Thyssenkrupp Aktie: Direktreduktionswerk ohne Wasserstoff geplant
Thyssenkrupp setzt auf hohe Stahlrenditen und Umbau, während Fördergespräche und unterschiedliche Analystenurteile die Umsetzung begleiten.

- Stahlsparte peilt 1,2 Milliarden Euro EBITDA an
- Förderanpassung für Duisburger Werk wird verhandelt
- 160 bis 180 Stellen sollen entfallen
- Deutsche Bank und JPMorgan bewerten unterschiedlich
Am Freitag legte die Thyssenkrupp-Aktie um 2,0 Prozent zu und ging bei 14,10 Euro aus dem Handel. Auf den ersten Blick wirkt diese Bewegung wie ein beruhigendes Signal in einem nervösen Marktumfeld. Immerhin steht seit Jahresanfang ein Kursplus von 51 Prozent zu Buche.
Doch für mich täuscht dieser jüngste Aufschwung über die tiefgreifenden Herausforderungen hinweg, vor denen der Industriekonzern unverändert steht. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt erst jetzt: Das Unternehmen muss beweisen, dass die ambitionierten Pläne mehr sind als bloße Zahlenspiele auf Präsentationsfolien.
Ambitionierte Stahlziele treffen auf harte Tatsachen
Im Zentrum der Debatte steht weiterhin die Stahlsparte. Beim Capital Market Day der Stahlsparte vor wenigen Tagen formulierte das Management mittelfristige Ziele, die aufhorchen lassen: Ein bereinigtes EBITDA von mindestens 1,2 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 11 Prozent sollen erreicht werden, flankiert von einem positiven Free Cashflow. Mehr als 800 Millionen Euro sollen allein aus eigenen Maßnahmen zum Ergebnis beitragen.
Das klingt auf dem Papier überzeugend. Doch wie tragfähig ist dieses Fundament im rauen Industriealltag? Laut Reuters führt Thyssenkrupp Steel Gespräche über eine Anpassung der Förderung für das Direktreduktionswerk in Duisburg, damit die Anlage zunächst auch ohne Wasserstoff betrieben werden kann.
Diese Entwicklung zeigt unmissverständlich, wie groß die operativen und infrastrukturellen Hürden bei der Transformation zur klimaneutralen Produktion bleiben. Wer geglaubt hat, der Wandel ließe sich ohne Reibungsverluste und Verzögerungen durchziehen, sieht sich getäuscht.
Umbau im Eiltempo und geteilte Meinungen
Gleichzeitig zieht der Konzern an anderen Stellen die Daumenschrauben an. Bei thyssenkrupp Automotive Technology betrifft die Neuausrichtung des Fahrwerksgeschäfts die Standorte Essen und Ennepetal, wo 160 bis 180 Stellen wegfallen sollen. Die neue Organisation soll bereits am 1. Januar 2027 starten.
Dieser Schritt unterstreicht, dass das Management gewillt ist, Strukturen anzupacken. Auch auf der Eigentümerseite bewegen sich die Gewichte: Eine Stimmrechtsmitteilung belegte, dass die Norges Bank am 25. September 2026 eine meldepflichtige Schwelle erreicht oder überschritten hat.
Am Kapitalmarkt herrscht derweil Uneinigkeit darüber, wie viel Vorschusslorbeeren die Essener verdienen. Nach den Zielen der Stahlsparte beließ Deutsche Bank Research die Einstufung am Dienstag auf „Buy“ mit einem Kursziel von 18 Euro.
Die Analysten von JPMorgan zeigten sich zurückhaltender und blieben am selben Tag bei ihrer „Neutral“-Einstufung mit einem Kursziel von 15 Euro. Diese Spanne verdeutlicht das Dilemma: Investoren schwanken zwischen der Hoffnung auf eine erfolgreiche Neuausrichtung und dem Respekt vor den beträchtlichen Risiken.
Fazit: Die Umsetzung entscheidet über die Bewertung
Unterm Strich steht Thyssenkrupp an einer kritischen Weggabelung. Die Rendite- und Sparziele sind gesteckt, der Wille zur Restrukturierung ist quer durch die Sparten spürbar. Allerdings müssen die angekündigten Schritte nun greifen, ohne dass externe Rückschläge das Vorhaben ausbremsen.
Für mich spricht derzeit vieles dafür, die jüngste Euphorie mit Vorsicht zu genießen. Solange zentrale Kernfragen beim Anlagenbetrieb und den künftigen Rahmenbedingungen offenbleiben, bleibt der Weg steinig. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob der Konzern die angepeilten Zahlen in bare Münze verwandeln kann.
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