Thyssenkrupp Aktie: Fördermodell für Duisburg wird neu verhandelt
Thyssenkrupp sucht mit Bund und EU nach flexibleren Förderregeln für Duisburg, während López’ Wahl und ein höheres Kursziel die Aktie stützen.

- Fördergespräche für Duisburger Direktreduktionsanlage
- Wasserstoffvorgaben gelten als nicht realistisch
- López führt Hydrogen Europe bis 2029
- Deutsche Bank hebt Kursziel auf 18 Euro
Thyssenkrupp steckt mitten in Gesprächen mit der Bundesregierung und der EU über die Förderbedingungen für seine geplante Direktreduktionsanlage in Duisburg. Nach Reuters-Berichten vom 13. August gilt der ursprünglich an Wasserstoff geknüpfte Förderrahmen für den Startbetrieb der Anlage inzwischen als nicht mehr realistisch. Das Unternehmen sucht demnach mit den Behörden nach einem angepassten Modell.
Die Anlage ist ein Kernprojekt der grünen Transformation des Stahlgeschäfts. Ursprünglich sollte sie von Beginn an mit Wasserstoff betrieben werden – ein Anspruch, der sich in der Praxis offenbar als zu ambitioniert erwiesen hat. Eine Lockerung der Förderauflagen würde dem Konzern mehr Flexibilität beim Anlaufbetrieb verschaffen, etwa durch einen zunächst stärkeren Einsatz von Erdgas, ohne dass staatliche Zuschüsse automatisch entfallen.
Personelle Aufwertung in der Wasserstoffbranche
Parallel zu den Förderverhandlungen gewinnt Thyssenkrupp an politischem Gewicht in der Wasserstoffszene. Konzernchef Miguel López wurde am 29. Juli zum Präsidenten von Hydrogen Europe gewählt, seine Amtszeit läuft bis Juni 2029. Die Personalie unterstreicht, wie eng Thyssenkrupp seine industrielle Transformation mit der europäischen Wasserstoffpolitik verzahnt sieht – gerade in einer Phase, in der die Förderbedingungen für das eigene Kernprojekt neu verhandelt werden.
Operatives Geschäft: Wartung in Duisburg
Im Stahlgeschäft selbst hat Thyssenkrupp Steel am 1. September die planmäßige Abschaltung von Hochofen 2 in Duisburg für rund sechs Wochen angekündigt. Die Wartungs- und Teilreparaturarbeiten sollen die Stabilität der Roheisenproduktion verbessern. Eine planmäßige Maßnahme, die operative Kontinuität signalisiert, während der Konzern an anderer Stelle über die Zukunftstechnologie der Stahlproduktion verhandelt.
Kursreaktion und Bewertung
Die Aktie hat die jüngsten Entwicklungen mit deutlichen Kursgewinnen goutiert. Am Freitag schloss das Papier bei 15,20 Euro, ein Plus von 6,0 Prozent auf Tagessicht. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 63 Prozent zu Buche. Der Titel notiert nur noch 0,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom 4. September und damit deutlich über seinem 200-Tage-Durchschnitt.
Deutsche Bank Research hatte das Kursziel für Thyssenkrupp am 4. September auf 18 Euro von zuvor 16 Euro angehoben und die Einstufung „Buy“ bestätigt. Die Anhebung fiel zeitlich mit dem Erreichen des 52-Wochen-Hochs zusammen und markiert eine der jüngsten Neubewertungen des Konzerns durch Analysten.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite treibt die politische Aufwertung von López und das gestiegene Kursziel die Fantasie, auf der anderen Seite hängt der wirtschaftliche Erfolg der Duisburger Transformation maßgeblich davon ab, wie die Verhandlungen über die Förderbedingungen ausgehen.
Ein für den Start weniger strenger, aber dennoch verlässlicher Förderrahmen dürfte entscheidend dafür sein, ob sich die grüne Stahlproduktion in Duisburg wirtschaftlich tragen lässt.
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