Thyssenkrupp Aktie: 39-Milliarden-Poker um kanadische U-Boote

Thyssenkrupp kämpft um einen 39-Milliarden-US-Dollar-U-Boot-Auftrag aus Kanada. Parallel dazu schreitet der Accelis-Spin-off voran.

Die Kernpunkte:
  • Kanada-Auftrag über 39 Milliarden Dollar
  • TKMS konkurriert mit südkoreanischem Anbieter
  • Norwegens Staatsfonds erhöht Beteiligung leicht
  • Accelis-Spin-off vor außerordentlicher Hauptversammlung

Kanada will bis zu zwölf U-Boote kaufen. Das Volumen: rund 39 Milliarden US-Dollar. Thyssenkrupp will diesen Auftrag – und die Chancen stehen offenbar nicht schlecht.

Die Marinesparte TKMS konkurriert bei der Ausschreibung mit dem südkoreanischen Schiffbauer Hanwha Ocean. Kanadas Verteidigungsministerium hat klargestellt: Eine Aufteilung des Auftrags auf mehrere Anbieter ist derzeit ausgeschlossen. Der Gewinner bekommt alles.

Für TKMS wäre ein Zuschlag ein Sprung in eine andere Liga. Erst kürzlich hatte die Sparte einen Auftrag aus Schweden über 4,5 Milliarden Euro vermeldet. Der kanadische Deal würde dieses Volumen um ein Vielfaches übertreffen und die Auftragsbücher auf Jahre füllen. Das würde auch den Plan stärken, TKMS langfristig eigenständig zu positionieren.

Norwegen erhöht seine Position leicht

Während TKMS um den Großauftrag kämpft, hat sich bei den Aktionären etwas bewegt. Norwegens Staatsfonds hat seine Beteiligung an Thyssenkrupp angepasst. Eine Stimmrechtsmitteilung bestätigte den Schritt.

Zum 30. Juni überschritt Norwegen einen Meldeschwellenwert. Die neue Gesamtbeteiligung liegt bei 3,60 Prozent der Stimmrechte, zuvor waren es 3,50 Prozent. Der Großteil davon, 2,97 Prozent, hält der Fonds direkt über Aktien.

Eine kleine Bewegung, aber ein Signal. Institutionelle Großanleger scheinen die laufende Transformation des Konzerns weiter aufmerksam zu verfolgen.

Accelis-Spin-off nimmt Formen an

Parallel dazu treibt Thyssenkrupp die Abspaltung seiner Werkstoffhandelssparte voran. Die Sparte firmiert künftig als TK Accelis. In den vergangenen Tagen sind die Details des geplanten Börsengangs konkreter geworden.

Aktionäre sollen für je 20 Thyssenkrupp-Aktien ein Papier der neuen TK Accelis Group erhalten. Insgesamt gibt der Konzern gut 31 Millionen neue Aktien aus. Thyssenkrupp behält 51 Prozent der Anteile, die übrigen 49 Prozent gehen an die bestehenden Aktionäre.

Über den Spin-off entscheidet die außerordentliche Hauptversammlung am 7. August. Das Vorbild: die bereits erfolgreich abgespaltene Marinesparte TKMS. Die Aufspaltung soll die Bewertung des Gesamtkonzerns transparenter machen.

Stahlsparte bleibt Baustelle

Nicht alle Nachrichten sind positiv. Seit dem 1. Juli gelten verschärfte EU-Importregeln für Stahl, die das zollfreie Einfuhrvolumen auf rund 18,3 Millionen Tonnen begrenzen. Das soll europäische Hersteller vor asiatischen Überkapazitäten schützen – hilft aber nicht sofort bei den internen Problemen.

Die Verkaufsgespräche mit dem indischen Konzern Jindal über die Stahltochter liegen seit Mai auf Eis. Thyssenkrupp arbeitet nun intern an der Sanierung.

Kurs unter Druck, Blick nach vorn

Die Aktie hat es zuletzt schwer gehabt. Der Kurs schloss am Mittwoch bei 10,39 Euro, nach einem Minus von rund 11 Prozent im letzten Monat und knapp 6 Prozent allein in der vergangenen Woche. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 7,42 Prozent zu Buche.

Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro fehlen aktuell rund 22 Prozent. Der RSI von 44,3 zeigt eine neutrale technische Lage – weder überkauft noch überverkauft. Die Aktie notiert leicht über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 9,99 Euro.

Am 17. Juli öffnet das InvestorPortal für die außerordentliche Hauptversammlung. Bis zur Abstimmung über den Accelis-Spin-off am 7. August bleiben Kanada-Entscheidung und Stahl-Sanierung die zwei großen offenen Baustellen des Konzerns.

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