Thyssenkrupp Aktie: 20-Milliarden-Auftrag für zwölf U-Boote

Thyssenkrupp erhöht EBIT-Ziel auf 600 Millionen Euro. Stahl- und Marinesparte liefern starke Ergebnisse, während Restrukturierungskosten den Nettoverlust vergrößern.

Die Kernpunkte:
  • EBIT-Prognose auf 600 Millionen Euro angehoben
  • Stahlsparte verdreifacht operativen Gewinn
  • Nettoverlust weitet sich auf 311 Millionen Euro aus
  • Marinesparte kündigt Prognoseerhöhung an

Thyssenkrupp hat am Donnerstag die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 angehoben. Die Untergrenze beim bereinigten EBIT steigt von 500 Millionen auf 600 Millionen Euro. Grundlage ist eine deutlich bessere Entwicklung im dritten Quartal, wie der Konzern mitteilte.

Im Neunmonatszeitraum kletterte das bereinigte EBIT um 62 Prozent auf 591 Millionen Euro. Besonders auffällig: Die Stahlsparte steigerte ihren Gewinn auf 373 Millionen Euro, nach 177 Millionen Euro im Vorjahr – trotz niedrigerer Umsätze. Der Konzernumsatz über neun Monate lag bei 24,4 Milliarden Euro.

Verlust unter dem Strich bleibt

Unter dem Strich weitete sich der Nettoverlust dennoch aus, von minus 121 Millionen Euro auf minus 311 Millionen Euro. Grund sind Restrukturierungskosten in der Stahlsparte, die parallel zur operativen Verbesserung anfallen.

Die Belegschaft schrumpfte zum Ende Juni auf rund 90.000 Beschäftigte, ein Rückgang von 4.000 Stellen gegenüber dem Vorjahr. Der Konzern befindet sich damit weiterhin in einem tiefgreifenden Umbau, dessen Kosten die operativen Fortschritte teilweise überdecken.

Für die Stahlsparte kündigte Thyssenkrupp Steel Europe zudem einen Kapitalmarkttag für Ende September an. Dort soll es einen transparenten Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung und den Fortschritt der strategischen Neuausrichtung geben. Eine Verselbstständigung mit möglicher Minderheitsbeteiligung der Thyssenkrupp AG bleibt erklärtes Ziel des Konzerns.

Marinesparte liefert zweiten Impuls

Auch die Marinesparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) trug zur positiven Stimmung bei. Am Mittwoch veröffentlichte TKMS Neunmonatszahlen und kündigte eine Prognoseerhöhung an – die Sparte erwartet nun deutlich stärkeres Wachstum. Damit bestätigt sich der Trend, den bereits der milliardenschwere Auftrag für bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD aus Kanada Anfang Juli gesetzt hatte, mit einem Bau- und Servicevolumen von rund 20 Milliarden Euro.

Am Aktienmarkt zeigt sich die Wirkung der Nachrichtenlage deutlich: Der Kurs schloss am Montag bei 13,87 Euro und liegt damit nur noch 1,4 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 14,05 Euro.

Binnen einer Woche legte das Papier um 15 Prozent zu, auf Jahressicht summiert sich der Zuwachs auf 49 Prozent. Der RSI von 72 signalisiert eine überkaufte Marktlage, was kurzfristig für erhöhte Schwankungsanfälligkeit sprechen könnte.

Die Bewertung der Deutschen Bank vom 22. Juli, die das Kursziel im Zuge der tk accelis-Kapitalmarktveranstaltung auf 16,00 Euro angehoben hatte, liegt inzwischen mehrere Wochen zurück und lässt sich nicht mehr als aktuelle Einschätzung werten.

Die Kombination aus angehobener Konzernprognose, verbesserter Stahlsparte und wachsender Marinesparte liefert dem Konzern derzeit gleich mehrere positive Nachrichtenstränge zugleich. Ob sich die operative Erholung auch im Nettoergebnis niederschlägt, dürfte sich erst zeigen, wenn die Restrukturierungskosten der Stahlsparte spürbar sinken.

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