Thyssenkrupp Aktie: HKM geht an Salzgitter
Thyssenkrupp kämpft um milliardenschweren U-Boot-Auftrag aus Indien und schließt Stahl-Rückzug ab. Die Aktie notiert im Plus.

- Indien plant sechs U-Boote für Milliarden
- TKMS auf Shortlist für Technologiepartnerschaft
- Rückzug aus HKM-Gemeinschaftsunternehmen besiegelt
- Aktie mit Jahresplus von über 21 Prozent
Thyssenkrupp bewegt sich an mehreren Fronten gleichzeitig. Die Marinesparte TKMS kämpft um einen milliardenschweren U-Boot-Auftrag aus Indien. Parallel hat der Konzern seinen Rückzug aus dem Stahl-Gemeinschaftsunternehmen HKM diese Woche endgültig abgeschlossen. Die Aktie notiert aktuell bei 11,72 Euro, ein Plus von 1,91 Prozent zum Vortag.
Milliardenauftrag aus Indien in der Schwebe
Die indische Regierung hat ein Rüstungsprogramm im Wert von 8 bis 9 Milliarden US-Dollar genehmigt. Im Rahmen von „Project 75-I“ sollen sechs konventionelle U-Boote entstehen. TKMS steht auf der Shortlist der möglichen Technologiepartner.
Die Konkurrenz ist groß. Neben TKMS bewerben sich die französische Naval Group, die spanische Navantia und der südkoreanische Konzern Daewoo um den Zuschlag. Die erste Auslieferung plant Indien frühestens für 2030 – das Projekt zählt zu den größten seiner Art weltweit.
Für die Marinesparte wäre ein Zuschlag von strategischer Bedeutung. TKMS steht seit Monaten im Zentrum von Überlegungen zu einer möglichen Verselbstständigung oder einem Teilverkauf. Ein Großauftrag aus Indien würde die Verhandlungsposition deutlich stärken.
Stahl-Rückzug endgültig besiegelt
Thyssenkrupp hat diese Woche einen weiteren Schritt seines Konzernumbaus abgeschlossen. Nach monatelangen Verhandlungen vollzieht der Konzern seinen Rückzug aus den Hüttenwerken Krupp Mannesmann. Salzgitter übernimmt HKM künftig zu hundert Prozent.
Sowohl Thyssenkrupp Steel Europe als auch Vallourec ziehen sich aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurück. Am 8. Juli unterschrieben beide Seiten die Verträge. Salzgitter kann die Integration von HKM nun starten.
Der Ausstieg hat auch vertragliche Folgen für Thyssenkrupp selbst. Der Liefervertrag von HKM mit Thyssenkrupp Steel endet nun bereits 2028 – vier Jahre früher als ursprünglich geplant.
Kurs zwischen Rekordhoch und Korrektur
Auf Wochensicht hat die Aktie knapp 5 Prozent verloren. Der aktuelle Kurs von 11,72 Euro liegt aber weiterhin über seinen wichtigen Durchschnittslinien.
Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt gut 6 Prozent, zum 200-Tage-Durchschnitt sind es knapp 18 Prozent.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von gut 21 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro vom Oktober 2025 fehlen noch rund 11,5 Prozent.
Zum 52-Wochen-Tief bei 7,10 Euro vom März beträgt der Abstand mittlerweile 65 Prozent – ein Beleg für die hohe Schwankungsbreite des Titels.
Die annualisierte Volatilität liegt derzeit bei rund 52 Prozent. Der RSI von 57 signalisiert weder eine Überkauft- noch eine Überverkauft-Situation. Die Marktdiskussion um die Aktie dreht sich zunehmend um die Frage einer möglichen Unterbewertung des Industriekonzerns, der aktuell mit 7,18 Milliarden Euro bewertet wird.
Für die kommenden Wochen bleiben zwei Themen entscheidend: eine mögliche Entscheidung Indiens über den Milliardenauftrag für TKMS und die Umsetzung des angekündigten Spin-offs der Werkstoffsparte. Der nächste Quartalsbericht wird für August erwartet. Zusätzlich steht eine außerordentliche Hauptversammlung zur Abspaltung der Materials-Services-Sparte an.
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