Thyssenkrupp Aktie: Marine Systems vor Verselbstständigung

Thyssenkrupp richtet sich als Beteiligungskonzern neu aus, verselbstständigt TKMS und meldet Fortschritte bei Nucera und Rasselstein.

Die Kernpunkte:
  • TKMS bereitet Eigenständigkeit vor
  • tk accelis bleibt mehrheitlich beim Konzern
  • Nucera kooperiert bei Wasserstoffprojekten
  • Aktie seit Jahresbeginn 57 Prozent teurer

Thyssenkrupp schärft sein Zukunftsbild: Konzernchef Miguel López hat das Strategieprogramm „ACES 2030“ am Freitag konkretisiert. Der Plan sieht vor, den einstigen Industriegiganten in eine reine Finanzholding beziehungsweise einen Portfoliomanager umzuwandeln, der eigenständige Geschäftseinheiten steuert, statt sie operativ zu führen. Die Abspaltung der Werkstoffsparte tk accelis vor gut drei Wochen war dabei nur der Auftakt – die Aktie legte seither um 16,8 Prozent zu.

Marinesparte als nächster Baustein

Nach dem Vorbild von tk accelis bereitet nun auch die Marinesparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) eine gesellschaftsrechtliche Verselbstständigung vor, wie am Freitag bekannt wurde. Die Sparte verweist auf einen Auftragsbestand von über 20 Milliarden Euro – eine Hausnummer, die zeigt, welches Gewicht TKMS im künftigen Konzerngefüge haben könnte.

Bei tk accelis hatten die Aktionäre im August die finale Struktur beschlossen: 49 Prozent der Anteile gingen an die Aktionäre, während die Thyssenkrupp AG mit 51 Prozent die Mehrheit behält. Sollte TKMS ähnlich aufgestellt werden, entstünde ein weiterer eigenständiger Baustein im Portfolio, den López künftig eher als Beteiligung denn als integrierten Konzernteil managen dürfte.

Der Umbau fügt sich in eine Linie, die sich seit Monaten abzeichnet. Bereits im Mai hatte der Konzern die Verhandlungen mit dem indischen Stahlhersteller Jindal über einen Teilverkauf der Sparte Steel Europe pausiert – offiziell wegen verbesserter Marktbedingungen und gestiegenem Wertpotenzial der Sparte, nachdem 2025 zuvor der Einstieg der tschechischen EP Group um Daniel Kretinsky gescheitert war.

Die Botschaft dahinter: Thyssenkrupp verkauft nicht um jeden Preis, sondern strukturiert lieber eigenständige Einheiten, die am Kapitalmarkt für sich bestehen können.

Tochtergesellschaften liefern operative Fortschritte

Während der Konzernumbau die strategische Bühne beherrscht, zeigen einzelne Tochtergesellschaften operative Fortschritte. Thyssenkrupp Nucera unterzeichnete am Donnerstag mit dem indischen Unternehmen Bharat Heavy Electricals Limited eine Kooperationsvereinbarung zur gemeinsamen Förderung von Projekten für grünen Wasserstoff auf dem indischen Markt.

Zudem meldete Nucera den Abschluss und die Übergabe einer neuen Chlor-Alkali-Anlage an den Kunden Chlorum Solutions im brasilianischen Palmeira. Am 27. August bestätigte Berenberg für Nucera die Einstufung „Hold“ mit einem Kursziel von 9,00 Euro.

Auch bei Thyssenkrupp Rasselstein tut sich etwas: Die Tochtergesellschaft kündigte den Bau einer 8-Megawatt-Freiflächen-Solaranlage am Standort Andernach an, mit der die Weißblechproduktion dekarbonisiert werden soll. Die Inbetriebnahme ist für Mitte 2027 geplant.

Bereits Mitte August hatte der Konzern zudem den Startschuss für eine Anlage zur Herstellung von nachhaltigem Flugkraftstoff in Duisburg gegeben, im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums des Forschungsprojekts „Carbon2Chem“.

Aktie bleibt auf Erholungskurs

Der Kapitalmarkt honoriert den Strategiewechsel bislang deutlich. Die Aktie schloss am Freitag bei 14,67 Euro, nach einem Minus von 1,2 Prozent an diesem Tag – auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 9,2 Prozent zu Buche.

Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 57 Prozent verteuert und liegt nur noch 3,4 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 28. August. Mit einer annualisierten Volatilität von 44 Prozent bleibt das Papier aber ein Wert für risikobereite Anleger, die auf den Erfolg des Portfolio-Umbaus setzen.

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