Technologie-Aktien: Salesforce jagt nächstes KI-Ziel, kleine Werte am Boden
ServiceNow und Salesforce wachsen mit KI, während ams-OSRAM umbaut und BrainChip sowie IperionX unter schwachen Kursen leiden.

- ServiceNow steigert KI-Auftragsvolumen deutlich
- Salesforce verhandelt über Listen-Labs-Kauf
- ams-OSRAM fokussiert sich auf Photonik
- BrainChip und IperionX unter Druck
Zwei Welten, ein Sektor: Während ServiceNow und Salesforce mit milliardenschweren Übernahmen ihre KI-Strategien ausbauen, kämpfen BrainChip und IperionX nahe ihrer Jahrestiefs ums Überleben. ams-OSRAM steckt mitten in einem Konzernumbau. Die Kluft zwischen etablierten Softwaregrößen und spekulativen Kleinwerten war selten so deutlich wie in diesen Tagen.
Sektorüberblick: Kapital sucht Beweise, keine Versprechen
Anleger belohnen derzeit vor allem eines: nachweisbare KI-Umsätze. ServiceNow und Salesforce liefern beide zweistelliges Wachstum und expandierende Vertragsvolumina im KI-Geschäft, entsprechend robust fällt die Kursentwicklung aus. ams-OSRAM bewegt sich im Mittelfeld zwischen Zukunftsprojekt und Restrukturierungslast. BrainChip und IperionX dagegen zeigen, wie unversöhnlich der Markt mit Frühphasen-Geschichten umgeht, die noch keine verlässlichen Umsätze vorweisen können.
ServiceNow: Übernahmewelle trifft auf hohe Bewertung
ServiceNow notiert aktuell bei 113,30 Euro, nach einem Kursrückgang von 6,9 Prozent innerhalb einer Woche. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 4,9 Prozent zu Buche. Der RSI von 51,3 signalisiert eine neutrale Marktlage, keine Übertreibung in die eine oder andere Richtung.
Das Unternehmen hat sich mit einer Serie milliardenschwerer Zukäufe – darunter Armis Security, Veza Technologies und Moveworks – tief ins Feld der KI-nativen Sicherheits- und Identitätslösungen vorgewagt. Das operative Fundament dafür stimmt: Die Abo-Umsätze wuchsen zuletzt um rund ein Viertel, während das KI-Auftragsvolumen erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar überschritt. Agentenbasierte KI-Einsätze haben sich binnen neun Monaten verneunfacht.
Die Bewertung bleibt allerdings ambitioniert. ServiceNow handelt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 56, während der Softwaresektor im Schnitt bei rund 27 liegt. Analysten der Investmentbank BTIG erhöhten ihr Kursziel dennoch von 150 auf 170 Dollar und verwiesen dabei auf das kurzfristige Potenzial der KI-Monetarisierung. Zuletzt profitierte die Aktie zudem vom Rückenwind starker Quartalszahlen bei Salesforce – ein Zeichen dafür, wie eng die Stimmung im Software-Sektor mittlerweile verknüpft ist.
ams-OSRAM: Der Umbau zum Photonik-Spezialisten
Die Aktie des österreichischen Sensorherstellers zeigt sich robust: Mit einem Plus von 3,7 Prozent auf 19,50 Euro liegt sie klar über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 14,25 Euro – ein Anstieg von 37 Prozent. Der Titel bewegt sich damit deutlich über seinem Jahrestief von 7,38 Euro, aber auch spürbar unter dem Hoch von 26,70 Euro.
Strategisch vollzieht ams-OSRAM gerade einen radikalen Schnitt. Der Verkauf des Non-Optical-Sensorgeschäfts an Infineon wurde bereits abgeschlossen, das CMOS-Bildsensorgeschäft geht an Indie Semiconductors. CEO Aldo Kamper spricht von einer Schärfung des Fokus auf Digital Photonics als zentralem Wachstumstreiber. Erste Meilensteine bei microLED-Lichtmodulen für AR-Brillen der nächsten Generation seien erreicht.
Die Zahlen zeigen ein gemischtes Bild: Der Umsatz legte im zweiten Quartal um 4 Prozent auf 805 Millionen Euro zu und übertraf damit die Erwartungen. Das Kernsemiconductor-Geschäft wuchs sogar um 13 Prozent, angetrieben von der Automobilbranche. Der bereinigte Gewinn je Aktie verfehlte hingegen die Prognosen. Für das laufende Jahr rechnet das Management mit einem negativen freien Cashflow von 300 Millionen Euro, eine Wende ins Positive wird erst für 2027 erwartet. Analysten bleiben gespalten: Bei einem Kursziel von durchschnittlich 17,13 Franken stehen zwei Kaufempfehlungen drei Verkaufsempfehlungen gegenüber.
Salesforce: Vierter KI-Zukauf des Jahres in Sicht
Salesforce-Aktien kletterten binnen eines Monats um 25 Prozent, nachdem sich die Erzählung rund um das Unternehmen spürbar gedreht hat. Aktuell notiert der Titel bei 210,25 Euro. Trotz der jüngsten Rally steht seit Jahresbeginn noch ein Minus von 7,3 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie tief der vorherige Einbruch war.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die aggressive Übernahmestrategie. Berichten zufolge führt Salesforce vorläufige Gespräche über den Kauf der KI-Marktforschungsplattform Listen Labs, ein Deal mit einem Volumen von rund zwei Milliarden Dollar. Listen Labs soll dafür sogar ein bereits unterschriebenes Term Sheet über 125 Millionen Dollar von Menlo Ventures ausgeschlagen haben. Es wäre nach den Übernahmen von Fin (vormals Intercom), Informatica und Convergence bereits der vierte KI-Zukauf des Jahres. Die milliardenschwere Fin-Transaktion, bei der CEO Marc Benioff den „besten Kundenagenten“ mit dem „besten CRM“ zusammenbringen wollte, ist bereits abgeschlossen.
Operativ liefert Salesforce solide Basis für diese Einkaufstour: Der Jahresumsatz stieg zuletzt um knapp 10 Prozent, der Gewinn sogar um gut ein Fünftel. Mit einem für-warts KGV von 19 wirkt die Aktie im Branchenvergleich – etwa zu Microsofts 25 – moderat bewertet. TD Cowen-Analyst Derrick Wood erhöhte sein Kursziel jüngst von 280 auf 300 Dollar und bestätigte seine Kaufempfehlung im Vorfeld des Investorentags.
BrainChip: Ambition trifft auf schmale Kassenlage
Bei BrainChip zeigt sich das Dilemma vieler Frühphasen-Halbleiterwerte in Reinform. Der Kurs liegt bei 0,0802 Euro, nach einem Rückgang von 3,5 Prozent am aktuellen Handelstag. Seit Jahresbeginn hat der Titel rund ein Viertel seines Werts verloren, der RSI von 43,9 deutet auf anhaltend schwache Nachfrage hin.
Das jüngste Investoren-Update positioniert das Unternehmen als weltweiten Marktführer im Bereich ultra-stromsparender Edge-KI. Die Realität dahinter fällt bescheiden aus: Der Quartalsumsatz lag bei lediglich 1,22 Millionen Dollar, begleitet von einem kleinen Verlust je Aktie. CEO Sean Hehir zeigte sich dennoch überzeugt von der eingeschlagenen Richtung. Der geplante Tape-out des AKD2500-Chips für Dezember bleibe im Zeitplan, die Akida-Pico-Technologie sei einsatzbereit.
Auf der Partnerseite gibt es Fortschritte: Die Kooperation mit Neuromorphyx hat sich ausgeweitet, nachdem der Partner bereits 1.200 Chips abgenommen hat und im August eine Entwicklungspartnerschaft für das BrainBoard1500 einging. Mit umgerechnet rund 20 Millionen australischen Dollar an Kassenbestand bleibt die Zeit für BrainChip jedoch begrenzt, um aus technologischen Fortschritten tatsächlich skalierbare Umsätze zu machen.
IperionX: Rohstoff-Ausverkauf erfasst Titan-Spezialisten
Kaum ein Wert im Sektor zeigt sich derzeit so angeschlagen wie IperionX. Die Aktie fiel um 2,6 Prozent auf 1,66 Euro und liegt nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 1,60 Euro. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt happige 44 Prozent, auf Sicht von zwölf Monaten hat der Titel mehr als die Hälfte seines Werts eingebüßt.
Der Ausverkauf trifft das Unternehmen trotz einer Reihe operativ positiver Nachrichten. Erst kürzlich sicherte sich IperionX einen zweiten Auftrag der US-Armee zur heimischen Titanproduktion. Titan gilt wegen seiner Bedeutung für Luftfahrt, fortgeschrittene Fertigung und Technologieanwendungen als strategisch wichtiger Rohstoff – dennoch reicht das aktuell nicht, um die Schwäche im gesamten Segment kritischer Mineralien auszugleichen.
Bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen Kursverlauf und Analystenmeinung: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 60,33 Dollar und damit meilenweit über dem aktuellen Niveau. Der RSI von 35,6 nähert sich der überverkauften Zone, was zumindest technisch für eine baldige Stabilisierung sprechen könnte.
Sektordynamik im Überblick
- ServiceNow & Salesforce: Premium-Bewertung, aber gestützt durch zweistelliges Wachstum und aggressive KI-Übernahmen
- ams-OSRAM: Strategischer Umbau Richtung Photonik, operativ gemischtes Bild, Analystenmeinung gespalten
- BrainChip: Technologische Fortschritte treffen auf verschwindend geringe Umsätze und schrumpfende Kassenreserven
- IperionX: Fundamental intakte Auftragslage, aber Opfer eines branchenweiten Rohstoff-Ausverkaufs
KI-Gewinner und Rohstoff-Verlierer: Wie geht es weiter?
Für ServiceNow und Salesforce dürfte die Geschwindigkeit der KI-Monetarisierung der entscheidende Faktor bleiben – insbesondere, ob der Listen-Labs-Deal zustande kommt und wie schnell sich Agentforce-Lösungen am Markt durchsetzen. Bei ams-OSRAM richtet sich der Blick auf den für November erwarteten Quartalsbericht und darauf, ob die Photonik-Strategie erste handfeste Erfolge liefert.
BrainChip muss beweisen, dass aus angekündigten Partnerschaften tatsächlich größere, planbare Umsätze werden, bevor die Kassenreserven zur Belastung werden. IperionX wiederum hängt maßgeblich davon ab, ob sich die Stimmung bei kritischen Mineralien stabilisiert und weitere Aufträge aus dem US-Verteidigungssektor den jüngsten Kursverfall kompensieren können. Die Schere zwischen bewiesener und versprochener KI-Story dürfte den Sektor auch in den kommenden Wochen prägen.
ServiceNow-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue ServiceNow-Analyse vom 11. September liefert die Antwort:
Die neusten ServiceNow-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für ServiceNow-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
ServiceNow: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




