Thyssenkrupp Aktie: Citigroup hebt Kursziel auf 20 Euro

Thyssenkrupp profitiert von chinesischen Konjunktursignalen und einem neuen Citi-Kursziel von 20 Euro. Der Stahlkonzern verzeichnet ein Jahresplus von 44 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Kursplus dank China-Konjunkturhilfen
  • Citigroup erhöht Kursziel auf 20 Euro
  • Stahlwerte legen branchenweit zu
  • Aktie seit Jahresbeginn 44 Prozent im Plus

Es gibt diese Tage, an denen eine Aktie nicht wegen sich selbst steigt, sondern wegen eines Konjunkturprogramms auf der anderen Seite der Welt. Heute ist so ein Tag für Thyssenkrupp. Die Ankündigung stärkerer chinesischer Finanzhilfen reicht aus, um Rohstoff- und Stahlwerte in Europa auf Trab zu bringen – und mittendrin steht der Essener Konzern, dessen Aktie am Vormittag um 5,5 Prozent auf 13,38 Euro zulegt.

Das ist die eigentliche Geschichte hinter der heutigen Kursbewegung: Thyssenkrupp bleibt, trotz aller Diversifizierung in Marineschiffbau, Wasserstoff und Werkstoffhandel, ein Konjunkturbarometer für die globale Stahlnachfrage.

Wenn Peking Konjunkturhilfen ankündigt, zucken die Kurse in Essen und Salzgitter fast reflexartig nach oben. Man kann das bedauern oder es als Chance begreifen – ändern lässt sich daran wenig, solange China der mit Abstand größte Stahlverbraucher der Welt bleibt.

Citi traut dem Konzern deutlich mehr zu

Konkreten Rückenwind bekommt die Aktie heute von Citigroup. Die Bank hebt ihr Kursziel für Thyssenkrupp auf 20 Euro an und bekräftigt ihre Kaufempfehlung. Begründet wird der Schritt mit einer soliden Finanzlage und einer aus Sicht der Analysten spürbaren Unterbewertung des Konzerns.

Zusammen mit den chinesischen Konjunktursignalen sorgt das für einen der stärkeren Handelstage der jüngeren Zeit – Antofagasta und Salzgitter ziehen im gleichen Atemzug ebenfalls kräftig an, was zeigt, dass es sich um eine branchenweite Bewegung handelt und nicht um eine reine Thyssenkrupp-Geschichte.

Und doch lohnt der Blick auf die Bewertungslücke, die Citi anspricht. Ein Kursziel von 20 Euro liegt deutlich über dem aktuellen Niveau – ein Signal, dass die Analysten dem Konzern operativ mehr zutrauen, als der Markt derzeit einpreist. Ob sich diese Lücke schließt, hängt aber nicht allein von Analystenmeinungen ab, sondern davon, ob Chinas Konjunkturimpulse real bei der Stahlnachfrage ankommen oder auf dem Papier stehen bleiben.

Ein Jahr der Wiederauferstehung

Wer die Kursentwicklung der vergangenen zwölf Monate verfolgt hat, kennt das Muster mittlerweile: Auf herbe Rückschläge folgen kräftige Erholungsphasen, oft ausgelöst durch externe Impulse statt durch hausgemachte Nachrichten.

Seit Jahresbeginn steht für die Aktie ein Plus von 44 Prozent zu Buche – eine Zahl, die für sich genommen beeindruckt, aber auch daran erinnert, von welch niedrigem Niveau aus diese Erholung gestartet ist. Erst Ende März markierte das Papier bei 7,10 Euro sein Jahrestief.

Diese Achterbahnfahrt ist kein Zufall, sondern Ausdruck der strukturellen Zerrissenheit des Konzerns. Thyssenkrupp ist ein Unternehmen im Umbau, dessen Stahlsparte weiterhin stark am globalen Konjunkturzyklus hängt, während andere Bereiche eigene Wachstumsgeschichten schreiben. Für Anleger bedeutet das: Die Aktie reagiert empfindlich auf jede Nachricht aus Peking, aber ebenso auf jede Wendung in der eigenen Konzernstrategie.

Die eigentliche Frage bleibt offen

Bleibt die Frage, die sich jeder stellen sollte, der die heutige Kursrally beobachtet: Handelt es sich um den Beginn einer nachhaltigen Neubewertung der europäischen Stahlbranche, oder um einen weiteren kurzlebigen China-Reflex, der in ein paar Wochen wieder verpufft?

Die Historie der vergangenen zwölf Monate liefert keine eindeutige Antwort – sie zeigt nur, dass Thyssenkrupp-Aktionäre mit Volatilität leben müssen, ganz gleich, wie hoch die Kursziele der Analystenhäuser gerade stehen.

Was heute zählt, ist die Kombination aus zwei Faktoren: einem externen Konjunktursignal aus China und einer internen Neubewertung durch Citigroup. Beide zusammen reichen aus, um dem MDax-Wert einen der besseren Handelstage des Sommers zu bescheren. Ob daraus mehr wird, entscheidet sich nicht an der Börse in Frankfurt, sondern an der Frage, wie ernst es China mit seinen Konjunkturhilfen tatsächlich meint.

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