The Platform Group Aktie: 6,75 Millionen gekündigt

Kreditkündigungen und offene Übernahmefinanzierung belasten The Platform Group. Die Hauptversammlung entscheidet über Kapitalmaßnahmen und die Zukunft des Unternehmens.

Die Kernpunkte:
  • LBBW und Sparkasse fordern Millionenkredite zurück
  • AEP-Übernahme droht an Finanzierung zu scheitern
  • Operatives Wachstum kann Börsenkurs nicht stützen
  • Hauptversammlung stimmt über Kapitalerhöhung ab

Fast 77 Prozent unter dem Jahreshoch — und die Probleme häufen sich. Bei The Platform Group treffen ein operativ wachsendes Geschäft und ein strukturell angeschlagenes Finanzierungsgerüst aufeinander. Die Hauptversammlung in Düsseldorf wird zeigen, ob das Management die Kontrolle behält.

Kreditkündigungen, Pressestreit, offene Übernahme

Die LBBW hat ein Darlehen außerordentlich gekündigt und fordert rund 6,75 Millionen Euro zurück. Die Sparkasse Essen macht eine Forderung von etwa 5,1 Millionen Euro geltend. Parallel läuft ein Rechtsstreit mit dem manager magazin: Das Oberlandesgericht Köln hatte dem Magazin per einstweiliger Verfügung bestimmte Berichterstattung untersagt. Das Magazin erkannte die Entscheidung an — und publizierte im Juni trotzdem erneut. Ein finales Urteil steht aus.

Hinzu kommt das AEP-Closing. Im Januar 2026 kündigte The Platform Group den Kauf des Pharmagroßhändlers AEP an. Das Bundeskartellamt genehmigte die Transaktion bereits im März. Seitdem stockt die Finanzierung. Ende Juni läuft die selbst gesetzte Frist ab. Mit AEP würde der Umsatz auf zwei Milliarden Euro steigen, das bereinigte EBITDA auf 90 bis 100 Millionen Euro.

Operatives Wachstum, das niemanden beruhigt

Das erste Quartal 2026 war stark: Der Umsatz stieg um 51 Prozent auf 243 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA legte um 37 Prozent auf 21,8 Millionen Euro zu. Die Kundenzahl wuchs um 40 Prozent auf 8,1 Millionen.

An der Börse zählt das wenig. Der RSI liegt bei 23,5 — tief im überverkauften Bereich. Der Kurs notiert rund 53 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Marktbeobachter werten das beschlossene Anleiherückkaufprogramm als Versuch, Fremdkapitalgeber zu beruhigen. Bei Aktionären verfing das Signal nicht.

Hauptversammlung als nächste Hürde

Auf der Tagesordnung stehen die Schaffung neuen genehmigten und bedingten Kapitals sowie eine Ermächtigung für Wandel- und Optionsanleihen. Stimmen die Aktionäre zu, hätte das Management Spielraum für weitere Übernahmen. Anmeldefrist ist der 24. Juni.

CEO Dominik Benner will außerdem die „Vision 2030″ vorstellen: GMV von mindestens 4,5 Milliarden Euro, Umsatz von mindestens 3 Milliarden Euro. Das Akquisitionstempo hat er bereits gedrosselt — von elf Zukäufen pro Jahr auf fünf bis sechs. Der Fokus liegt jetzt auf Integration und Schuldenabbau. Das Verhältnis von Nettofinanzverbindlichkeiten zu bereinigtem EBITDA soll von aktuell 2,1x auf 1,0x bis 1,4x sinken.

Am 25. Juni nimmt The Platform Group an einer Kapitalmarktkonferenz in Paris teil. Kurz danach folgt die Hauptversammlung — mit offenen Kreditstreitigkeiten, ungeklärter AEP-Finanzierung und Kapitalmaßnahmen, über die Aktionäre abstimmen müssen. Bis zum AEP-Closing bleibt auch die Jahresprognose eingefroren: rund eine Milliarde Euro Umsatz, bereinigtes EBITDA zwischen 70 und 80 Millionen Euro.

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