Thyssenkrupp Aktie: Entscheidende Woche
Thyssenkrupp steht vor einer Woche mit zentralen Weichenstellungen: Die Hauptversammlung, kritische Verhandlungen zum Stahlgeschäft und ein erwarteter hoher Verlust prägen die aktuelle Lage des Konzerns.

- Hauptversammlung mit Dividendenbeschluss am 30. Januar
- Kritische Phase bei Verkauf der Stahlsparte an Jindal
- Erwarteter Jahresverlust von bis zu 800 Millionen Euro
- Aktienkurs notiert deutlich über Langfristdurchschnitten
Für Thyssenkrupp verdichten sich in diesen Tagen mehrere Weichenstellungen: Am Freitag die Hauptversammlung, parallel der mögliche Ausstieg aus dem Stahlgeschäft und im Hintergrund ein erwarteter hoher Verlust durch die laufende Restrukturierung. Im Kern geht es darum, wie der Konzern den tiefgreifenden Umbau finanziell und strukturell meistert – ohne den Konflikt mit Belegschaft und Gewerkschaft weiter zu verschärfen. Kein Wunder, dass der Blick vieler Anleger in dieser Woche auf Essen gerichtet bleibt.
Hauptversammlung und Dividende im Fokus
Am 30. Januar 2026 lädt Thyssenkrupp zur 27. ordentlichen Hauptversammlung nach Bochum. Die Veranstaltung beginnt um 10:00 Uhr im RuhrCongress und findet als Präsenztermin statt. Zur Vorbereitung hat der Konzern bereits heute die Reden von Vorstand und Aufsichtsrat auf der Investor-Relations-Website veröffentlicht – ein Signal, dass man den Dialog mit den Anteilseignern bewusst strukturiert angehen will.
Auf der Tagesordnung stehen die Klassiker einer Hauptversammlung, aber mit spürbarer Relevanz für die künftige Ausrichtung:
- Beschluss über die Verwendung des Bilanzgewinns
- Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat
- Neuwahlen für sieben auslaufende Mandate im Aufsichtsrat der Anteilseigner
- Billigung des Vergütungsberichts für das Geschäftsjahr 2024/2025
Beim Thema Ausschüttung bleibt der Konzern zurückhaltend: Vorgeschlagen ist eine unveränderte Dividende von 0,15 Euro je Aktie. Das Ex-Dividenden-Datum ist für den 2. Februar 2026 vorgesehen, die Auszahlung soll am 4. Februar 2026 erfolgen. Vor dem Hintergrund der anstehenden Restrukturierungskosten unterstreicht der unveränderte Vorschlag die Balance zwischen Aktionärsbeteiligung und Kapitalerhalt.
An der Börse präsentiert sich die Aktie trotz der Baustellen robust: Der Kurs notiert aktuell bei 11,20 Euro und damit rund 15 % über dem 50- und 200-Tage-Durchschnitt. Auf Zwölfmonatssicht steht sogar ein Plus von knapp 140 % zu Buche – der Markt preist also bereits spürbaren Fortschritt beim Umbau ein.
Verkauf der Stahlsparte: Harter Konflikt mit IG Metall
Parallel zur Hauptversammlung laufen die Verhandlungen mit Jindal Steel International über einen möglichen Verkauf von Thyssenkrupp Steel Europe. Der indische Interessent prüft derzeit die Bücher der größten deutschen Stahlsparte. Die Gespräche sind damit in einer sensiblen Phase, in der wirtschaftliche Erwartungen und arbeitsmarktpolitische Interessen direkt aufeinandertreffen.
Kernpunkt des Konflikts: Laut einem Bericht des Handelsblatts dringt Jindal auf stärkere Einsparungen als bisher vereinbart. Die IG Metall stellt sich quer gegen zusätzlichen Stellenabbau über die bereits beschlossenen Maßnahmen hinaus. NRW-Bezirksleiter Knut Giesler bezeichnete den bestehenden Sanierungstarifvertrag in der Rheinischen Post als „unantastbar“.
Der im Dezember 2025 geschlossene Vertrag läuft bis zum 30. September 2030 und definiert bereits einen tiefen Einschnitt:
- Reduktion der Produktionskapazität auf ein Versandniveau von 8,7 bis 9 Millionen Tonnen
- Abbau oder Auslagerung von rund 11.000 Arbeitsplätzen
Genau hier liegt der Knackpunkt: Ein Käufer, der zusätzliche Einschnitte fordert, trifft auf eine Gewerkschaft, die ihren Sanierungskorridor als rote Linie versteht. Wie weit Thyssenkrupp auf weitere Forderungen eingehen kann, ohne eine offene Konfrontation mit der IG Metall zu riskieren, wird zu einem Schlüsselfaktor für das Gelingen des Deals.
Hoher erwarteter Verlust durch Restrukturierung
Operativ hat der Konzern das Geschäftsjahr 2024/2025 in einem schwierigen Marktumfeld abgeschlossen. Für das laufende Geschäftsjahr 2025/2026 stellt das Management einen deutlichen Nettoverlust von bis zu 800 Millionen Euro in Aussicht. Ausschlaggebend sind vor allem Rückstellungen für die Restrukturierung der Stahlsparte.
Damit macht Thyssenkrupp klar: Der Umbau hat seinen Preis und belastet die Ergebnisrechnung kurzfristig spürbar. Für Investoren ist dieses Signal insofern ambivalent – einerseits drückt der erwartete Verlust auf die Bilanz, andererseits werden Altlasten bilanziell vorgezogen, was die Ertragsperspektive nach Abschluss der Maßnahmen verbessern könnte.
Wichtige Termine sind bereits festgelegt: Der Zwischenbericht für das erste Quartal 2025/2026 (Oktober bis Dezember) wird am 12. Februar 2026 veröffentlicht. Seit dem 21. Januar befindet sich die Investor-Relations-Abteilung in einer Quiet Period, der Austausch mit dem Kapitalmarkt ist bis zur Vorlage der Zahlen eingeschränkt. Neue Impulse für die Bewertung sind daher vor allem von der Hauptversammlung und möglichen Aussagen zum Stahlverkauf zu erwarten.
Konzernumbau zur Holding nimmt Form an
Strategisch treibt Thyssenkrupp den Wandel hin zu einer schlankeren Holdingstruktur voran. Die einzelnen Segmente sollen eigenständiger agieren, während die Konzernzentrale stärker die Rolle einer strategischen Dachgesellschaft einnimmt. Der mögliche Verkauf der Stahlsparte fügt sich in diese Logik ein: Kapitalintensive und zyklische Einheiten werden getrennt, um fokussiertere Portfolios zu schaffen.
Ein weiterer Baustein ist die Abspaltung des Marine-Systems-Segments (TKMS), die auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im August 2025 beschlossen wurde. TKMS prüft aktuell eine mögliche Übernahme der Kieler Werft GYNK – ein Hinweis darauf, dass der Marineschiffbauer selbst auf Wachstum und Konsolidierung in seinem Marktsegment setzt.
Fazit: Woche mit Signalwirkung
Die Kombination aus Hauptversammlung, laufenden Stahlverhandlungen und erwartetem Nettoverlust macht die kommenden Wochen zu einem Test für die Umbaufähigkeit des Konzerns. Kurzfristig dürften vor allem zwei Punkte entscheidend sein: Ob das Management zur HV klarere Konturen zu Struktur und Bedingungen eines möglichen Stahl-Deals zeichnet – und wie fest der Sanierungstarifvertrag als Grenze für weitere Einschnitte tatsächlich bleibt. Spätestens mit den Quartalszahlen am 12. Februar wird deutlicher werden, ob die Börse ihren bisherigen Vertrauensvorschuss in den Umbau von Thyssenkrupp bestätigt sieht.
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