Tesla zu 480 Dollar? Warum die Fusion mit SpaceX vor allem Schulden stapelt

Tesla und SpaceX stehen vor Quartalszahlen; eine mögliche Fusion würde den Kapitalbedarf bündeln, während SpaceX über Milliardenfinanzierung verhandelt.

Die Kernpunkte:
  • Tesla-Fusion bleibt eine Spekulation
  • SpaceX verhandelt über 40 Milliarden Dollar
  • Cleveland-Cliffs erzielt wieder Quartalsgewinn
  • Goldman stuft CoreWeave auf Buy hoch

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die größte Fusionsspekulation des Jahres bekommt diese Woche ihre Zahlen. SpaceX legt in der Nacht zum Mittwoch (MEZ) den zweiten Quartalsbericht seit dem Börsengang im Juni vor. Nach dem Nettoverlust im zweiten Quartal erwartet der Markt diesmal einen Gewinn, Tesla folgt einen Tag später.

Beide Aktien legen am Montag deutlich zu, während Europas Börsen unter den Straßenprotesten in Frankreich und Italien leiden. Dazu liefert die zweite Reihe der US-Berichtssaison mit Cleveland-Cliffs den Kurssprung des Tages, und bei CoreWeave wagt Goldman Sachs nach dem Absturz den Einstieg.

SpaceX und Tesla: Eine Fusion erzeugt keinen Cashflow, nur eine größere Bilanz

Barclays hält eine Übernahme von Tesla durch SpaceX in Aktien vor der Tesla-Hauptversammlung am 3. Dezember für möglich. In Gerüchten kursiert ein Preis von rund 420 Dollar je Tesla-Aktie, belgische Analysten sehen die Aktionäre sogar erst bei 480 Dollar zustimmungsbereit. Bei einem reinen Aktientausch hielte Elon Musk geschätzt 37 Prozent des Kapitals und 56 Prozent der Stimmrechte.

Tesla notiert aktuell bei 328,20 Euro (rund 368 Dollar) und liegt damit im Verlauf 4,0 Prozent im Plus, auf Jahressicht aber weiter 16 Prozent im Minus. Rückenwind liefert auch die Einladung zur Hauptversammlung: Musk, Robyn Denholm und JB Straubel stehen zur Wiederwahl, Musks Vergütungspaket aus 2025 wird mit rund 158,4 Milliarden Dollar bewertet.

Die Zahlen dahinter sind deutlich weniger glamourös. Für Tesla erwartet der Markt im dritten Quartal einen bereinigten Gewinn je Aktie von rund 0,43 Dollar nach 0,50 Dollar im Vorjahr. Der freie Cashflow soll laut Konsens tief negativ ausfallen, die Schätzungen liegen um minus 4,9 Milliarden Dollar, und die operative Marge lag im zweiten Quartal bei mageren 1,4 Prozent.

SpaceX wiederum soll den Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 65 Prozent auf knapp 12,9 Milliarden Dollar steigern. Zugleich soll SpaceX erstmals seit dem Börsengang einen Quartalsgewinn ausweisen, nachdem im zweiten Quartal noch ein berichteter Nettoverlust von 541 Millionen Dollar stand.

Parallel verhandelt SpaceX laut Reuters eine Finanzierung über 40 Milliarden Dollar für Nvidia-Chips, davon 30 Milliarden über Anleihen. Die Fusionsfantasie ist deshalb vor allem eine Finanzierungsgeschichte: Zwei Unternehmen mit hohem Kapitalbedarf schaffen gemeinsam kein Geld, sondern eine größere Bilanz, auf die sich mehr Schulden stapeln lassen.

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Für Anleger zählt ein Termin mehr als jedes Gerücht. Zwei Tage nach den SpaceX-Zahlen endet die Haltefrist für rund 1,3 Milliarden Aktien, weitere 329 Millionen folgen am Samstag.

SpaceX notiert aktuell bei 134,06 Euro (rund 150 Dollar), gut über dem Ausgabepreis von 135 Dollar, aber weit unter dem Hoch von 194,46 Euro aus dem Juni. Dieses zusätzliche Angebot trifft auf eine Fusionsdebatte, in der bereits von 480 Dollar je Tesla-Aktie die Rede ist.

Cleveland-Cliffs: Erster Gewinn seit zwei Jahren, 4 Milliarden als Ziel für 2027

Der US-Stahlkonzern Cleveland-Cliffs hat im dritten Quartal erstmals seit zwei Jahren wieder Gewinn gemacht. Bereinigt lag das Ergebnis je Aktie bei 0,28 Dollar, der Konsens hatte je nach Zählung zwischen 0,19 und 0,24 Dollar gelegen. Das bereinigte Betriebsergebnis (EBITDA) stieg auf 612 Millionen Dollar und hat sich damit gegenüber dem zweiten Quartal mehr als verdoppelt.

Der Umsatz von 5,61 Milliarden Dollar blieb leicht unter den Erwartungen, doch entscheidend ist der Preis: Der US-Warmbandpreis ist binnen eines Jahres um 52 Prozent auf 1.255 Dollar je Tonne gestiegen, der höchste Stand seit 2022.

Die Cleveland-Cliffs-Aktie springt im Verlauf um 17 Prozent auf 12,59 Euro (rund 14,12 Dollar) und steht damit knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 12,88 Euro aus dem Januar. Der eigentliche Treiber ist der Ausblick: Für das vierte Quartal erwartet das Management rund 715 Millionen Dollar bereinigtes EBITDA, für 2027 mehr als 4 Milliarden Dollar.

Bei einer Marktkapitalisierung von gut 6 Milliarden Euro ist das die Ankerzahl, an der sich die Aktie messen lassen muss. Der Haken: Die kanadische Tochter Stelco legt Verzinkungslinien wegen Überangebot still, und der gesamte Plan hängt an einem Stahlpreis, der politisch geschützt ist. Wer hier einsteigt, kauft eine Wette auf den US-Preis, nicht auf das Volumen.

CoreWeave: Goldman kauft die Qualität, nicht die Branche

Goldman Sachs hebt CoreWeave von Neutral auf Buy, senkt aber das Kursziel von 139 auf 106 Dollar. Analystin Gabriela Borges argumentiert, der Markt überschätze die Finanzierungskosten und unterschätze die Preismacht bei Rechenleistung. Sie rechnet mit 100 bis 200 Basispunkten höheren Mischzinsen, hält die Eigenkapitalrendite aber für attraktiv.

Die CoreWeave-Aktie notiert aktuell bei 56,37 Euro (rund 63 Dollar), im Verlauf 3,2 Prozent im Plus, nach einem Verlust von rund 25 Prozent in der Vorwoche. Hinzu kommt eine Partnerschaft mit AdaniConneX für ein Rechenzentrum in Navi Mumbai: Start mit 240 Megawatt, Ausbau auf 480 Megawatt bis Mitte 2028.

Der Anleihemarkt entspannt sich, bleibt aber alarmiert. Die Rendite der 2031 fälligen CoreWeave-Anleihe fällt um 19,5 Basispunkte auf 15,13 Prozent, nach über 16 Prozent in der Vorwoche. Der Finanzchef erwartet für das dritte Quartal einen Zinsaufwand von 860 bis 940 Millionen Dollar.

Auf der Prognoseplattform Polymarket wird eine Insolvenz bis Ende 2029 mit 29 Prozent gehandelt. Nvidia-Chef Jensen Huang, dessen Konzern rund 10 Prozent an CoreWeave hält, sieht keinen Bedarf für finanzielle Stützen.

Goldmans eigentliche These lautet: Nicht alle Neoclouds sind gleich. Die Belege für eine Konsolidierung häufen sich. Microsoft legt ein Projekt mit Nscale auf Eis, Anthropic erwägt die Kündigung eines Vertrags über 45 Milliarden Dollar mit demselben Anbieter.

Gartner erwartet, dass 80 Prozent der Neoclouds bis 2030 ihre Eigenständigkeit verlieren, Bernstein hält nur rund 35 Prozent der geplanten US-Rechenzentren für rentabel.

Für Anleger heißt das: CoreWeave mit Nvidia-Abnahmegarantie bis 2032 ist ein Kandidat für die Überlebendenliste. Nebius und IREN erholen sich am Montag ebenfalls. Doch eine Anleiherendite von 15 Prozent bleibt die Decke, unter der jede Aktienstory stattfindet.

Rheinmetall: Eine Werft für 138 Millionen, ein Dekret für minus 3 Prozent

Rheinmetall und die Reederei MSC erhalten den Zuschlag für die rumänische Mangalia-Werft bei Constanta, der gemeinsame Kaufpreis liegt bei rund 138 Millionen Euro. Dort sollen vier Marineschiffe entstehen, zwei Patrouillenboote von 96 Metern und zwei Taucherunterstützungsschiffe.

Die Börse honoriert das nicht: Die Rheinmetall-Aktie notiert aktuell bei 1.055,60 Euro, im Verlauf 3,2 Prozent im Minus und größter Verlierer im DAX. Auslöser ist ein US-Dekret, das Sanktionen gegen Russland aussetzt und die Friedensdividende wieder ins Spiel bringt.

Operativ bleibt das Bild gespalten. Der Auftragsbestand von Rheinmetall liegt bei rund 80 Milliarden Euro, 44 Prozent mehr als vor einem Jahr und zu 70 Prozent fest. Gleichzeitig war der operative freie Cashflow im ersten Halbjahr mit 1,6 Milliarden Euro negativ, weil der Konzern Lager um 6,2 Milliarden Euro aufbaute.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie 32 Prozent verloren, binnen zwölf Monaten 41 Prozent. Der Kurs sitzt jetzt auf der 50-Tage-Linie knapp unter 1.050 Euro. Charttechnisch gilt: Hält die Spanne zwischen 900 und 1.234 Euro, bleibt die Erholung intakt, bricht die 900, droht bis Jahresende das Schließen der Kurslücke bei 832 Euro. Wer den Auftragsbestand kauft, muss die Lagerfinanzierung mitkaufen.

Fed und Bitcoin: Wenn der Oktober nicht trägt, fehlt Liquidität

Die Fed entscheidet am 27. und 28. Oktober, nach der Anhebung im September auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Der Markt preist eine Pause mit 83 Prozent, für Dezember aber eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte mit 89 Prozent.

Fed-Chef Kevin Warsh nennt die KI-Investitionen einen Nachfrage- und Preisschock, die Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent, die Erzeugerpreise um 6,3 Prozent. Die zehnjährige US-Rendite hält sich um 5,1 Prozent, der US-Wohnungsbauindex NAHB fällt auf 29 und damit auf ein Zwölfjahrestief.

Bitcoin notiert um 82.000 Dollar und verfehlt die saisonale Oktober-Stärke, auf Jahressicht steht ein Minus von 6,5 Prozent. Aus Bitcoin- und Ether-ETFs flossen im Oktober bislang 1,86 Milliarden Dollar ab.

Mike McGlone von Bloomberg Intelligence liest den Momentumverlust als Warnsignal für Aktien und Industriemetalle, mit Parallelen zu 2018 und 2022. Für Anleger ist Bitcoin damit das Thermometer: Steigt es bei 5 Prozent Zinsen und 3,7 Prozent Inflation nicht, fehlt die Liquidität, auf die auch die KI-Finanzierungen angewiesen sind.

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Der globale Kompass

Diese Woche entscheidet, ob Kapital für den KI-Ausbau auch bei steigenden Zinsen verfügbar bleibt. SpaceX und Netflix berichten in der Nacht zum Mittwoch, Tesla und Meta in der Nacht zum Donnerstag, dazu General Motors, IBM, Lam Research und Procter & Gamble. FactSet erwartet für den S&P 500 ein Gewinnwachstum von 29,6 Prozent, das dritte Quartal in Folge über 25 Prozent.

Cleveland-Cliffs zeigt, dass die zweite Reihe liefern kann, CoreWeave zeigt, was der Anleihemarkt dafür verlangt. Wer in dieser Woche die Haltefrist bei SpaceX, die Dezember-Erwartung der Fed und die 900-Euro-Marke bei Rheinmetall im Blick behält, kennt die drei Stellen, an denen Kurse kippen können.

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