Thyssenkrupp Aktie: 11.000 Jobs auf der Kippe
Thyssenkrupp treibt die Verselbstständigung der Werkstoffsparte voran, während Tausende gegen den Jobabbau protestieren. Die Aktie profitiert von EU-Schutzplänen.

- Großkundgebung gegen Stellenabbau
- Werkstoffsparte wird zu tk accelis
- EU plant Kürzung von Stahlimportquoten
- Aktienkurs steigt um 17 Prozent
Tausende Stahlarbeiter auf der Straße, eine Aufsichtsratsentscheidung kurz vor der Tür und ein Aktienkurs, der trotzdem klettert. Bei Thyssenkrupp laufen gerade mehrere Drähte heiß.
Gewerkschaft kämpft um 11.000 Jobs
Am vergangenen Wochenende versammelten sich rund 1.700 Beschäftigte aus über 40 Betrieben zu einer Großkundgebung in Berlin. Der Protestzug führte vom Brandenburger Tor zum Bundeswirtschaftsministerium. Im Kern: der drohende Abbau von bis zu 11.000 Arbeitsplätzen bei Thyssenkrupp Steel Europe.
Die IG Metall fordert einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis. Hintergrund ist die schwierige Lage der deutschen Stahlindustrie. Die Produktion sank 2025 auf 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl — der niedrigste Stand seit 2009. Arbeitnehmervertreter warnen außerdem, dass Änderungen beim europäischen Emissionshandel den geplanten Umbau zu grünem Stahl ausbremsen könnten.
Werkstoffsparte soll eigenständig werden
Parallel läuft die interne Umgestaltung. Die Werkstoffsparte heißt jetzt „tk accelis“ und beschäftigt rund 15.500 Menschen. Der Jahresumsatz liegt bei etwa 11,4 Milliarden Euro.
Mitte Juni will der Aufsichtsrat über die weitere Verselbstständigung dieser Einheit entscheiden. Das Rebranding wertet der Markt als Signal für eine mögliche Abspaltung oder einen Teilbörsengang. Das Ziel: Thyssenkrupp als Finanzholding, in der die einzelnen Sparten eigenständig operieren. Den vollständigen Ausstieg aus der italienischen Beteiligung Arvedi hat der Konzern bereits vollzogen.
EU-Schutzmaßnahmen treiben den Kurs
Trotz der Spannungen hat die Aktie zuletzt deutlich zugelegt. Der wesentliche Treiber: Die EU plant, zollfreie Importquoten für Stahl ab Juli massiv zu kürzen. Das stärkt heimische Produzenten gegenüber Billigimporten aus Asien. Kein Wunder, dass Anleger die Stahlproduktion zunehmend als kritische Infrastruktur bewerten.
Die Aktie schloss am Freitag bei 11,36 Euro — ein Plus von rund 17 Prozent seit Jahresbeginn. Der Kurs liegt damit gut 13 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,05 Euro. Bis zum 52-Wochen-Hoch bei 13,24 Euro fehlen noch rund 14 Prozent. Der RSI von 56,4 signalisiert keinen überkauften Markt. Die annualisierte Volatilität von 52 Prozent zeigt allerdings, wie sensibel der Titel auf die anstehenden Aufsichtsratsentscheide reagieren dürfte.
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