Telecom Italia Aktie: Poste bietet 10,8 Milliarden Euro

Telecom Italia meldet Nettogewinn im zweiten Quartal und stützt die 10,8-Milliarden-Offerte von Poste Italiane. Derweil belastet der Streit mit FiberCop das Festnetzgeschäft.

Die Kernpunkte:
  • Nettogewinn von 88 Millionen Euro
  • Poste-Offerte gilt als fair
  • Cloud-Geschäft wächst stark
  • FiberCop-Streit um Leitungsqualität

Telecom Italia hat den Sprung zurück in die Gewinnzone geschafft und steht zugleich vor einer möglichen Übernahme durch die italienische Post. Der Aufsichtsrat des Konzerns neigt nach Berichten vom Donnerstag dazu, das 10,8 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot von Poste Italiane als fair einzustufen und dürfte kaum auf einen höheren Preis drängen. Für Anleger verdichten sich damit zwei Nachrichtenstränge, die den Kurs in den kommenden Wochen prägen dürften: operative Erholung und Konsolidierung der Eigentümerstruktur.

Rückkehr in die Gewinnzone

Im zweiten Quartal 2026 erzielte Telecom Italia, an der Börse unter der Marke TIM bekannt, einen Nettogewinn von 88 Millionen Euro – nach einem Verlust im ersten Quartal. Für das erste Halbjahr summierte sich der Umsatz auf 6,8 Milliarden Euro, ein Plus von 2 Prozent, während das bereinigte EBITDA um 1,2 Prozent zulegte. Ohne den Effekt der MVNO-Umstellung wären beide Kennziffern deutlich stärker gewachsen. Konzernchef Pietro Labriola sprach von einem „soliden Weg“, auf dem der Konzern in fünf Jahren tiefgreifend umgebaut worden sei.

Getragen wurde die Entwicklung von TIM Enterprise, das im 16. Quartal in Folge zulegte, sowie vom Cloud-Geschäft, das um mehr als 18 Prozent wuchs. Auch das Streaming-Angebot TIMVISION leistete einen Beitrag: Die Serviceerlöse in diesem Segment stiegen im Halbjahr um 7,1 Prozent. Labriola betonte, der Konzern setze künftig stärker auf Wert statt auf reines Volumenwachstum – eine Strategie, die angesichts wachsender Konkurrenz durch Energieversorger im Telekommarkt an Bedeutung gewinnt. Zusätzlichen Rückenwind gab eine Rückerstattung von rund einer Milliarde Euro aus einer alten Konzessionsgebühr aus dem Jahr 1998.

Poste-Offerte als industrielle Absicherung

Die geplante Übernahme durch Poste Italiane bezeichnete Labriola als „neues Kapitel“, das nicht die Richtung, aber das Tempo der Transformation verändere. Der Vorstand signalisierte am Donnerstag, das Angebot von 10,8 Milliarden Euro grundsätzlich mitzutragen, ohne Nachverhandlungen zu einem höheren Preis anzustreben. Parallel dazu wurde bekannt, dass ein Führungsmitglied des Konzerns am 29. Juli während der laufenden Übernahmeofferte 2.000 eigene Aktien zu 7,42 Euro über Euronext Mailand veräußerte – ein Detail, das die Marktbeobachtung in dieser sensiblen Phase zusätzlich schärft. Ein Analysehaus stufte die Aktie zuletzt mit einer Halten-Empfehlung und einem Kursziel von 8,00 Euro ein.

An der Börse zeigte sich das Papier zuletzt vergleichsweise ruhig: Am Donnerstag schloss die Aktie bei 7,33 Euro, ein Minus von 0,39 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Rückgang von 10 Prozent zu Buche, was die Marktkapitalisierung auf 15,61 Milliarden Euro drückte. Die Diskrepanz zwischen operativer Stabilisierung und schwächerem Kursverlauf dürfte auch mit der Unsicherheit über den endgültigen Ausgang des Übernahmeprozesses zusammenhängen.

Streit mit FiberCop belastet das Festnetz

Getrübt wird das Bild durch eine Auseinandersetzung mit dem Netzbetreiber FiberCop. Telecom Italia prüft nach eigenen Angaben ein Schiedsverfahren, weil die Qualität der bereitgestellten Leitungen nach Einschätzung des Konzerns unter den vertraglich vereinbarten Standards liegt. Labriola sprach von einer Verschlechterung, die sowohl von Aufsichtsbehörden als auch von anderen Betreibern bestätigt worden sei, betonte jedoch, das Problem betreffe vor allem klassische Kupfer- und FTTC-Leitungen und weniger die Glasfaseranschlüsse FTTH. FiberCop wiederum verteidigt sich mit dem Hinweis, die eigenen Indikatoren lägen im Rahmen der Vorgaben oder sogar darüber. Konkret verschlechterte sich der Saldo der Festnetzanschlüsse im zweiten Quartal auf minus 76.000 Kunden, nach minus 53.000 im Vorjahresquartal. Es wäre bereits der zweite Rechtsstreit nach einer früheren Auseinandersetzung um die Preisgestaltung im Vorleistungsgeschäft.

Operativ setzt der Konzern zugleich auf neue Endkundenangebote: Ab dem 5. August startet mit „xTE TIM Cross Music Silver“ ein Tarif für 9,99 Euro monatlich, der unbegrenzte Minuten, 200 SMS, 200 Gigabyte 5G-Datenvolumen und Apple Music bündelt – ein Vorstoß, um Festnetzkunden stärker an den Konzern zu binden. Die Jahresprognose für 2026 mit einem Umsatzwachstum von 2 bis 3 Prozent und einem EBITDA-Anstieg von 5 bis 6 Prozent bestätigte das Management unverändert.

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