Thyssenkrupp Aktie: 6,3 Milliarden trotz 70-Prozent-Kostensteigerung

Trotz eines 6,3-Milliarden-Euro-Auftrags für vier Kriegsschiffe verliert die Thyssenkrupp-Aktie an Wert. Analysten sehen Gewinnmitnahmen als Ursache.

Die Kernpunkte:
  • Bundestag genehmigt Fregatten-Auftrag
  • Aktienkurs fällt trotz Milliardenorder
  • Kostensteigerung von 70 Prozent
  • Option auf vier weitere Schiffe

Ein Milliardenauftrag für vier Kriegsschiffe. Und dennoch verliert die Aktie an Wert. Bei Thyssenkrupp klafft gerade Nachrichtenlage und Kursreaktion auseinander.

Am Donnerstag schloss das Papier bei 11,30 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,48 Prozent zu Buche. Das kommt ausgerechnet in der Woche, in der der Bundestag der Marinesparte TKMS einen milliardenschweren Fregattenauftrag genehmigt hat.

Bundestag gibt grünes Licht – mit strengen Auflagen

Der Haushaltsausschuss billigte am 8. Juli die Beschaffung von vier U-Jagd-Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU. Der Auftrag hat ein Volumen von rund 6,3 Milliarden Euro und ersetzt das zuvor gestoppte Projekt F126.

Vier Schiffe bestellt der Bund direkt über einen sogenannten Festabruf. Hinzu kommt eine Option auf vier weitere Fregatten. Diese würde nach Angaben des Verteidigungsministeriums rund 5,3 Milliarden Euro kosten und braucht eine separate parlamentarische Freigabe.

Die Zustimmung kam nicht ohne Preis. Die Kosten sind gegenüber der ursprünglichen Planung um rund 70 Prozent gestiegen. Der Stückpreis pro Fregatte liegt jetzt bei etwa 1,57 Milliarden Euro. Das Verteidigungsministerium muss dem Haushaltsausschuss künftig jede weitere Kostensteigerung sofort melden.

TKMS erklärte am selben Tag, der Weg zur Vertragsunterzeichnung sei frei. Die erste Fregatte soll bereits 2029 an die Deutsche Marine gehen. TKMS-Chef Oliver Burkhard nannte es den größten Überwasser-Auftrag in der Firmengeschichte und kündigte einen schnellen Bau an – die Sicherheitslage verlange das.

Warum der Kurs trotzdem fällt

Die Aktie notiert aktuell 3,05 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 10,97 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro, erreicht am 9. Oktober 2025, fehlen aber noch 14,65 Prozent. Marktbeobachter werten den aktuellen Rückgang als Gewinnmitnahme nach einer sehr dynamischen Rally der vergangenen Wochen.

Der Fregattenauftrag war bereits die zweite Rüstungsnachricht binnen weniger Tage. Am 6. Juli hatte Kanada TKMS zum bevorzugten Lieferanten für sein U-Boot-Programm CPSP gekürt. Das Projekt umfasst bis zu 12 U-Boote des Typs 212CD und trieb die Aktie zuvor auf ein neues Jahreshoch.

Die Auflagen aus Berlin dürften ein Grund für die verhaltene Reaktion sein. TKMS muss bei der Konstruktion bevorzugt Werftstandorte und Subunternehmer einbeziehen, die durch die Absage des F126-Projekts Aufträge verloren hatten. Diese Vorgabe gilt auch, falls der Bund später die Option auf vier weitere Schiffe zieht. Zusätzlich prüft das Ministerium, ob eine parallele Fertigung möglich ist.

Anleger scheinen die Kostensteigerung und die schärfere Berichtspflicht kritisch zu sehen. Solche Vorgaben könnten künftige Margen bei Folgeprojekten belasten. Der grundsätzliche Auftragseingang bleibt für TKMS trotzdem positiv.

Zwei Termine im Blick

Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 16,88 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sind es 3,10 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt bei 7,16 Milliarden Euro, die annualisierte Volatilität bei rund 52 Prozent – ein Wert, der auf weiterhin starke Kursausschläge hindeutet.

Zwei Termine dürften die nächsten Wochen prägen. Zum einen die mögliche Entscheidung über die Option auf vier weitere Fregatten. Zum anderen die außerordentliche Hauptversammlung am 7. August, auf der Aktionäre über die geplante Abspaltung der Werkstoffsparte tk accelis abstimmen.

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