Tesla: Eine Zukunft nur ohne Musk?

Keine Frage: In den vergangenen Jahren war Elon Musk die treibende Kraft hinter dem Aufbau des Elektroauto-Pioniers Tesla. Doch die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass seine Rolle im Unternehmen zunehmend zur Belastung wird.

Wie will man die Lebens-Formel des Unternehmers und Investors Elon Musk auf einen Satz bringen? Ein Versuch: Nur der Wandel ist konstant. Wenn man sich das bisherige berufliche (und auch private) Leben des gebürtigen Südafrikaners anschaut, ist dies von einer ungeheuren Unstetigkeit geprägt. Das mag zu früheren Zeiten als charmant und visionär gegolten haben. Doch zuletzt wurde deutlich, dass die Sprunghaftigkeit seines Handelns für sein wohl wichtigstes Projekt, den Elektroauto-Hersteller Tesla, zunehmend zum Problem wird.

Wie Musk zu Tesla kam

Es steht auch für uns außer Frage, dass es ohne Musk sehr wahrscheinlich Tesla in der heutigen Form nicht gegeben hätte. Er war es, der das Potenzial von Elektromobilität sehr zeitig erkannte und auch über die nötigen finanziellen Ressourcen verfügte, um hier den Startschuss zu geben. Was viele vergessen dabei: Musk hat nicht Tesla und seine Produkte erfunden.

Das Unternehmen selbst war bereits im Juli 2003 von Martin Eberhard und Marc Tarpenning gegründet worden. Erst im Frühjahr 2004 kamen Risikokapitalgeber, unter ihnen auch Musk, an Bord. Die beiden Gründer wurden dann 2007/2008 mehr oder weniger aus dem Unternehmen gedrängt. Das war der Beginn der Musk-Show, der in den Folgejahren das prägende Gesicht von Tesla wurde.

Musk als Liebling der Öffentlichkeit

Und Medien und Kapitalmarkt haben ihn lange Zeit geliebt – und damit auch Tesla. Denn er bot nicht nur ein reinrassiges Wachstums-Versprechen, sondern sorgte auch mit vielen anderen Projekten für einen stetigen Nachrichtenfluss. Ob das Raumfahrtunternehmen SpaceX, der Solarspezialist SolarCity oder The Boring Company, die unter anderem ein Hochgeschwindigkeits-Tunnelsystem in Los Angeles bauen soll – der durch seine Paypal-Beteiligung reich gewordenen Musk präsentierte sich immer wieder als Hans Dampf in allen Gassen.

Am Ende der Kräfte

Doch ausgerechnet Tesla könnte nun sein sprichwörtliches Waterloo werden. An dieser Stelle ist es müßig, nochmals ins Detail zu gehen, wie Anspruch und Wirklichkeit derzeit beim Autobauer auseinanderklaffen. Die stetigen Versprechungen und deren Nichteinhaltung haben inzwischen auch bei Musk tiefe Spuren hinterlassen. In den vergangenen Monaten sorgte er mit einer überraschenden Dünnhäutigkeit gegenüber Analysten und Medien immer wieder für Stirnrunzeln. Das neueste Interview, in dem er zeitweise unter Tränen über seine hohe Arbeitsbelastung von 120 Stunden die Woche berichtete, zeigte vor allem eins: Hier ist ein Mensch, der an den Rand seiner Leistungsfähigkeit gekommen ist.

Hat Musk falsch gespielt?

Hinzu kam die Delisting-Affäre. Quasi aus dem Nichts twitterte Musk am 7. August, das er ein Delisting von Tesla überlege. Aktionären sollten dafür 420 Dollar je Aktie geboten werden. Eine Finanzierung würde bereits gesichert sein. Das sorgte für heftigen Aufruhr und zog inzwischen auch eine Untersuchung der amerikanischen Börsenaufsicht nach sich. Denn eine Twitter Meldung auf dem privaten Account von Musk dürfte in diesem Fall kaum einer Pflichtmitteilung das Unternehmens entsprechen, wie es in solchen Fällen verlangt wird.

Wobei die Affäre noch weitergeht. Denn vor wenigen Tagen teilte Musk dann mit, dass es doch kein Delisting geben würde. Begründet wurde dies mit dem doch größeren Aufwand, der dann betrieben werden müsste. Aber natürlich begründet dies auch die vorhergehenden Spekulationen, dass die Finanzierung alles andere als gesichert gewesen wäre. Das könnte noch schlimme Folgen für Musk haben.

Tesla – bzw. die anderen Investoren – müssen handeln

Unter dem Strich wird deutlich: Die permanente Überlastung von Musk gefährdet zunehmend das Unternehmen und sein Standing. Zumal es jetzt nicht mehr um Visionen geht, sondern schlicht um eine schnelle und vor allem stabile Integration geeigneter Produktionsabläufe, die das geplante Massenprodukt Tesla Modell 3 endlich auch dazu machen. Nur so dürfte auch die Tesla-Aktie wieder zur Ruhe kommen und vor allem eine positive Perspektive zurückgewinnen.

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