Tele Columbus – Chancen und Risiken des PrimaCom-Deals

Gestern berichteten wir über den Neuzugang PrimaCom bei Tele Columbus. Damit schnappte sich der Kabelnetzbetreiber die Nummer vier im deutschen Markt der Kabelnetzbetreiber. An der Börse kam diese Transaktion gut an und verhalf der Aktie von Tele Columbus wieder deutlich in Richtung Norden.

 

© Pixabay
© Pixabay

Zweifelsfrei bietet diese Übernahme für Tele Columbus eine deutliche Chance zur Stärkung der eigenen Position am Markt. Nur, wie genau hat sich der Konzern auf diese Übernahme vorbereitet?

 

Enorme Schuldenlast für Tele Columbus

Im letzten Jahr erreichte Tele Columbus einen Umsatz von 213 Mio. Euro. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei 99 Mio. Euro. Bei PrimaCom wurde ein Umsatz von 132 Mio. Euro und ein bereinigte EBITDA von 55 Mio. erzielt.

Damit wird klar, dass Tele Columbus rund gerechnet doppelt so groß wie der Neuzugang ist. Dazu kommt, dass die Marge bei PrimaCom mit 42% um vier Punkte unter der von Tele Columbus liegt.

Der Kaufpreis, den Tele Columbus für PrimaCom auf den Tisch legt, ist ein ziemlich großer Brocken für das Unternehmen. Es sei daran erinnert, dass es noch nicht allzu lange her ist, dass sich die Nummer zwei im deutschen Markt in finanziellen Turbulenzen befand.

Mit dem Kauf des Konkurrenten wird die Verschuldung von Tele Columbus auf ca. das fünffache des operativen Ergebnisses ansteigen. Dabei plant man erst innerhalb der nächsten 1,5 bis 2 Jahre eine Rückführung dieser Schulden auf das drei- bis vierfache.

 

Warum diese Schnelligkeit?

Der Markt wurde völlig überrascht von der Nachricht der Übernahme. Damit hatte wohl keiner so schnell gerechnet. Natürlich erwartet Tele Columbus aus dieser Übernahme auch entsprechende Effekte.

Ziel ist es, durch den Kauf von PrimaCom jährliche Einsparungen von 17,5 Mio. Euro und darüber hinaus 2,5 Mio. Euro bei Investitionen. Bis 2017 sollen diese Ziele erreicht werden. Das wirft am Markt jedoch eine Frage auf? Warum erst so spät?

Behördliche Genehmigungen für den Kauf sind nicht erforderlich. Aus diesem Grund kann bis Ende Juli die Transaktion vollzogen werden. Gleichzeitig wurden Auszüge aus einer eMail des Konzernchefs von PrimaCom an seine Mitarbeiter bekannt. Darin beteuert dieser, dass sich so schnell nichts für das Unternehmen ändern werde.

Viel interessanter an dieser e-Mail ist jedoch der Hinweis darauf, dass man im Eigentümerkreis beschlossen habe, sich nicht einfach von einem globalisierten Megakonzern verschlucken lassen zu wollen.

Das beflügelt die Phantasie dahingehend, dass eventuell ein anderer Großkonzern hier zuschlagen und sich PrimaCom unter den Nagel reißen wollte. Durch die Übernahme von Tele Columbus wählte man hier eventuell das kleinere Übel. Damit ließe sich zumindest die Eile des Deals erklären.

 

Wie sieht es mit der Konkurrenz aus?

Sowohl Tele Columbus als auch PrimaCom sind vorwiegend im Osten Deutschlands aktiv. Besonders begehrt sind hier die so genannten Gestattungsverträge der Wohnungsbaugesellschaften.

Beide Unternehmen pflegen seit langem sehr gute und starke Beziehungen zu eben diesen Gesellschaften. Die Gestattungsverträge erfreuen sich so großer Beliebtheit, weil sie den Kabelnetzbetreibern einen exklusiven Zugang zu dem entsprechenden Mieterkreis ermöglichen.

Dadurch ist es wesentlich leichter, höherwertige Produkte wie beispielsweise einen Internetanschluss zu verkaufen. Es ist erst kurze Zeit her, dass PrimaCom den Vertragsabschluss im 1. Halbjahr für 67.000 Wohneinheiten mit Wohnungsgesellschaften vermeldete. Allein 12.000 davon sind Neukunden, die restlichen lagen im Rahmen von Vertragsverlängerungen.

Konkurrent Vodafone wird diesen Zusammenschluss nicht gerne sehen. Immerhin hatte man für 10 Mrd. Euro die Finger nach Kabel Deutschland ausgestreckt und das sicher nicht aus Nächstenliebe. Auch Kabel Deutschland ist stark in den im Osten gelegenen Bundesländern aktiv und steht damit in direkter Konkurrenz zu Tele Columbus und PrimaCom.

Ob man nun die gesetzten Wachstumsziele plangemäß umsetzen kann, wird sich erst in Zukunft zeigen. Dazu muss jedoch auch abgewartet werden, wie die Integration von PrimaCom verläuft. Sollten hier unerwartet Schwierigkeiten auftreten, könnte davon im Gegensatz die Aktie von Vodafone profitieren.

 

Aktie versucht den Ausbruch

Nachdem die Aktie von Tele Columbus gestern nur zögerlich im Plus lag, sah dieses Bild zum heutigen Handelsbeginn ganz anders aus. Zwischenzeitlich lagen die Papiere 3,52% im Plus und notierten bei 13,98 Euro.

150717 Tele Columbus

Mittlerweile sind es nur noch 13,85 Euro und damit noch ein Plus von 2,52%. Damit scheint die erste Euphorie sich nun bereits langsam wieder zu legen, jedoch ist ein erneuter Versuch der Aktie auf über 14,00 Euro zu klettern damit noch nicht vom Tisch.

 

%d Bloggern gefällt das: