The Trade Desk Aktie: Wall Street tief gespalten
The Trade Desk verfehlt eigene Umsatzprognosen deutlich, was zu stark divergierenden Analystenurteilen und einem umfassenden Führungsumbau führt.

- Umsatz verfehlt eigene Prognose deutlich
- Führungswechsel soll Trendwende einleiten
- Kursziele zwischen 11 und 33 Dollar
- Kundenbindung bleibt über 95 Prozent
Selten lagen Analystenmeinungen zu einer Aktie so weit auseinander wie bei The Trade Desk in diesen Stunden. Guggenheim kappte das Kursziel von 25 auf 12 Dollar und stufte die Aktie auf „Neutral“ zurück — praktisch zeitgleich hält RBC Capital an einem Kursziel von 33 Dollar fest. Ausgangspunkt der Verwerfung sind die Zahlen zum zweiten Quartal 2026, die am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss veröffentlicht wurden.
Umsatz verfehlt eigene Prognose deutlich
Der Umsatz stieg im Jahresvergleich lediglich um 3 Prozent auf 715,1 Millionen Dollar und blieb damit unter der eigenen Vorgabe von mehr als 750 Millionen Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 0,34 Dollar verfehlte die Konsensschätzung von 0,40 Dollar, das bereinigte EBITDA von 241,3 Millionen Dollar lag ebenfalls unter den erwarteten 262 Millionen Dollar.
Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von mindestens 650 Millionen Dollar sowie ein bereinigtes EBITDA von rund 160 Millionen Dollar in Aussicht — nach Guggenheim-Schätzungen deutlich unter den zuvor kalkulierten 814 Millionen Dollar Umsatz und 363 Millionen Dollar EBITDA. Die Margenguidance komprimierte sich auf etwa 25 Prozent, nachdem im ersten Quartal noch ein Ziel von mindestens 40 Prozent für 2026 ausgegeben worden war.
Führungsumbau soll Trendwende bringen
Parallel zu den Zahlen vollzog The Trade Desk einen weitreichenden personellen Umbau. Nate Olmstead übernimmt als neuer Finanzvorstand, Sarah Gavin verantwortet künftig das Marketing, hinzu kommen Kristi Argyilan als Chief Commercial Officer sowie Ron Lamprecht und Vinny Rinaldi in neuen Führungsrollen. Der Vorstand erhält mit Penry Price und David Haddad zudem zwei neue Mitglieder — nachdem zuvor mehrere Führungskräfte das Unternehmen in kurzer Folge verlassen hatten.
CEO Jeff Green räumte ein, das Quartal habe nicht den eigenen Ansprüchen entsprochen, verwies aber auf ein klares Verständnis der Ursachen und eine Neuausrichtung der Plattform. Ein öffentlicher Abrechnungsstreit mit der Werbeholding Publicis wurde erst vor wenigen Wochen per Vergleich beigelegt. Die Kundenbindungsrate lag im zweiten Quartal weiterhin über 95 Prozent, während der Wettbewerbsdruck durch Retail-Media-Netzwerke wie Walmart Connect als strukturelle Belastung gilt.
Kursziele zwischen 11 und 33 Dollar
Rothschild & Co bewertet die Aktie mit „Sell“ und einem Kursziel von nur 11 Dollar, begründet mit wachsendem Wettbewerbsdruck und der hohen Umsatzkonzentration auf den US-Markt. Guggenheim betont dagegen die Bilanzstärke: 1,5 Milliarden Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Investments stehen einer schuldenfreien Bilanz gegenüber. Das Analystenbild bleibt damit gespalten — zwischen Kurszielen von 11 und 33 Dollar liegen fundamental unterschiedliche Einschätzungen darüber, ob sich die operative Basis stabilisieren lässt.
Ob der Führungsumbau tatsächlich greift, dürfte sich frühestens im Bericht zum dritten Quartal 2026 zeigen. Bis dahin dürften weitere Analystenreaktionen den Kurszielkonsens neu justieren.
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