Telecom Italia Aktie: Fusion statt Squeeze-out?
Eine Fusion soll den Börsenrückzug ermöglichen; das Management beziffert mögliche jährliche Synergien auf rund 700 Millionen Euro.

- Poste Italiane erreicht 85,82 Prozent
- Zwangsausschluss-Schwelle von 90 Prozent verfehlt
- Fusion als Weg zum Delisting im Gespräch
- Jährliche Synergien von rund 700 Millionen Euro
Nach dem Abschluss der Wiedereröffnung des öffentlichen Tauschangebots zeichnen sich die künftigen Eigentumsverhältnisse bei Telecom Italia klar ab. Wie heute anhand provisorischer Ergebnisse bekannt wurde, hält der italienische Konzern Poste Italiane künftig 85,82 Prozent am Telekommunikationsanbieter.
Da die Schwelle von 90 Prozent für einen direkten Zwangsausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre nicht erreicht wurde, rückt für den Mehrheitseigner nun ein alternativer Weg zum Börsenrückzug in den Mittelpunkt: eine Verschmelzung der beiden Unternehmen.
Provisorische Ergebnisse und Abwicklungsfahrplan
Im Rahmen der am Freitag zu Ende gegangenen Nachfrist reichten die Aktionäre insgesamt 409.957.676 Papiere ein, was einem Anteil von 19,195 Prozent am Grundkapital entspricht. Zusammen mit den Andienungen der ersten Phase sowie dem bereits zuvor von Poste Italiane gehaltenen Aktienpaket beläuft sich der Gesamtbestand künftig auf mehr als 1,83 Milliarden Anteilsscheine.
Für die im zweiten Zeitfenster eingereichten Papiere erhalten die Investoren je Aktie eine Gegenleistung von 1,97 Euro in bar sowie 0,218 neue Anteile an Poste Italiane. Das endgültige Ergebnis der Offerte soll bis zum 1. Oktober vor Börsenbeginn feststehen. Die Auszahlung der Bar- und Aktienkomponente für die Nachfrist ist für den 2. Oktober 2026 terminiert.
An der Börse reagierten die Titel verhalten auf die Bekanntgabe der jüngsten Beteiligungshöhe. Im heutigen Handel gab das Papier um 2,6 Prozent nach und notierte bei 7,05 Euro. Trotz der jüngsten Schwäche verzeichnet die Aktie seit Jahresanfang ein Kursplus von 37 Prozent.
Umstrukturierung und Synergien im Fokus
Da die rechtlichen Voraussetzungen für ein sofortiges Squeeze-out-Verfahren fehlen, steht eine Fusion von Telecom Italia auf die Konzernmutter oder eine gemeinsame Zweckgesellschaft im Raum, um das Delisting der Notierung zu vollziehen.
Aus der Zusammenführung verspricht sich das Management jährliche Synergieeffekte von rund 700 Millionen Euro, aufgeteilt in Kosteneinsparungen von 500 Millionen Euro und zusätzliche Erlöse von 200 Millionen Euro. Unter anderem treibt PosteMobile bereits die Migration der Kunden in das Netz von Telecom Italia voran.
Zusätzliche Weichenstellungen im Portfolio begleiten den Umbau. So steht bei der Tochtergesellschaft Sparkle, die mit rund 700 Millionen Euro bewertet wird, noch eine finale behördliche Freigabe aus den USA aus; hier wurde die Frist für den Vollzug bis zum 15. Oktober verlängert. Ein umfassender neuer Industrieplan für das neu formierte Gesamtgebilde wird für das erste Quartal 2027 erwartet.
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