Telecom Italia Aktie: Squeeze-out gescheitert?
Poste Italiane hält 85,823 Prozent an Telecom Italia; ein direkter Ausschluss der Minderheitsaktionäre ist damit nicht möglich.

- Verwaltungsrat beschließt zentrale Koordinierung
- Telecom Italia bleibt rechtlich eigenständig
- Beteiligung erreicht rund 85,823 Prozent
- Squeeze-out-Schwelle von 90 Prozent verfehlt
Nach dem Abschluss des Übernahme- und Umtauschangebots stellt der italienische Post- und Finanzkonzern Poste Italiane die Weichen für die künftige Zusammenarbeit mit Telecom Italia.
Der Verwaltungsrat von Poste Italiane beschloss am heutigen Mittwoch die offizielle Aufnahme von Leitungs- und Koordinierungsaktivitäten über den Telekommunikationsanbieter. Gleichzeitig verabschiedete das Gremium ein Regelwerk, das die Informationsflüsse, die strategische Steuerung und die gemeinsame operative Ausrichtung zwischen beiden Unternehmen festlegt.
Autonomie für Minderheiten und operative Synergien
Im Fokus der vereinbarten Führungsstruktur steht die Nutzung gemeinsamer Potenziale. Poste Italiane und Telecom Italia streben an, Infrastrukturen, technologische Ressourcen sowie Kompetenzen enger zu verzahnen.
Trotz des direkten Einflusses der neuen Muttergesellschaft behalten Telecom Italia und deren Tochtergesellschaften ihre rechtliche Eigenständigkeit. Dies dient unter anderem dem Schutz der verbliebenen Minderheitsaktionäre. Bedeutende unternehmerische Transaktionen sollen vorab geprüft und koordiniert werden, um die Transparenz zu gewährleisten.
An der Börse notiert die Aktie von Telecom Italia heute bei 6,88 Euro, was einem leichten Zuwachs von 0,4 Prozent entspricht. Damit beläuft sich die Marktkapitalisierung des italienischen Telekommunikationskonzerns auf 15,45 Milliarden Euro.
Endgültige Beteiligungsquote verfehlt Squeeze-out-Hürde
Die heute vorgelegten endgültigen Ergebnisse der wiedereröffneten Offerte beziffern die Machtverhältnisse exakt: Poste Italiane hält nach Abschluss des Verfahrens insgesamt 1.832.941.911 Aktien an Telecom Italia, was rund 85,823 Prozent des Grundkapitals entspricht.
In der zweiten Angebotsphase wurden 409.981.599 Anteilsscheine oder 19,196 Prozent des Kapitals angedient. Zuvor belief sich die Beteiligung inklusive der ursprünglichen Zeichnungsfrist und vorheriger Bestände bereits auf gut zwei Drittel der Anteile.
Da die Schwelle von 90 Prozent des Grundkapitals verfehlt wurde, liegen die rechtlichen Voraussetzungen für einen direkten Zwangsausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre oder ein gemeinsames Squeeze-out-Verfahren nicht vor. Rund 14,2 Prozent des Kapitals verbleiben damit im Streubesitz. Um eine vollständige Integration dennoch umzusetzen, gilt eine spätere gesellschaftsrechtliche Verschmelzung als Option.
Die finanzielle Abwicklung der angedienten Papiere erfolgt zeitnah. Je eingereichter Aktie erhalten die Anleger 0,218 neue Poste-Stammaktien sowie eine Barzahlung von 1,97 Euro. Die Auszahlung des Baranteils ist für den 2. Oktober 2026 terminiert, während eventuelle Spitzenbeträge bis zum 16. Oktober 2026 ausgeglichen werden sollen. Poste Italiane gibt zur Bedienung der Transaktion bis zu 89.375.988 neue eigene Aktien aus.
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