Thyssenkrupp Aktie: Auftragseingang springt 32 Prozent

Thyssenkrupp präsentiert operative Verbesserungen auf Investorenkonferenz, während der Aktienkurs stark zulegt. Der Free Cashflow bleibt jedoch eine Herausforderung.

Die Kernpunkte:
  • Operatives Ergebnis deutlich gesteigert
  • Umsatzprognose leicht gesenkt
  • Aktienkurs mit starkem Momentum
  • Free Cashflow bleibt negativ

Thyssenkrupp hat den nächsten Kapitalmarkttermin gesetzt: Am 27. Mai 2026 stand die Baader The Finest CEElection Equity Investor Conference in Warschau im Kalender. Für den Industriekonzern ist das mehr als ein Pflichttermin. Nach einem starken operativen Quartal muss das Management erklären, wie belastbar die Fortschritte im Umbau wirklich sind.

Die Aktie läuft derweil nach oben. Am Donnerstag notierte sie bei 11,43 Euro, ein Tagesplus von 1,55 Prozent; auf Sicht von 30 Tagen steht ein Gewinn von 30,33 Prozent. Das Momentum ist klar, aber nicht frei von Überhitzungssignalen.

Operativ klar verbessert

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 meldete Thyssenkrupp einen Auftragseingang von 10,6 Milliarden Euro. Das entsprach einem Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz sank leicht auf 8,4 Milliarden Euro.

Wichtiger war die Ergebniswende im Tagesgeschäft. Das bereinigte EBIT stieg auf 198 Millionen Euro, nach nur 19 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Konzern verweist dabei auf operative Fortschritte und Effekte aus dem APEX-Performanceprogramm.

Unter dem Strich bleibt das Bild enger. Thyssenkrupp wies einen Nettoverlust von 11 Millionen Euro aus. Das Ergebnis je Aktie lag bei 0,00 Euro, nachdem im Vorjahr noch ein positiver Sondereffekt aus dem Verkauf von tk Electrical Steel India geholfen hatte.

Prognose hält, Umsatzziel sinkt

Der Vorstand bestätigte im Mai die wesentlichen Ziele für Ergebnis und Cashflow. Für das Gesamtjahr erwartet Thyssenkrupp weiter ein bereinigtes EBIT zwischen 500 Millionen und 900 Millionen Euro. Beim Free Cashflow vor M&A bleibt die Spanne negativ.

Gerade dieser Punkt bremst die Euphorie. Operativ zeigt der Konzern Fortschritte, doch der Geldabfluss bleibt ein zentrales Thema. Die Börse honoriert Verbesserung, verlangt aber belastbare Bestätigung.

Bei der Umsatzprognose wurde Thyssenkrupp vorsichtiger. Statt einer Spanne von minus 2 Prozent bis plus 1 Prozent rechnet der Konzern nun mit minus 3 Prozent bis 0 Prozent. Als Gründe nennt er verzögerte Umsatzrealisierungen bei Decarbon Technologies und einen veränderten Produktmix bei Steel Europe.

Aktie läuft stark voraus

Charttechnisch hat die Aktie zuletzt deutlich Boden gutgemacht. Der Kurs liegt 22,93 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI steht bei 68,5. Das spricht für kräftiges Momentum, lässt aber auch weniger Spielraum für Enttäuschungen.

Die Bilanz liefert dem Konzern noch Stabilität. Zum 31. März 2026 meldete Thyssenkrupp ein Eigenkapital von 10,3 Milliarden Euro, eine Eigenkapitalquote von 36 Prozent und Nettofinanzguthaben von 2,8 Milliarden Euro. Das verschafft Zeit für den Umbau.

Der Kapitalmarkttermin in Warschau bringt keine neuen Finanzziele, setzt aber einen klaren Kommunikationstest. Entscheidend ist nun, ob Thyssenkrupp die EBIT-Verbesserung in den nächsten Berichtsperioden mit besserem Free Cashflow und einem stabileren Nettoergebnis unterlegen kann. Genau dort entscheidet sich, ob der jüngste Kurslauf fundamental nachzieht.

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