profitiert wie kaum ein anderer Sektorwert. Die Aktie notiert bei 481,60 Euro, nach einem Rücksetzer von 5,53 Prozent am heutigen Tag. Zuvor hatte der Titel ein Allzeithoch markiert und war zeitweise deutlich über die 500-Euro-Marke geklettert.

Auslöser war ein deutlicher Ergebnissprung im dritten Fiskalquartal. Der Umsatz stieg um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das Ergebnis je Aktie sogar um 97 Prozent. Die Cloud-Sparte wuchs um 48 Prozent — ein Signal dafür, wie stark Hyperscaler ihre Speicherkapazitäten derzeit aufstocken.

Die Reaktion der Analysten fiel entsprechend deutlich aus. Rosenblatt Securities hob sein Kursziel von 340 auf 500 Dollar an, Cantor Fitzgerald sogar auf 660 Dollar. Auch Bernstein, BofA und Mizuho zogen mit teils kräftigen Anhebungen nach, während UBS mit 375 Dollar vorsichtiger blieb, aber ebenfalls auf knappe Lieferverfügbarkeit und steigende Preise verwies.

Eine Dividendenerhöhung um 20 Prozent unterstrich das Vertrauen des Managements in die Geschäftsentwicklung. Für das laufende Quartal stellt Western Digital eine Bruttomarge von 51,5 Prozent in Aussicht — deutlich über den Erwartungen der Analysten.

Samsung Electronics: Tesla-Chip-Fortschritt trifft auf Nervosität

Kaum ein Wert im Sektor zeigt derzeit größere Ausschläge als Samsung. Die Aktie brach heute um 10,70 Prozent auf 254.500 Won ein, nach einem Rückgang von knapp 20 Prozent innerhalb einer Woche. Auf Sicht von 30 Tagen beträgt das Minus mehr als 21 Prozent — trotz eines Zuwachses von über 300 Prozent binnen zwölf Monaten.

Fundamental bleibt die Story intakt. Samsung hat das Design seiner Version von Teslas AI5-Chip für autonomes Fahren abgeschlossen; die Fertigung im hochmodernen 2-Nanometer-Verfahren soll in der texanischen Fabrik in Taylor anlaufen. Bislang produziert Samsung Teslas aktuellen AI4-Chip im 7-Nanometer-Verfahren am Standort Pyeongtaek — der Wechsel zu Taylor markiert damit einen technologischen Sprung.

Die Volatilität dürfte auch mit institutionellen Verkäufen zusammenhängen, die trotz starker Fundamentaldaten und Rekordgewinnen zu beobachten waren. Am 23. Juli legt Samsung seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Ein Analysehaus aus Korea rechnet mit einem operativen Gewinn im hohen zweistelligen Billionen-Won-Bereich. Als zusätzlicher Kurstreiber gilt der geplante Start der Auslieferung von HBM4-Speicherchips an Nvidia in der zweiten Jahreshälfte.

Ciena: Optische Netzwerke im Bandbreiten-Rausch

Ciena zählt zu den still erfolgreichsten KI-Infrastrukturwerten im Networking-Bereich. Der Kurs steht bei 391,00 Euro, nach einem Tagesminus von 3,46 Prozent, liegt aber auf Wochensicht mit 3,11 Prozent im Plus. Der Titel notiert damit knapp 11 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt, nach einer Rally, die im ersten Halbjahr mehr als eine Verdopplung brachte, gefolgt von einer spürbaren Konsolidierung im Juni.

Die operativen Zahlen untermauern die Nachfrage. Im zweiten Fiskalquartal wuchs der Umsatz um 40 Prozent, der Auftragsbestand erreichte 7,7 Milliarden Dollar. Das Management rechnet damit, dass rund 80 Prozent des Hardware-Backlogs innerhalb der kommenden zwölf Monate in Umsatz umgewandelt werden — ein deutliches Signal für anhaltende Visibilität.

Analysten begründen ihre positive Einschätzung mit der Kombination aus beschleunigtem Umsatzwachstum und einer im Vergleich zu Wettbewerbern günstigeren Bewertung auf PEG-Basis, trotz eines auf den ersten Blick hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisses.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Werte zeigen unterschiedliche Facetten desselben Investitionszyklus:

  • Nvidia: Wachstumsführer mit Bewertungsdruck und Lieferkettenrisiken
  • Corning: Profiteur der Glasfaser-Nachfrage durch Amazon, Meta und Nvidia
  • Western Digital: Rekordkurse dank Cloud-Speicherboom und Dividendenerhöhung
  • Samsung: Hohe Volatilität trotz starker Fundamentaldaten und Tesla-Partnerschaft
  • Ciena: Optische Infrastruktur als Nutznießer wachsender Backlogs

Auffällig: Die physische Infrastruktur-Schicht — Glasfaser, Speicher, optische Übertragung — hat die reinen Chiphersteller in mehreren Phasen des laufenden Zyklus outperformt, obwohl alle fünf Werte letztlich am selben Investitionszyklus der Hyperscaler hängen.

Wohin die Reise als Nächstes geht

Mehrere Termine dürften in den kommenden Wochen richtungsweisend sein. Samsungs Quartalszahlen am 23. Juli liefern Aufschluss über den Fortschritt beim HBM4-Speicher und die Preisentwicklung im Memory-Markt. Nvidias nächster Zahlenausweis, erwartet für Ende August, wird zeigen, ob das Rechenzentrumswachstum sein Tempo trotz China-Exportbeschränkungen und wachsender Konkurrenz durch kundenspezifische Chips halten kann.

Bei Corning entscheidet sich, ob sich die Großaufträge mit Amazon, Meta und Nvidia in nachhaltige Margenausweitung übersetzen lassen. Western Digitals Cloud-Momentum und Cienas Fähigkeit, den prallen Auftragsbestand in Umsatz umzuwandeln, werden zeigen, ob für Speicher- und Netzwerkwerte nach den kräftigen Kursgewinnen noch Luft nach oben bleibt oder eine Bewertungskorrektur ansteht.

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