Thyssenkrupp Aktie: Deutsche Bank hebt Ziel auf 16 Euro
Thyssenkrupp-Aktionäre entscheiden am 7. August über die Abspaltung von tk accelis. Analysten zeigen sich optimistisch und erhöhen das Kursziel.

- Abstimmung über Spin-off am 7. August
- Deutsche Bank erhöht Kursziel auf 16 Euro
- tk accelis peilt EBITDA-Marge von 4-5% an
- Wasserstoffanlage in Duisburg ab 2027 geplant
Der Countdown läuft: Am 7. August entscheiden die Aktionäre von Thyssenkrupp auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die finale Abspaltung und eigenständige Börsennotierung der Sparte tk accelis, vormals Materials Services. Bereits am 3. August will der Vorstand seine Reden zur Versammlung veröffentlichen, damit sich Anleger vorab ein Bild von der Argumentation machen können. Die Abstimmung markiert den vorläufigen Höhepunkt eines Umbaus, der den Essener Konzern seit Monaten prägt.
Deutsche Bank erhöht Kursziel deutlich
Am Freitag vergangener Woche reagierten die Analysten der Deutschen Bank auf die Entwicklung: Sie hoben ihr Kursziel für die Aktie von 14,50 Euro auf 16,00 Euro an und bestätigten das Votum „Buy“. Begründet wurde der Schritt mit der erwarteten Wertsteigerung durch den tk-accelis-Spin-off sowie einer operativen Erholung im Konzern. Die Erhöhung fällt in eine Phase, in der der Kurs bereits kräftig zugelegt hat: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 30,04 Prozent zu Buche, auf Monatssicht kletterte die Aktie um 15,46 Prozent. Am Freitag schloss das Papier bei 12,06 Euro, ein Tagesminus von 0,78 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro, erreicht am 9. Oktober, fehlen der Aktie damit noch 8,95 Prozent.
Die anstehende Hauptversammlung ist keine Formsache, doch die Weichen für die Abspaltung sind seit dem Capital Markets Day der Sparte am 20. Juli klarer gestellt. Dort konkretisierte tk accelis seine Mittelfristziele für die Zeit nach der Trennung vom Mutterkonzern: Eine EBITDA-Marge von 4 bis 5 Prozent bei einem jährlichen Umsatzwachstum von über 4 Prozent soll erreicht werden. Für Anleger ist das die Messlatte, an der sich die neue, eigenständig notierte Gesellschaft künftig messen lassen muss.
Strukturwandel auch bei Stahl und Wasserstoff
Parallel zur Vorbereitung des Spin-offs verändert sich auch die Beteiligungsstruktur im Stahlgeschäft. Anfang Juli erwarb die Salzgitter AG sämtliche Anteile an den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann, kurz HKM, von den bisherigen Gesellschaftern. Thyssenkrupp Steel hielt zuvor 50 Prozent, der zweite Anteilseigner Vallourec ebenfalls die Hälfte. Der Verkauf reduziert die Beteiligungslandschaft im europäischen Stahlgeschäft weiter und dürfte die Konzentration auf das Kerngeschäft bei Thyssenkrupp Steel Europe zusätzlich unterstreichen.
Ein zweites Großprojekt betrifft den geplanten Umbau der Stahlproduktion auf wasserstoffbasierte Verfahren. Die Inbetriebnahme der Direktreduktionsanlage in Duisburg ist mittlerweile offiziell für 2027 vorgesehen, der erste Wasserstoffeinsatz soll 2028 folgen, der vollständige Betrieb mit Wasserstoff wird für 2029 angestrebt. Das Projektvolumen beläuft sich auf rund 3 Milliarden Euro. Der langfristige Zeitplan zeigt, wie kapitalintensiv und mehrjährig die Transformation der Stahlsparte angelegt ist, während die Konzernspitze zugleich den Spin-off von tk accelis vorantreibt.
Nucera liefert solide Zahlen, Termine häufen sich im August
Bei der Tochtergesellschaft Thyssenkrupp Nucera fielen die vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 leicht besser aus als von Analysten erwartet. Umsatz und Ergebnis profitierten dabei von Vorzieheffekten, was die Zahlen nicht ohne Weiteres als nachhaltigen Trend erscheinen lässt. Der vollständige Quartalsbericht folgt am 12. August, einen Tag darauf veröffentlicht der Mutterkonzern seine Zwischenmitteilung zum dritten Quartal.
Für Anleger bündeln sich damit binnen weniger Tage mehrere entscheidende Termine: die Hauptversammlung zur Konzernspaltung, gefolgt von zwei Quartalsberichten aus Tochtergesellschaft und Mutterkonzern. Die Volatilität der Aktie, die auf 30-Tage-Sicht annualisiert bei 44,01 Prozent liegt, dürfte in dieser Phase kaum nachlassen. Der Relative-Stärke-Index von 56,1 signalisiert dabei weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation – der Markt scheint die Entscheidung über tk accelis noch nicht vollständig eingepreist zu haben.
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