Thyssenkrupp Aktie: Aufsichtsrat entscheidet Mitte Juni über Materials Services
Thyssenkrupp steht vor einer Machtprobe: Die IG Metall protestiert gegen den Abbau von bis zu 11.000 Stellen, während der Aufsichtsrat über die Zukunft der Sparte Materials Services entscheidet.

- Großkundgebung der IG Metall in Berlin
- Bis zu 11.000 Stellen bedroht
- OECD warnt vor Stahl-Überkapazitäten
- Aufsichtsrat tagt Mitte Juni
Die Aktie von Thyssenkrupp notiert bei 11,37 Euro – unverändert zum Freitagsschluss. Seit Jahresbeginn zeigt das Papier ein Plus von 17,5 Prozent. Doch hinter der stabilen Kursentwicklung brodelt es.
Die IG Metall hat für diesen Freitag zu einer Großkundgebung in Berlin aufgerufen. Vom Brandenburger Tor soll ein Protestzug zum Bundeswirtschaftsministerium führen. Die Gewerkschaft mobilisiert Beschäftigte aus ganz Deutschland gegen die Sanierungspläne bei Thyssenkrupp Steel Europe.
Im Raum steht der Abbau oder die Auslagerung von bis zu 11.000 Stellen. Die Arbeitnehmervertreter fordern von der Politik verlässliche Zusagen zum Industriestrompreis. „Die Politik darf nicht auf halbem Weg stehen bleiben“, heißt es aus der Gewerkschaft. Der Standort Duisburg müsse wettbewerbsfähig bleiben.
OECD sieht strukturellen Druck
Parallel dazu warnt die OECD vor massiven globalen Überkapazitäten auf dem Stahlmarkt. Staatlich subventionierte Produktion in China treibt den Preisdruck. Europäische Produzenten wie Thyssenkrupp spüren das direkt in ihren Margen – trotz laufender Reformen.
Das macht die ohnehin schwierige Verselbstständigung der Stahlsparte nicht leichter. Analysten sehen die Risiken klar: Thyssenkrupp ist ein zyklischer Wert, abhängig von globaler Nachfrage und Rohstoffpreisen. Die OECD-Analyse unterstreicht genau diese Abhängigkeit.
Entscheidung im Juni
Mitte Juni tagt der Aufsichtsrat. Dann soll über die Zukunft der Werkstoffhandelssparte Materials Services beraten werden. Drei Optionen stehen zur Wahl: Abspaltung, Börsengang oder Verkauf.
Es wäre der nächste Schritt in der Transformation des Essener Konzerns zur Finanzholding. Der Börsengang der Wasserstoff-Tochter Nucera und die Verselbstständigung von Marine Systems liegen bereits hinter dem Unternehmen. Anfang Juni wurde zudem die Neuordnung der Gesellschafterstruktur bei HKM eingeleitet – die Salzgitter AG übernimmt die Anteile von Thyssenkrupp Steel Europe.
Die Aktie notiert 16 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und gut 13 Prozent über dem 200-Tage-Wert. Der RSI liegt mit 58,8 im neutralen Bereich. Die annualisierte Volatilität von 56 Prozent zeigt aber: Anleger müssen bei diesem Titel mit starken Schwankungen rechnen. Die Aufsichtsratssitzung Mitte Juni wird zeigen, ob der Transformationskurs weiter Fahrt aufnimmt – oder ob die Widerstände größer sind als erwartet.
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