Thyssenkrupp Aktie: Jindal-Verhandlungen pausieren

Thyssenkrupp treibt die Stahlsanierung voran, während höhere Kursziele und ein neues 52-Wochen-Hoch den strategischen Kurs stützen.

Die Kernpunkte:
  • Stahlgespräche mit Jindal vorerst pausiert
  • Deutsche Bank hebt Kursziel auf 18 Euro
  • Bank of America erhöht Ziel auf 22 Euro
  • Bereinigtes EBIT steigt um 10 Prozent

Die Neuausrichtung der Stahlsparte bleibt der zentrale Werttreiber für Thyssenkrupp. Vor rund vier Monaten einigten sich Thyssenkrupp und Jindal Steel International darauf, ihre Verhandlungen über eine Beteiligung an Thyssenkrupp Steel Europe zu pausieren. Der Konzern begründete dies damit, dass sich die ursprünglichen Annahmen für einen Stahlverkauf in den vergangenen Monaten erheblich verändert hätten – und zwar zugunsten von Thyssenkrupp.

Warum die Pause kein Rückschlag war

Nach Angaben des Unternehmens hat sich das regulatorische Umfeld für die europäische Stahlindustrie fundamental verbessert. Gleichzeitig kam Thyssenkrupp bei der eigenen Sanierung voran: Ein Sanierungstarifvertrag mit der IG Metall sowie eine Vereinbarung mit Salzgitter zum Hüttenwerk HKM zählten zu den konkreten Fortschritten.

Reuters hatte zuvor berichtet, dass eine gestaffelte Transaktionsstruktur im Raum stand, bei der Jindal zunächst 60 Prozent übernehmen und die restlichen 40 Prozent erst später folgen sollten. Dass diese Gespräche pausiert wurden, lässt sich damit weniger als Scheitern lesen denn als Zeichen, dass Thyssenkrupp aus einer stärkeren Position heraus verhandelt.

Diese Einschätzung deckt sich mit der Linie mehrerer Analysehäuser. Am 4. September hatte die Deutsche Bank ihr Kursziel auf 18 Euro angehoben und die Einstufung „Buy“ bestätigt; Analyst Bastian Synagowitz verwies dabei auf EU-Handelsschutzmaßnahmen und strukturellen Rückenwind für europäische Stahlwerte, auch wenn die Nachfrage insgesamt schwach bleibt.

Zwei Tage später zog Bank of America nach und erhöhte ihr Kursziel auf 22 Euro – mit Verweis auf glaubwürdige Rentabilitätspfade durch die Restrukturierung und eine mögliche Teilabspaltung der Stahlsparte.

Kursreaktion bestätigt die These

Der Aktienkurs hat diese Argumentation zuletzt eindrucksvoll nachvollzogen. Am Montag schloss das Papier bei 15,78 Euro und markierte damit zugleich ein neues 52-Wochen-Hoch – der Kurs notiert damit genau auf diesem Höchststand. Am selben Tag legte die Aktie um 4,1 Prozent zu, was den fortgesetzten Vertrauensvorschuss der Anleger in die Restrukturierungsstrategie unterstreicht.

Für die Investmentstory ist entscheidend, dass die Jindal-Verhandlungen jederzeit wieder aufgenommen werden könnten, sobald sich Thyssenkrupp und der indische Stahlkonzern auf neue Bedingungen einigen.

Bis dahin bleibt der Konzern in der komfortablen Lage, die eigene Sanierung voranzutreiben, ohne unter Zeitdruck einen Verkauf unter Wert abschließen zu müssen. Der JPMorgan-Analyst Dominic O’Kane hatte zudem bereits die geplante Abspaltung des Werkstoffhändlers TK Accelis als nächsten Meilenstein der Wertfreisetzungsstrategie für Aktionäre bezeichnet.

Operativ untermauerte Thyssenkrupp diesen Kurs zuletzt mit dem ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026: Das bereinigte EBIT stieg um 10 Prozent auf 211 Millionen Euro, die Konzernprognose für das laufende Geschäftsjahr wurde bestätigt.

Belastet wurde das Ergebnis lediglich durch Wertberichtigungen im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des Kerngeschäfts von Automation Engineering an Agile Robots. Für Anleger bleibt damit die Kombination aus operativer Stabilisierung und strategischer Neuausrichtung der Stahlsparte der entscheidende Fixpunkt – die pausierten Jindal-Gespräche sind dabei eher Verhandlungstaktik als Warnsignal.

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