The Platform Group Aktie: 37,5-Prozent-Absturz

Juristische Auseinandersetzungen um Kredite und Betrugsvorwürfe belasten den Aktienkurs der Platform Group massiv.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert 37,5 Prozent in einer Woche
  • Staatsanwaltschaft prüft Strafanzeige
  • Banken kündigen Darlehen in Millionenhöhe
  • Übernahme von AEP unter Zeitdruck

The Platform Group erlebt an der Börse einen massiven Ausverkauf. Allein in den vergangenen sieben Tagen stürzte das Papier um 37,5 Prozent auf 1,52 Euro ab. Wenn sich die Aktionäre Anfang Juli in Düsseldorf versammeln, plant Vorstandschef Dominik Benner eigentlich die Präsentation seiner Zukunftsstrategie. Stattdessen droht eine reine Krisensitzung.

Vorwürfe und gekündigte Kredite

Hinter dem Kursverfall stehen massive juristische Probleme. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz prüft eine Strafanzeige wegen möglicher Urkundenfälschung und Betrug. Mehrere Geschäftsführer von Tochtergesellschaften bestreiten, Mithaftungserklärungen für Bankkredite unterschrieben zu haben. Parallel dazu liegt der Finanzaufsicht BaFin ein Hinweis zu den fraglichen Dokumenten vor.

Die Folgen sind bereits spürbar. Mehrere Kreditinstitute haben Darlehen außerordentlich gekündigt. Allein die LBBW und die Sparkasse Essen fordern zusammen knapp zwölf Millionen Euro zurück. Insgesamt geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag. Ein Vollstreckungsversuch wegen angeblicher Steuerschulden erhöht den Druck auf das Management zusätzlich.

Das Unternehmen geht nun juristisch in die Offensive. Eine mandatierte Anwaltskanzlei bestreitet die Vorwürfe aus einem aktuellen Medienbericht vehement. Die Anwälte wollen die Verbreitung per Eilverfahren stoppen. Im gleichen Schritt bereitet die Konzernspitze eine Hauptsacheklage vor. Diese soll auch mögliche Schadensersatzansprüche umfassen.

Starkes Wachstum, schwacher Kurs

Operativ liefert das Unternehmen ein völlig anderes Bild. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um gut 51 Prozent auf 243,1 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis kletterte auf 21,8 Millionen Euro. Ein Großteil dieses Wachstums stammt aus dem eigenen Geschäft.

An der Börse verpuffen diese Erfolge völlig. Die Aktie notiert knapp 73 Prozent unter ihrem Jahreshoch. Mit einem RSI-Wert von 23,4 gilt das Papier technisch als stark überverkauft.

Die Folge: extreme Nervosität. Eine annualisierte Volatilität von über 137 Prozent unterstreicht die aktuelle Panik der Investoren am Markt.

Zeitdruck beim AEP-Deal

Während der juristische Streit eskaliert, läuft beim wichtigsten Projekt des Jahres die Zeit ab. Das Management will noch im Juni die Übernahme des Pharmagroßhändlers AEP abschließen. Der Zukauf bringt einen erwarteten Jahresumsatz von rund 1,1 Milliarden Euro. Die Kartellbehörden haben dem Deal bereits zugestimmt.

Aktuell prüft der Vorstand die Finanzierung aus Eigen- und Fremdkapital. Gelingt der Abschluss, steigt das Handelsvolumen pro forma auf rund drei Milliarden Euro. Ohne den Deal verliert die Wachstumsstory ihren wichtigsten Kern.

Bis Ende Juni muss das Management die AEP-Finanzierung verbindlich sichern. Wenige Tage später, am 1. Juli, folgt die Hauptversammlung. Dort erwarten die Aktionäre mehr als nur strategische Visionen. Der Vorstand muss den Kreditstreit aufklären und belastbare Fakten gegen die Betrugsvorwürfe vorlegen. Ohne diese Klärung rücken die starken operativen Zahlen endgültig in den Hintergrund.

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