Thyssenkrupp Aktie: Die Stahl-Hürde?

Die DZ Bank bestätigt ihre Kaufempfehlung, senkt den fairen Wert aber auf 15 Euro; die Verselbstständigung von Steel Europe bleibt anspruchsvoll.

Die Kernpunkte:
  • DZ Bank reduziert fairen Wert auf 15 Euro
  • Kaufempfehlung der DZ Bank bleibt bestehen
  • Thyssenkrupp behält 51 Prozent an tk accelis
  • Steel Europe gilt als größere Herausforderung

Die DZ Bank sieht bei Thyssenkrupp trotz des jüngsten Transformationsschritts die schwierigere Aufgabe noch bevorstehen. Analyst Dirk Schlamp bezeichnet heute die Verselbstständigung von Steel Europe als größere Herausforderung. Seine Kaufempfehlung bestätigt er dennoch. Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Unterscheidung: Fortschritte beim Konzernumbau sind nicht gleichbedeutend mit einer abgeschlossenen operativen Neuaufstellung.

Kaufempfehlung mit niedrigerem Bewertungsansatz

Die DZ Bank senkt den fairen Wert der Thyssenkrupp-Aktie von 16 € auf 15 €. Die Empfehlung bleibt „Kaufen“. Schlamp würdigt den Börsenstart der Werkstoffsparte tk accelis als nächsten Transformationsmeilenstein.

Damit stehen in seiner Einschätzung Anerkennung und Vorbehalt nebeneinander. Der Umbau kommt voran, während die nächste große Aufgabe das Stahlgeschäft betrifft. Die positive Anlageempfehlung ist deshalb nicht als Entwarnung für sämtliche Teile des Konzerns zu verstehen.

Auch Deutsche Bank Research hält an ihrer Kaufempfehlung fest. Analyst Bastian Synagowitz reduziert das Kursziel von 18 € auf 17 €. Er begründet die Änderung mit der Anpassung seines Bewertungsmodells an die vollzogene Abspaltung von tk accelis.

Die beiden Häuser senken somit ihre Bewertungsmaßstäbe, ohne ihre grundsätzliche Einschätzung zu ändern. Bei der Deutschen Bank steht ausdrücklich die veränderte Konzernstruktur hinter der Anpassung. Die niedrigere Zielmarke allein lässt sich deshalb nicht als neue Verschlechterung des operativen Geschäfts lesen.

Beteiligungswert und operative Aufgaben trennen

Nach der gestrigen Abspaltung hält Thyssenkrupp weiterhin 51 % an tk accelis. Aktionäre erhielten für jeweils 20 Thyssenkrupp-Aktien eine Aktie der Werkstoffsparte. Die separate Notierung bedeutet damit keinen vollständigen Ausstieg der Muttergesellschaft.

Für Anleger sind deshalb zwei Ebenen zu unterscheiden: die unmittelbar zugeteilten Aktien und die fortbestehende Mehrheitsbeteiligung innerhalb von Thyssenkrupp. Die Entwicklung der Werkstoffsparte bleibt für die Bewertung der Mutter relevant. Der Konzernumbau verlagert Werte in eigenständig notierte Gesellschaften, beendet aber nicht automatisch die wirtschaftliche Verbindung.

Zugleich verfolgt Thyssenkrupp das Ziel, mittelfristig eine Finanzholding zu werden. Die eigenständige Notierung von Tochtergesellschaften ist Teil dieser Strategie. Ob der Umbau überzeugt, hängt damit nicht allein von abgeschlossenen Strukturmaßnahmen ab, sondern auch von der wirtschaftlichen Entwicklung der verbleibenden Geschäfte und Beteiligungen.

Genau hier setzt Schlamps Hinweis auf Steel Europe an. Seine Einschätzung verschiebt den Blick vom erreichten Meilenstein auf die noch offene Bewährungsprobe. Die bestätigten Kaufempfehlungen sprechen für Zuversicht der Analysten; die gesenkten Bewertungsansätze und die größere Herausforderung im Stahlgeschäft begrenzen diese Zuversicht zugleich.

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